Anthroposophische Ernährung - der freie Wille zählt

Die Anthroposophische Ernährung basiert auf dem freien Willen, der hier ausgelebt wird. Jeder entscheidet für sich selbst, welche Lebensmittel er zu sich nimmt. Dadurch soll die Harmonie des Menschen mit sich und seiner Umwelt gefördert werden.


Die Anthroposophische Ernährung gehört zu jenen vegetarischen Ernährungsformen, die Eier und Milchprodukte befürwortet. Sie basiert auf den Theorien des österreichischen Naturwissenschaftlers und Philosophen Rudolf Steiner, der ein Leben in Einklang mit der Natur anstrebte. Ähnlich wie die ayurvedische Lehre, betrachtet auch Steiner den Menschen ganzheitlich und als harmonische Einheit von Körper und Geist.

 

Um einen Gleichklang des Menschen mit seiner Umwelt zu erreichen, ist die Ernährung für Steiner ein wichtiger Aspekt. Dabei legt er sehr großen Wert auf die biologische, ökologische Herkunft der hauptsächlich pflanzlichen Nahrungsmittel.

Die freie Entscheidung als oberstes Prinzip
Oberstes Prinzip der Anthroposophischen Ernährung ist die freie Entscheidung. Hier gibt es weder erlaubte, noch verbotene Lebensmittel, denn Steiner geht davon aus, dass jeder selbst weiß, was für ihn am besten ist. Durch dieses Ausleben des freien Willens soll die Harmonie des Menschen mit sich und seiner Umwelt gefördert werden.
In Steiners Lehre wird, neben dem körperlichen Nährgehalt der Nahrung auch deren geistiger Gehalt berücksichtigt, denn die Ernährung dient für ihn als Mittel, bestimmte angestrebte Gesundheits- und Entwicklungszustände zu erreichen. Aus diesem Grunde sollte auch auf Fleisch verzichtet werden, da es den geistig strebenden Menschen in seiner Entwicklung aufhalte.

Nahrungsmittel werden Stoffzuständen zugeordnet
Die anthroposophische Lehre teilt die Nahrungsmittel in Stoffzustände ein: den Lebensäther, den chemischen Äther, den Licht- und den Wärmeäther. Damit einher geht eine Dreiteilung der bevorzugten pflanzlichen Nahrung und zwar in Wurzeln, Blatt, beziehungsweise Stängel und in Blüten und Früchte. Jeder dieser drei Teile regt einen bestimmten Bereich des Körpers an und wird einem bestimmten Äther zugeordnet. So befindet sich beispielsweise der Lebensäther in den Wurzelregionen und stärkt die Sinne und die Nerven. Der chemische Äther befindet sich in Stängel und Blättern und ist gut für Herz und Lunge und der Wärmeäther, der in der Reifung von Samen und Früchten enthalten ist, regt den Stoffwechsel an. So könnte eine ausgewogene Ernährung im Bereich Obst und Gemüse folgender Maßen aussehen: eine Kombination aus etwas, das unter der Erde wächst, wie zum Beispiel Möhren oder Sellerie, etwas, das sich im mittleren Bereich der Pflanze, also über der Erde, wie Salat und Kohl und etwas, das die Frucht der Pflanze enthält, etwa Beeren. Zu der letzten Kategorie zählen aber auch Getreideprodukte, da die Körner die Früchte des Getreides sind. Auf diese Weise hat man alle drei Stoffzustände in der Nahrung vereint und mit ihnen auch alle Lebensäther.

Regeln anthroposophischer Ernährung
Über die normale Wirksamkeit von Lebensmitteln, in Form von Nähr- und Wirkstoffen hinaus gehen, werden in der anthroposophischen Betrachtung auch Wachstums- und Reifekräfte, die sogenannten Bilde- und Vitalkräfte, der Lebensmittel mit einbezogen. Damit Lebensmittel möglichst viele ausgeprägte Bilde- und Vitalkräfte besitzen, müssen sie eine bestimmte Qualität besitzen. Eine solche spricht die Lehre Steiners insbesondere Lebensmitteln zu, die aus biologisch- dynamischem Anbau stammen. Die hohen Qualitätsstandards müssen aber auch in der Verarbeitung beibehalten werden, dazu zählt unter anderem auch ein fairer wirtschaftlicher Handel.

Dem anthroposophischen Naturverständnis entsprechend sollte bei der Auswahl der Produkte auch der Rhythmus der Natur, sowie die regionale Herkunft derselben beachtet werden. Jedem der sieben Wochentage und jedem der sieben Planeten wird in der anthroposophischen Lehre eine Getreideart zugeordnet. So entsteht eine Art Wochenplan, der zu einer ausgewogenen und rhythmischen Ernährung führt: Montag Reis, Dienstag Gerste, Mittwoch Hirse, Donnerstag Roggen und so weiter.

 

Nicht alle Lebensmittel sind im gleichen Maße für alle Menschen geeignet. Entsprechend dem Konstitutionstypen, also dem Temperament eines Menschen, und seinen Körperrhythmen hat jeder andere Bedürfnisse, die individuell in Erfahrung gebracht werden können.

Wie ist die anthroposophische Ernährung zu bewerten?
Experten stufen die anthroposophische Ernährung aufgrund des geringen Fett- und Cholesteringehalts und des reichen Vitamingehalts als sehr gesund und daher für eine dauerhafte Ernährung geeignet ein.