Ab geht es ohne Abendbrot: Dinner Cancelling - Das erste Wochenende

Hilfreich-Mitarbeiterin Franziska macht den Test und betreibt Dinner Cancelling (DC) für 14 Tage. Lesen Sie, wie Sie das Wochenende ohne Abendbrot übersteht.


An meinem zweiten Dinner Cancelling-freien Tag, dem Samstag, haue ich richtig rein. Ich esse alles, worauf ich Lust habe, sogar vor 16 Uhr habe ich meinen normalen Kalorienverbrauch der letzten Tage schon überschritten. Ich esse ein paar Stücken Schokolade, frühstücke Toast, was ich sonst nie tue, selbst ohne Diät nicht, und esse ausgiebig zu Abend. Es gibt Fisch und Tomaten-Pasta. Zwischendurch knabbere ich viele Walnüsse und vergehe mich an Multivitaminsaft, was sonst ebenfalls nicht meine Art ist. Abends zum Dinner gibt es natürlich Weißwein, klar. Nachts ist mir dann richtig schlecht und ich kann nicht einschlafen. Ich träume von wilden Tieren, die mich durch den Wald jagen und einem Schiff, das inklusive mir an Bord untergeht. Super Sache.

Von einem Extrem ins andere

  • Für Sonntag nehme ich mir vor, nicht so viel zu essen und halte das auch gut ein. Ich hab nicht vor, von einem Extrem ins andere zu fallen, aber irgendwie esse ich außer einem guten Frühstück nichts mehr. Ich komme einfach nicht dazu und dann ist es auch schon 16 Uhr. Ich habe Hunger.
  • Langsam kommt mir der Hunger, den ich abends habe, wie ein vertrauter Freund vor, er kommt in Wellen und geht wieder, wird stärker und schwächer. Mittlerweile bin ich eine richtige Expertin darin geworden, die verschiedenen Stadien des Hungers zu definieren, und weiß auch ganz genau, was in welchem Stadium hilft und wann ich Zähne putzen sollte, um dann das Bett aufzusuchen.
  • Heute ist der Hunger stark, aber ich bin schon wieder über den Punkt hinweg, wo ich in Versuchung gerate, etwas zu essen und sich alle Gedanken nur um Nahrung drehen. Stattdessen habe ich ein flaues Gefühl im Magen, was ein bisschen an Übelkeit grenzt. Deshalb greife ich auf meine Geheimwaffe zurück: Telefonieren.

Die Müdigkeit wird zum Feind

  • Ich telefoniere mich durch die Weltgeschichte: bester Freund, guter Bekannter, Oma und Opa, beste Freundin – nacheinander gehe ich sie durch und als ich um 22 Uhr immer noch mit letzterer verbunden bin, überfällt mich die Müdigkeit wie der Wolf das Rotkäppchen. Es geht so plötzlich, dass ich mich kaum noch halten kann.
  • Ich schlurfe samt Telefon zum Bett, um mich hinzulegen, während meine Freundin noch weiter brabbelt: „Und stell Dir vor, die hat doch tatsächlich gesagt, dass er doch nur mit mir zusammen sein würde, weil er sie verletzen möchte. Das ist doch unglaublich, oder? Als würde sich alles um sie drehen, dabei hat sie ihn doch verlassen und nicht....“, der Rest geht zwischen Trommelfell und Gehirn verloren, wird ein einheitliches, weißes Rauschen.
  • „Ja, ne, echt?“, lalle ich nur noch und ich LALLE WIRKLICH. Ich fühle mich betrunken, wirklich betrunken und mir wird warm. Aber ich spreche noch. Ich weiß nicht, was ich sage, mein Mund tut irgendetwas und heraus kommen Sätze, die wie losgelöst von mir im Raum schweben. Aber am anderen Ende der Leitung wird es nicht bemerkt. Und dann sage ich: „Ja und dabei wissen Frauen doch viel mehr über den weiblichen Penis als Männer.“ Stille. Als ich langsam das Echo meiner Worte in meinem Kopf widerhallen höre und mich wundere, wie sinnfrei dieser Satz ist, liegt meine Freundin auch schon vor Lachen auf dem Boden. Ich stimme mit ihr ein und so lachen wir anstrengende fünf Minuten bis mir alles weh tut.
  • Danach bin ich so erschöpft, dass ich das Telefonat schnell beende, nicht ohne mir anhören zu müssen, dass mich dieser Spruch spätestens an meinen 25. Geburtstag wieder einholen wird. Danke DC, denke ich und betrachte beim Zähneputzen mein blasses, müdes Selbst im Spiegel. Schwankend trolle ich mich dann endlich um 22.30 Uhr ins Bett. Morgen bricht die zweite Woche im Dinner Cancelling an, auf geht’s!