Abszess

Hier bei Hilfreich finden sie alles zum Thema Gesundheit. Ein großes Zahnlexikon bietet ihnen die Möglichkeit, sich über die verschiedenen Begriffe zu informieren - Abszess


Auch Eiterbeule, fluktuierende Schwellung der Weichteile oder Abscessus. Das typische Erkennungsmerkmal ist die dick angeschwollene Backe. Ein Abszess entsteht, indem Eiterbakterien (klassischerweise Staphylokokken und Streptokokken) die typischen eitrigen Infektionsherde (Gewebseinschmelzung) erzeugen, welche bevorzugt in nicht vorgeformten Körperhöhlen auftauchen. Auch wenn es sterile Abszesse gibt, zeichnet sich der klassische Abszess durch eine Eiteransammlung aus, deren Begrenzung die aus Granulationsgewebe bestehende Abszessmembran darstellt – ein Unterschied etwa zur Gruppe der Phlegmone . Bricht ein Abszess erneut auf, nennt man ihn Phoenix-Abszess. Im Mundbereich werden die meisten Abszesse durch entzündete Zahnwurzeln und infizierte Zahnfleischtaschen, aber auch durch problematische Zahndurchbrüche verursacht, indem anaerobe Keime durch verschiedene Virulenzfaktoren verstärkt werden. Der Abszess verändert im Laufe seiner Existenz das Spektrum der Keime, ist er noch neu, dominiert ein aerobes Keimspektrum. Sobald jedoch in der Abszesshöhle der Sauerstoff verbraucht ist, entsteht der Nährboden Anaerobier geschaffen.

Zahnmedizinisch unterscheidet man diverse Formen:

- chronische Abszesse:
In diesem Fall ist wahlweise das Immunsystem sehr gut, die Bakterien sehr schwach oder eine Fistelung lässt das Eitersekret abfliessen. All das sorgt dafür, dass der Abszess nicht so schnell akut wird.

- akuter oder auch heißer Abszess:
Im Unterschied zum chronischen, bildet sich diese Form des Abszesses innerhalb von Stunden und verursacht starke Schmerzen.

- Fossa canina Abszess:
Ein Abszess, welcher von den Front- oder auch Eckzähnen ausgeht, seine Grenzen verlaufen dorsal durch die faziale Kieferhöhlenwand, ventral durch die Wange, lateral durch eine bukkale Loge und medial durch Nase. Typischerweise zeichnet er sich durch extremes Anschwellen von Oberlippe, Nase, Wange und Lider aus.

-masseteriko-mandibulärer Abszess:
Seine Grenze verläuft entlang der Unterkiefer-Außenkortikalis, lateral und kaudal durch den Masseter-Muskel. Erkennungsmerkmal ist eine Klemme des Kiefers und eine auf das betroffene Muskelgebiet begrenzte Schwellung.

- odontogener Abszess:
Ein Abszess, der an verschiedenen Stellen und Formen auftauchen kann, geht in der Regel von erkrankten Zähnen oder Zahnfleischtaschen aus.

- paramandibulärer Abszess:
Im hinteren Abschnitt des Unterkiefers lokalisierter Abszess, welcher die Tendenz hat, in die Weichteile der Wange aufzusteigen und dabei ein begleitendes Ödem zu verursachen. Meist geht er von einem submukösem Abszess aus.

- parapharyngealer Abszess:
Eine seitlich im Rachen gelegene Unterart des Logenabszess, dehnt er sich aus, könnte die Folge Atemnot oder Schluckbeschwerden sein, die eine Inzision leider unumgänglich machen.

- perimandibulärer Abszess:
Er bildet sich bevorzugt an der Außenseite des hinteren Unterkieferbereicher, wobei der Rand des Knochens nicht mehr tastbar ist. Folgen sind Schluckbeschwerden und Kieferklemme. Trotz der teilw. starken Schwellung ist der Druckschmerz viel schwächer als der heftige Spontanschmerz. Der Knochenrand ist nicht mehr tastbar; Kieferklemme und Schluckbeschwerden bei stark. Klassischerweise hat er odontogenen Ursprung.

- Logenabszess:
Entsteht im Bereich der Unterkiefer-Innenkortikalis und ist mit einer Abweichung des Unterkiefers in Richtung der nicht betroffenen Seite hin verbunden – dem sogenannten "Schuchardtsche Zeichen"

-retromandibulärer Abszess:
Hinter dem aufsteigenden Ast, entweder in der Fossa retromandibularis oder vor der Parotisloge, gelegener Abszess.

- retromaxillärer Abszess:
Weitere Unterart des Logenabszesses, distal vom Oberkiefer gelegen ist, was ihn besonders gefährlich macht, da er dadurch als Orbitalabszess auf die Höhle der Augen oder als Sinusthrombose auf den Schädel übergreifen kann. Ursachen meist odontogen, selten jedoch auch iatroge, in Folge von Kieferhöhlenperforation und Tuberanästhesie.

- retropharyngealer Abszess:
Liegt vor der Halswirbelsäule im hinteren Bereich des Rachens. Geht Hand in Hand mit Atem- und Schluckbeschwerden und kann sich auf die Halsgefäßscheiden ausdehnen.

-subakuter oder kalter Abszess:
nicht so extrem verlaufender Abszess, der trotzdem schmerzen kann.

- Sublinguallogen- oder Zungenabszess:
Eine seltene Form des Abszesses, welche – wie der Name nahe legt – unter dem Zungenkörper liegt, und ihren Ursprung einerseits bei odontogenen Faktoren und Erkrankungen der Speicheldrüsenerkrankungen, aber auch bei Bisswunden und Zungenpiercings haben kann.

- submandibulärer Abszess:
Nicht scharf eingegrenzter Abszess, der sich unter dem Unterkieferrand bildet und in aller Regel odontogenen Ursprunges ist.

- submentaler und perimentaler Abszess, Kinnabszess:
Gerne von einer Fistel begleiteter Abszess, der von der vorderen Zahnreihe des Unterkieferes ausgeht.

- submuköser Abszess:
Die am meisten auftretende Form des odontogenen Abszesse, welcher im Ober- oder Unterkiefer, genau unter der vestibulären Schleimhaut auftritt. Auslöser ist eine apikale Entzündung.

- subperiostaler Abszess:
Tief unter der Knochenhaut gelegen und nicht leicht zu unterscheiden vom subperiostalen Infiltrat.