Anorexia athletica

Als Anorexia athletica bezeichnet man das strategische Abnehmen von Sportlern vor oder während eines Wettkampfes. Sie kann leicht zu Magersucht und somit zu einer Essstörung führen.


Anorexia athletica ist keine Essstörung im engeren Sinne, da hier keine seelische Störung vorliegt. Der Betroffene kann sein Verhalten jederzeit ändern und sich wieder gesund ernähren. Leistungssportler nehmen strategisch ab, um sich einen Vorteil gegenüber den Gegnern zu verschaffen. In Gewichtsklassen-Sportarten, wie dem Boxsport ist es günstig abzunehmen, um in die nächst niedrige Gewichtsklasse eingeordnet zu werden. Ist das Körpergewicht am oberen Rand der Skala, kämpft man zumeist gegen körperlich leichtere Gegner. Bei Gewichtheben gewinnt, bei gleicher Leistung, derjenige mit dem geringeren Körpergewicht. In Ausdauersportarten, wie zum Beispiel dem Langstreckenlauf, wirkt sich eine Gewichtsabnahme günstiger aus, da ein leichterer Körper besser mit Sauerstoff versorgt wird, als ein schwerer. Der Grund dafür ist, dass ein schlankerer, also kleinerer Körper ein besseres Verhältnis von Blutbahnen und Gewebe besitzt. Die Blutbahnen transportieren den Sauerstoff, welcher durch die Wände der Adern in das Gewebe gelangt. In einem kleineren Körper liegen die Adern enger zusammen und müssen weniger Gewebe versorgen, sodass sich die Oberflächen/Volumen-Relation verbessert. Weiterhin wird die Beweglichkeit durch weniger Körpervolumen gesteigert, was sich bei ästhetischen Sportarten (Kunstturnen) günstig auf die Leistungen auswirkt. Hier ist auch das Schönheitsideal eines schlanken Körper von Vorteil. Ist ein Wettkampf vorüber, kehren die Sportler zu ihren alten Essgewohnheiten zurück. Da es sich aber meist um ein kontrolliertes Abnehmen handelt, wurde die Bezeichnung Pseudoanorexia athletica vorgeschlagen, um eine Abgrenzung zu den echten Essstörungen zu verdeutlichen.

 

Gefahr einer Magersucht
Durch den starken Leistungsdruck besteht für den Sportler allerdings eine hohe Gefahr, an Magersucht zu erkranken. Durch die anfänglich besseren Leistungen bemerken die Sportler und dessen Angehörige die Überschreitung der Grenze von Anorexia athletica zur Magersucht erst spät. Die Betroffenen verweisen immer wieder auf den sportlichen Aspekt des ungesunden Essverhaltens und benutzen diesen somit als Vorwand. Durch die mangelnde Aufnahme von wichtigen Nährstoffen, wie Vitamine, Spurenelemente und Proteine, werden die sportlichen Leistungen nach einiger Zeit immer schlechter, da dem Körper die benötigte Energie nicht zur Verfügung steht und die Konzentrationsfähigkeit stark nachlässt. Leidet ein Sportler bereits an Magersucht, wird dieser Zusammenhang nicht mehr von ihm erkannt. Häufige Knochenbrüche, das Aussetzen der Menstruation und eine Unterentwicklung des Körpers bei Jugendlichen sind Anzeichen für die Essstörung.