Alzheimer ist mit 60 Prozent die häufigste Form der Demenz. Es existieren jedoch noch weitere degenerative Erkrankungen des Gehirns, die ähnliche Symptome aufweisen. Allen Formen ist gemein, dass sie durch den allmählichen Niedergang von Nervenzellen des Gehirns verursacht werden. Diese Demenzen werden auch als primäre Erkrankungen des Gehirns bezeichnet, da die Ursachen für das Absterben von Nervenzellen direkt im Hirn zu suchen sind. Bei den im Folgenden beschriebenen Krankheiten vaskuläre Demenz, Demenz mit Lewy-Körperchen und frontotemporale Demenz, handelt es sich um primäre Demenzen.
Im Gegensatz dazu stehen die sekundären Demenzen, die auf Krankheiten oder Substanzmissbrauch (Alkohol, Medikamente, Drogen) zurückzuführen sind.
Vaskuläre Demenz (Binswangerkrankheit)
Bei dieser Form der Demenz sind Durchblutungsstörungen im Gehirn ausschlaggebend, die viele kleine Schlaganfälle verursachen. Diese werden oft durch Arterienverkalkung (Arteriosklerose) oder Herzrhythmusstörungen hervorgerufen. Ein weiteres Fortschreiten kann verhindert, bereits entstandene Schäden im Gehirn aber nicht behoben werden.
Ein Risikofaktor, der zu einer vaskulären Demenz führt, sind hohe Cholesterinwerte. Daher sollte man auf den übermäßigen Verzehr von fettreicher Nahrung verzichten. Auch ein hoher Blutdruck und Nikotinkonsum erhöhen die Wahrscheinlichkeit, eine Demenz zu entwickeln. Krankheiten wie Diabetes, Herzrhythmusstörungen und Herzschwäche (Herzinsuffizienz) fördern ebenfalls die Entstehung einer Demenz. Um dieses Risiko zu verringern, sollte man sich ausgewogen ernähren, mit dem Rauchen aufhören und regelmäßig Sport treiben.
Die Symptome der Binswangerkrankheit sind denen von Alzheimer sehr ähnlich. Die langsam fortschreitende Vergesslichkeit und auftretende Bewegungs- und Koordinationsschwierigkeiten erinnern sehr an Alzheimer. Die Betroffenen weisen aber größere Schwankungen in ihrer geistigen Leistungsfähigkeit auf, das heißt, dass sich die Patienten beispielsweise an einem Tag eher schlecht, am nächsten Tag wieder sehr gut orientieren können.
15 Prozent der Demenzkranken leiden an der vaskulären Demenz. Hierbei sind Männer doppelt so oft betroffen wie Frauen.
Gemischte Demenz
Mit zunehmendem Alter treten verschiedene Formen der Demenz gemeinsam auf. Die Symptome unterschiedlicher Demenzen überschneiden sich hier. Eine der häufigsten Mischformen besteht in Alzheimer mit gleichzeitiger vaskulärer Demenz. Es wird vermutet, dass etwa zehn Prozent der Betroffenen an dieser Form leiden.
Demenz mit Lewy-Körperchen
Die Besonderheit dieser Demenz ist das Auftreten von Halluzinationen, die sehr detailreich erlebt werden. So werden zum Beispiel nicht anwesende Personen gesehen und Unterhaltungen mit ihnen geführt. Die kognitive Leistungsfähigkeit, also die Aufnahme und Verarbeitung von Informationen, des Patienten kann von Tag zu Tag stark schwanken. Häufige Stürze und plötzliche kurz anhaltende Ohnmachtsanfälle (Synkopen) sind häufig. Mit zunehmender Erkrankung zeigen sich Parkinsonsymptome, wie die Versteifung der Bewegungen und Zittern der Hände.
Typisch für diese Art der Demenz sind Ablagerungen von Lewy-Körperchen, die in Nervenzellen von Großhirnrinde und Hirnstamm gefunden werden. An dieser Form leiden etwa fünf Prozent der Dementen.
Frontotemporale Demenz
Bei dieser Form der Demenz handelt es sich um einen Untergang von Nervenzellen in dem Schläfen- (Temporallappen) sowie dem Stirnlappen (Frontallappen).
Auffälligstes Symptom dieser Erkrankung ist die starke Persönlichkeitsveränderung der Betroffenen. Wirken Sie zu Anfang sorglos und ein bisschen unkonzentriert, werden sie mit zunehmender Krankheit reizbar bis aggressiv. Sie verhalten sich oft taktlos gegenüber anderen und vernachlässigen ihre Haushaltspflichten. Die Erkrankten interessieren sich nicht mehr für ihre Hobbys oder Mitmenschen, werden zunehmend antriebslos. Kleine, sich wiederholende, Rituale und Heißhunger – besonders auf Süßigkeiten – gehören genauso zum Krankheitsbild wie mangelnde Körperpflege.
Bei fortschreitender Erkrankung wird das Sprachvermögen in Mitleidenschaft gezogen. Die passenden Wörter zu finden, wird immer schwieriger, bald können die Betroffenen keinem Gespräch mehr folgen, da es zu Verständnisproblemen kommt. Schreitet die Demenz weiter fort, erlischt das Bedürfnis sich mitzuteilen völlig. Erst langsam werden die Erkrankten vergesslich. Beeinträchtigungen des Bewegungsapparates, wie bei Parkinson (Versteifung, Zittern der Hände), folgen. Im späten Stadium sind Schluckbeschwerden, Inkontinenz und ein labiler Blutdruck, der mal zu hoch, mal zu niedrig ist, sehr häufig anzutreffen.
Im Durchschnitt dauert die Krankheit acht Jahre und endet mit dem Tod. Die frontotemporale Demenz beginnt früher als Alzheimer, in einem Alter von 50 bis 60 Jahren. Sie ist eine seltene Form der Demenz, die etwa drei bis neun Prozent aller Demenzkranken trifft.
Die Ursachen sind noch nicht bekannt. Bei einigen Betroffenen hat man eine Mutation im Gen des Tau-Proteins – das für Aufbau des Transportsystems der Zellen zuständig ist – gefunden. Die Behandlung der Krankheit erfolgt wie bei Alzheimer.