Jedes Abschiedsgedicht in der Literatur belegt eine bestandene Bindung. Das können Liebende, Freunde oder Familienpartner sein. Wenn diese Beziehung nun gelöst wird, besinnt man sich darauf, indem man die Vergangenheit Revue passieren läßt.
Ein Abschiedsgedicht zu verfassen bedeutet Wertschätzung
So paradox es klingt, mit dem Bruch und der Hinwendung zu einer Zukunft ohne die nun zu verabschiedende Person, bringt man ihr Respekt entgegen. Sich trennen bedeutet Schmerz, meistens für beide Partner. Man verabschiedet sich und wendet sich dem Gemeinsamen nocheinmal zu, bevor jeder geht. Aber auch die Trennung durch den Tod braucht ein Ritual der Bewältigung. Das Ritual geht einher mit der Erinnerung an die gemeinsam verbrachte Zeit. Das Abschiedsgedicht umfaßt gewissermaßen einen Rückblick, der jetzt verarbeitet wird.
Literatur ist ein Weg zur Bewältigung von Schmerz
Und da sind wir bereits mitten im Gedicht. Unabhängig vom Grund der Trennung, lassen Sie sich ein, auf die Rückbesinnung der gemeinsam verbrachten Zeit. Beginnen Sie mit Ihrer Begegnung. Stellen sie ein Zitat voran, welches auf den zu verabschiedenden Menschen zutrifft. Was war die Besonderheit der Person, wie hat sie Sie beeinflußt. Gehen Sie der Bedeutung nach, so als würden Sie mit Worten danach greifen. Fühlen Sie sich zum Dank verpflichtet, dann bringen Sie den Dank zum Ausdruck. Benennen Sie Ihren Schmerz. Worte können eine kleine Odyssee durch Raum und Zeit Ihrer Begegnung zeichnen. Erwähnen Sie im Abschiedsgedicht neben dem Schönen auch das Schwierige, weswegen Sie diesen Menschen geschätzt haben.
Ein Gedicht überlebt die Nachwelt für immer
Sie haben viel Material zusammengetragen. Das Zitat schwebt über Ihrem Abschiedsgedicht, wie eine Flagge. Sie schreiben sich voran, durch gemeinsame Leben, durch die andere Person und erfahren plötzlich eine Menge über sich selbst. Trotz Schmerz erringen Sie über das Schreiben Klarheit und Einsichten, die Ihnen vormals nicht gekommen sind. Sie machen somit auch sich selbst ein Geschenk. Beziehungen beginnen und enden, so wie unser Leben. Was bleibt ist unser Wort. Ein Abschiedsgedicht setzt ein Zeichen der Unvergänglichkeit an die Nachwelt. Vielleicht erfahren sie gerade, wieviel Trost in dieser Geste liegen kann.