Amalgamalternativen

Hier bei Hilfreich finden sie alles zum Thema Gesundheit. Ein großes Zahnlexikon bietet ihnen die Möglichkeit, sich über die verschiedenen Begriffe zu informieren - Amalgamalternativen


engl.: mercury alloy alternatives; Füllungs-Alternativen zu Amalgam für den Seitenzahnbereich:

Auf dem Markt werden viele Füllungsmaterialien als A. angeboten, jedoch ist bisher keines als ein echter Amalgamersatz (amalgam substitute) im Bezug auf Einfachheit der Verarbeitung, Haltbarkeit und Kosten zu werten. Gerade die immer wieder als Ersatz angepriesenen "weißen Zahnfüllungen" ( Komposites) erfüllen die zuvor erwähnten Kriterien bei korrekter Verarbeitung nicht (aufwendige Verarbeitung, "technique sensitive", ungelöstes Randschlussproblem, schwierige Verarbeitung = hohe Kosten, mangelnde Langzeiterfahrungen, fehlende Bakterienfeindlichkeit, usw.).

Der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (www.dgzmk.de), Prof. Dr. Meyer, stellt 2006 u.a. fest: "Fazit: Aus Sicht der Wissenschaft ist es derzeit nicht zu vertreten, den Füllungswerkstoff Amalgam zu verbieten. Die aktuelle Forschung zeigt, daß Ersatzmaterialien, z.B. auf Kunststoffbasis, bei weitem nicht alle Indikationen von Amalgamfüllungen abdecken bzw. ersetzen können. Die biologischen Probleme derartiger Kunststoffmaterialien sind weitestgehend ungeklärt und bedürfen deshalb intensiver bio-medizinischer Forschung ( Die Biokompatibilität von Komposit-Kunststoffen (©: Zahnärztliche Mitteilungen)). Das bekannte Umweltrisiko Quecksilber sollte nicht kritiklos durch ein bisher möglicherweise noch unbekanntes Risiko Kunststoff ersetzt werden. Man muss sich darüber im klaren sein, dass in weiten Bereichen der Medizin, beispielsweise der Nuklearmedizin, der Radiologie, Verfahren und Werkstoffe zum Einsatz kommen, die zwar unter Umweltgesichtspunkten diskutiert werden müssen, jedoch letztendlich jetzt und hier und heute den bestmöglichen Kompromiss darstellen können. Hierzu zählt auch das Amalgam. Eine wirklich seriöse Alternative wären allein staatliche Prophylaxe-Programme, wie es in den skandinavischen Ländern zum Teil beispielhaft geschieht, denn Karies ist eine weitestgehend vermeidbare Volkserkrankung."

Alternativen zu Amalgam können in direkte und in indirekte Füllungsformen eingeteilt werden. Erstere umfassen die plastischen Komposite und deren Derivate (z. B. Ormocere), Kompomere, Glasionomere und kunststoff-modifizierte Glasionomere, wobei bei weitem nicht alle der vorgenannten Vertreter für den Einsatz als definitives Füllungsmaterial im Seitenzahnbereich bleibender Zähne geeignet sind und bei vielen Materialien eine Langzeiterfahrung fehlt; von der Industrie werden in 2003 mehr als 50 Stoffe als Ersatz für das umstrittene Amalgam angeboten, welche sich meist nur durch gute kosmetische Ergebnisse auszeichnen:

konventionelle oder metallverstärkte oder hochvisköse Glasionomerzemente (GIZ) wie auch kunstoffmodifizierte, lichthärtende GIZs (sog. Hybridionomere) eignen sich wegen einer erhöhten Fraktur- bzw. Verschleißanfälligkeit nicht für den okklusionstragenden Seitenzahnbereich und eigenen sich deshalb im bleibenden Gebiss lediglich als Provisorium; im Milchzahngebiss sind sie wegen der Gutmütigkeit unter feuchten Arbeitsbedingungen durchaus vertretbar
Kompomere sind eine sehr heterogene Materialklasse, bei welcher die Indikation im Seitenzahnbereich produktbezogen überprüft werden muss. Klassisches Einsatzgebiet sind Zahnhalsfüllungen und Milchzahnversorgungen.

Komposites:
- Mikrofüllerkomposite sollten in stärker belasteten Kavitäten nicht zum Einsatz kommen
- Hybridkomposite verfügen aufgrund ihrer Füllkörpertechnologie und des relativ hohen Füllkörperanteils über gute physikalische und mechanische Eigenschaften: die Kaulast tragende Füllungen nach den Klassen I und II sind damit bei aufwendiger Verarbeitung und guter Mundhygiene dem Amalgam fast ebenbürtig.

Die indirekten A. beinhalten gegossene Goldinlays sowie zahnfarbene Inlays aus Komposite und Keramik. Allerdings erscheinen diese Formen volkswirtschaftlich gesehen als "unbezahlbar", da sie etwa 10 mal so teuer wie Wiederherstellungen aus Amalgam sind. Bei etwa 60 Millionen Füllungen pro Jahr in Deutschland wäre dies ein erheblicher zusätzlicher finanzieller Faktor für die Gesetzlichen Krankenversicherungen, welche Füllungen aus Amalgam im Seitenzahnbereich als Sachleistung auf Chip-Karte gewähren.