Die Angst vor der Angst ist das schlimmste und gleichzeitig das deutlichste Symptom, das Betroffene von ihrer Agoraphobie mitbekommen. Sie kommt unangemeldet und zeigt sich in unterschiedlicher Ausprägung. Die Angstzustände können sich in regelrechte Panikstörungen hineinsteigern und dann geht es häufig nur noch um eines - um den Wunsch zu überleben.
Ich muss hier raus
Im Volksmund wird die Agoraphobie auch Platzangst genannt, obwohl sie nach ihrer wörtlichen Übersetzung genau das Gegenteil bedeutet, als das, was man landläufig darunter versteht. Menschen, die an Agoraphobie leiden, haben nämlich Angst vor weiten Plätzen (Marktplatzphobie) und vor Menschenansammlungen. Die Ängste können in unterschiedlicher Intensität auftreten und sich in eine regelrechte Panik steigern. Es muss nicht sein, dass sich das Angstgefühl immer dann einstellt, wenn eine kritische Situation zu bewältigen ist, aber wenn, dann haben die Betroffenen selten eine Bewältigungsstrategie zur Hand, um sich selbst helfen zu können. Selbst therapeutisch erlernte Gegenmaßnahmen können nur dann greifen, solange die Panik noch nicht überhand genommen hat. Ansonsten ist nur noch der Wunsch übermächtig, die Situation verlassen zu können. Ich muss hier raus, sonst passiert etwas ganz Schlimmes - so denken die Patienten in einem akuten Zustand.
Zwanzig Minuten Angst
Die Ängste, die in einem akuten Zustand auftreten, konzentrieren sich auf das, was passieren könnte. Das kann eine drohende Ohnmacht sein, ein möglicher Herzinfarkt oder Schlaganfall oder eine Ungeschicklichkeit, die zu peinlichen Auftritten führt. Theoretisch wissen die Patienten, dass der worst case nicht eintreten wird, aber praktisch kann sich dieses Wissen nicht als Angststopp durchsetzen. Wer die Situation verlassen kann, wird es tun. Falls das nicht möglich ist, steigert sich die Angst immer mehr, bis zwanzig Minuten um sind. Dann flacht die Agoraphobie nämlich ganz von selbst wieder ab. Länger kann der menschliche Organismus einen extremen Angstzustand nicht aushalten und zieht genau die Notbremse, die vorher nicht mental gesteuert werden konnte.
Therapieansatz bei Agoraphobie
Genau da setzen einige Therapien an, durch welche die Marktplatzphobie behandelt werden kann. Die Patienten sollen sich ganz gezielt solchen Situationen stellen, die sie in Angst und Schrecken versetzen. Das Unterbewusstsein soll lernen, dass man Angst und Panik überwinden kann, ohne dass die befürchteten Folgen tatsächlich eintreten. Diese Art von Therapie ist verständlicherweise sehr anstrengend. Gleichzeitig verringert sich die Stärke der akuten Agoraphobie Zustände, was Schritt für Schritt zu einer dauerhaften Besserung führen kann.