Adipositas bei Kindern: Was tun?

Kinder benötigen eine richtige und gesunde Ernährung, um ihr Wachstum zu fördern und später keine Herz-Kreislaufkomplikationen zu erleiden. Doch Adipositas bei Kindern nimmt stetig zu.


Adipositas bei Kindern ist heute ein weit verbreitetes Problem. Eine gefährliche Entwicklung, denn adipöse (fettleibige) Kinder haben nicht nur ein erhöhtes Risiko für spätere Herz-Kreislaufkomplikationen wie Herzinfarkt und Schlaganfall. Erste Gefäßveränderungen am Herzen und Gefäßen zeigen sich bereits im Kindesalter.

 

 

Gesund macht Schule
Die auf dem kürzlich durchgeführten Kongress der "American Heart Association" vorgelegten Zahlen sind alarmierend: So zeigt sich bei Kindern eine massive Zunahme der Schädigung der innersten Gefäßschicht (Endothel) und ein Anstieg der Muskelmasse der linken Herzkammer infolge von zu hohem Blutdruck (Hypertonus).

Zu diesen organischen Veränderungen kommen oft bereits erhöhte Blutfette hinzu, die sogar häufig schon im Kleinkindalter einen Typ 2 Diabetes (früher nur bekannt als „Alterszucker“, da fast nur ältere Menschen daran erkrankten) nach sich zieht. Außer der Gewichtzunahme zeigen die Kinder zunehmend Haltungs- und Muskelschwäche sowie Ausdauerprobleme. Wie neueste Statistiken zeigen, ereignen sich die meisten Unfälle der Kinder durch zunehmende „motorische Ungeschicklichkeit“.

Gerade übergewichtige Kinder müssen viele Beleidigungen und Hänseleien ertragen, was zu einer zunehmenden Isolation bei Sport und Spiel führt. Die dadurch entstehende Frustration und die Verminderung des Selbstwertgefühls triggern dann häufig die ohnehin schon bestehende Ess-Störung.

Erst langsam reagiert und begreift die Gesellschaft, welche Lawine, auch kostenmäßiger Probleme, im Gesundheitswesen auf Sie zurollt. Die einzige Lösung lautet „Prävention“, so wie das Projekt für Grundschulen „Gesund macht Schule“ der Ärztekammer Nordrhein und AOK Rheinland., an dem sich leider erst wenige Grundschulen beteiligen.

 

Dr. med. Dietmar Katholnigg ist hausärztlicher Internist und Patenarzt für mehrere Grundschulen in Mönchengladbach-Rheydt, die am Projekt „Gesund macht Schule" teilnehmen. Die Rheydter „Hermann-Gmeiner-Schule“ (Pongs), die „Katholische Grundschule Am Schmölderpark“ und die „GGS Hockstein“ sind drei der Schulen, die sich das Thema „Bewegung und Entspannung, Ernährung“ ausgewählt haben. Regelmäßige Elternabende gehören für Dr. Katholnigg ebenso dazu wie der entsprechende Schulunterricht. Diesen gestaltet er erlebnisorientiert und praxisbezogen. Zum Erlernen der richtigen Ernährung und der Folgen der Adipositas bei Kindern und Erwachsenen verkleidet er sich zum Beispiel regelmäßig mit einem Fettleibigkeit vortäuschenden 25-Kilo-Anzug. Schwerpunkt seiner Arbeit sind jedoch Bewegungs- und Entspannungsübungen für Kinder.

Dabei spielt die Entspannung (siehe unten) eine wichtige Rolle, beugt sie doch Hyperaktivität und Konzentrationsstörungen, die wiederum zu Lernschwächen führen, vor. Diese mindern - ebenso wie die Übergewichtigkeit selber - die späteren Berufschancen. Wie alle Projekte von Kommunen in der Vergangenheit zeigen, bringen nur langfristige, kontinuierliche Projekte wirkliche Veränderungen. Kürzlich konnte bereits anhand einer Studie gezeigt werden, dass Kinder, die an „Gesund macht Schule“ teilnahmen, sowohl ihre Beweglichkeit als auch ihre schulischen Leistungen verbesserten.
Erst als Erwachsener Entspannung zu erlernen, dann vielleicht bereits mit psychosomatischen Stress-Erkrankungen belastet, ist meist schwierig, denn „was Hänschen nicht lernt, ....“

