Ab geht's ohne Abendbrot! Dinner Cancelling: Tag 1 von 14

Hilfreich Mitarbeiterin Franziska macht den Test und betreibt Dinner-Cancelling (DC) für 14 Tage. Ob Sie es schafft fünf Kilo in 14 Tagen abzuspecken? Begleiten Sie sie durch die abendbrotfreie Zone.


Was für ein Tag!
Ich stehe hoch motiviert auf und blinzle in die trübe Morgensonne. Es wird Frühling, freue ich mich, und denke an meinen Abnehmplan und an die tausend schönen Bikinis, in denen ich einfach glänzend aussehen werde. Wenn ich denn erstmal die fünf Kilo abgenommen habe. Aber das scheint mir ein Klacks.
Auf dem Weg in die Redaktion besorge ich mir in der Apotheke eine Waage. Ich habe Glück, denn die Dinger sind im Sonderangebot und die freundlich lächelnde Apothekerin wünscht mir beim Hinausgehen viel Spaß damit. Wie man mit einer Waage allerdings Spaß haben kann, weiß ich nicht so recht, aber vielleicht habe ich die Dame auch nur etwas zu euphorisch angestrahlt. Wer weiß, was die denkt, was ich vorhabe...
Dann kaufe ich mir in meinem Lieblingscafe noch mein Lieblingsfrühstück: Laugenbagel mit Frischkäse, Salat und Sprossen.

Eine erste Anschaffung
So ausgerüstet, mit der Waage unterm Arm, bin ich an Euphorie wohl nicht mehr zu übertrumpfen.
Leider fällt diese mir sofort schlagartig aus dem Gesicht, als ich mich nach gefühlten zehn Jahren mal wieder auf die Waage stelle. Uff. 66,8 Kilogramm auf meinen mittel-nicht-groß-nicht-kleinen 172 Zentimetern. Das waren doch mal weniger, steht auf meiner Stirn und schnell steige ich wieder von dem blöden Mistding herunter. Waagen! Hab ich schon immer gehasst! Ich verbanne die ultraschicke Designer Glaswaage wieder in ihre Verpackung und genehmige mir, mit ein bisschen schlechtem Gewissen, mein Frühstück. Danach bin ich pappsatt, aber wieder besserer Stimmung.
Dann werdens eben nicht fünf Kilo in zwei Wochen, sondern acht Kilo in drei, denke ich mir in der Hoffnung, dass Dinner Cancelling hält, was es verspricht.

Unzählige Male auf Toilette
Der Tag läuft gut, die Arbeit ist wie immer ausfüllend und ich denke, wie auch sonst nicht an Essen oder dass ich ab 16 Uhr nichts mehr zu mir nehmen darf. Stattdessen kippe ich drei große Gläser Pfefferminztee hinter, weil, DC sagt: Immer schön viel trinken!
Ich renne viel auf die Toilette, was mich ein bisschen nervt, denn ich trinke normalerweise zu wenig und muss nie gehen.
In der Mittagspause mache ich mir meine Portion Gnocchis mit zwei Teelöffeln Pesto in der Mikrowelle warm und besorge mir beim Bäcker ein Plunderstück als Nachtisch, das mir der Verkäufer mit seinem gehetzten Blick aufzwingt, weil die Bäckerei voll ist, ich aber noch nicht weiß,was ich will. Naja, immerhin ist es im Angebot. Hunger habe ich allerdings nicht darauf und hebe es mir für Punkt 15.30 Uhr auf. Wer weiß, wie groß der Appetit heute Abend sein wird, ich sollte auf Vorrat essen.

Nichts zu essen ist anstrengend
Abends zu Hause weiß ich dann nicht, was ich tun soll, als ich die Haustür hinter mir ins Schloss drücke. Mein erster Gang wäre der zum Kühlschrank, so aber gehe ich zum Fenster und schaue etwas pseudo-interessiert nach draußen. Nichts. Ich mache den Fernseher an. Nichts. Anna und die Liebe. Na toll. Dann Werbung, Werbung, Schokoladenwerbung, Kekswerbung, Chipswerbung, Gummitierwerbung, MEIN GOTT! Ich mache den Fernseher wieder aus und ignoriere das Knurren meines Bauches. Ich sollte mir Tee machen, denke ich, Tee hilft gegen Appetit, aber mein Körper jammert: Feste Nahrung! Ich habe keine Lust auf Tee und auch nicht auf Wasser. Säfte und Cola sind tabu, also setze ich mich wieder auf die Couch, höre Musik, lese und warte bis ich ins Bett gehen darf.
Punkt 23 Uhr liege ich in meinem Schlafzimmer und bin hundemüde. Nicht zu essen ist anstrengend, denke ich, anstrengender als ein Drei-Gänge-Menü zu kochen und Leute einzuladen. Ich nehme mir vor, morgen joggen zu gehen oder was zu unternehmen, dass mich Essen vergessen lässt. Bereits jetzt hasse ich Dinner Cancelling. Dann schlafe ich ein.