Ernährung und Enspannung bei Kindern

Gerade in der heutigen Zeit, während wir zunehmend mit hyperaktiven Kindern konfrontiert werden, gewinnen Entspannungen für Kinder eine zunehmende Bedeutung. Durch die Reizüberflutung von Spielekonsolen, Computer und Fernsehen, die wie Drogen unsere Kinder vereinnahmen, stehen Eltern und Pädagogen zunehmend machtlos vor unruhigen und konzentrationsgestörten Kindern.  

Sicherlich gibt es vielfältige Gründe für die durch die PISA-Studie belegte Lernschwäche und Antriebsarmut unserer Kinder, die nicht nur schlechte Schulleistungen zur Folge haben, sondern häufig auch - getriggert durch Aggression und Frustration - zu Kriminalität und Drogenabhängigkeit führen. Entspannung für Kinder stellt daher eine wichtige gesamtgesellschaftliche Aufgabe dar. Sie zu erlernen, ist aber auch eine wichtige Prophylaxe für spätere Entwicklungs- und Gesundheitsstörungen wie Herz-Kreislaufkrankheiten.  

 

 

Entspannen lernen
Neben einem Herunterdosieren der oben genannten Reizüberflutungsquellen und Reduzierung der überfüllten kindlichen Terminkalender sollten Eltern und Pädagogen aber auch für sich selbst und für die Kinder Entspannungstechniken erlernen. Eine gute Alternative hierzu stellt die „Muskelrelaxation nach Jacobsen“ dar. Hierbei werden Muskelgruppen langsam angespannt und langsam wieder entspannt
Auch für Erwachsene ist dieses Entspannungsverfahren wesentlich leichter erlernbar und auch in die Praxis umsetzbar, als zum Beispiel autogenes Training. Erst in letzter Zeit wurden die positiven Effekte von „Jacobsen“ für die kindliche Entwicklung entdeckt.

Für Ihre kindgerechte Anwendung sind kindgemäße Ausdrücke wie „Kaugummi kauen“ für Kiefermuskulatur oder „Zitrone auspressen“ für die Hand hilfreich und in eigenen Kursen, insbesondere im süddeutschen Raum, erlernbar. Oft ist auch eine Rahmenhandlung wie „Zirkusgeschichte“ bei Kindern hilfreich. Auch wenn an sich eine eher kleinere Anzahl zur Durchführung empfohlen wird, kann dies, bisherigen Erfahrungen nach, auch sehr gut ab dem dritten Schuljahr mit 20 Kindern gelingen.

 

Yoga und Traumreisen
Auch Yoga mit Kindern stellt eine gute Entspannungsalternative dar.
Im Gegensatz zur Gymnastik werden langsame und bewusste Bewegungen durchgeführt. Hierbei hat die Verbindung von Atmung und Bewegung eine wichtige Bedeutung. Alle Elemente des klassischen Yoga, von der Einstimmung im aufrechten Sitz bis zur Schlussentspannung, sind enthalten.
Als Beispiel eignet sich gut das Thema „Wasser“. Geeignet sind dabei Fragen wie „Woher kommt das Wasser?“, „Wozu brauchen die Lebewesen Wasser?“ oder Themen wie „Erfahrungen beim Wasser eingießen und Trinken“ sowie „Stilleübungen“ (Vorstellung Bach wird Fluss etc.).

Am leichtesten durchführbar sind Traumreisen für Kinder, die auch für Eltern anhand von Literatur gut erlernbar sind. Als Beispiel hierfür sei aus der Reihe ‚Mit Kindern leben’ von Friebel und Friedrich ‚Entspannung für Kinder’ (mit CD) aus dem Rowohlt-Verlag oder von Dorothée Kreusch-Jacob ‚Lieder aus der Stille’ aus dem Patmos-Verlag genannt.

Für die Inhalte dieses Artikels ist der Verfasser: Dr. Dietmar Katholnigg verantwortlich.