Arbeitssucht: Wenn das Arbeiten zum Zwang wird

Die Arbeitssucht betrifft meist Menschen, die sich in ihre Arbeit flüchten, um Problemen im privaten Bereich auszuweichen.


Besonders in Deutschland ist Fleiß eine der Tugenden, die besonders groß geschrieben wird. Gerät das private Leben jedoch zusehends in den Hintergrund und werden persönliche Angelegenheiten und Probleme verdrängt, so sollte darüber nachgedacht werden, ob die Arbeit nicht bereits eine Art Flucht darstellt, die schließlich in einer Arbeitssucht enden kann, bei welcher der Süchtige Raubbau an seiner eigenen seelischen und körperlichen Gesundheit betreibt.

Was ist Arbeitssucht?
Die Arbeitssucht kennzeichnet einen sehr schleichenden Prozess, der häufig nicht erkannt wird. Denn Arbeitssüchtige erscheinen ehrgeizig, fleißig, zielstrebig und leistungsbereit und erfüllen auf diese Weise genau das Bild, wie es die Leistungsgesellschaft heutzutage von ihren Arbeitnehmern verlangt. Menschen, die an einer Arbeitssucht leiden, erfüllen jedoch diese Eigenschaften nicht nur während der regulären Arbeitszeiten, sondern vielmehr bestimmt die Arbeit ihr Leben, dass heißt auch ihre Freizeit. Im Englischen beschreibt der Begriff „Workaholic“ einen arbeitssüchtigen Menschen, zusammengefügt aus den Worten „Arbeit“ (work) und „Alkoholiker“ (alcoholic), was deutlich auf das Suchtverhalten des Betroffenen verweist. Besonders betroffen sind meist Menschen in Führungspositionen oder Menschen, die sich selbstständig gemacht haben.

Phasen der Arbeitssucht
Die Arbeitssucht besteht aus vier verschiedenen Phasen, der Einleitung, der kritischen Phase, der chronischen, sowie der Endphase. Bei der Einleitung denkt der Arbeitssüchtige vermehrt an seinen Job, auch in seiner Freizeit. Persönliche Interessen, Angelegenheiten oder Probleme geraten mehr und mehr in den Hintergrund. Auch die eigene Familie wird zunehmend vernachlässigt. Bei der kritischen Phase werden immer neue Ausflüchte gesucht, um für übertriebenen Arbeitseinsatz zu sorgen. Private Bereiche werden komplett der Arbeit untergeordnet. In der chronischen Phase beginnt der Arbeitssüchtige nun, sich selbst immer mehr Aufgaben zu übertragen und belastet sich zusehends mit allem, was es zu tun gibt. Er selbst sieht sich in seinem Perfektionismus als die perfekte Person für die Bearbeitung der Aufgaben. Das Privatleben hat jegliche Bedeutung verloren. Die Endphase oder das „Burning Out“ zeichnet sich durch erste krankhafte Folgeerscheinungen aus. Die Leistungsfähigkeit nimmt rapide ab, nicht selten kommt es zu Herzinfarkten, Magengeschwüren sowie zu starken Konzentrationsschwächen. Workaholics gehen meist schon mit 50 in Rente und leiden an schwersten Depressionen. Auch Selbstmordversuche kommen häufig vor.

Ursachen und Gründe der Arbeitssucht
Die Gründe und Ursachen der Arbeitssucht sind sehr vielfältig. Unter anderem spielen Schlüsselerlebnisse in der Kindheit eine wichtige Rolle, zum Beispiel wenn die Zuneigung der Eltern durch Leistung erkauft werden musste. Auch sind viele der Ursachen in der heutigen Arbeitswelt zu finden, denn scheinbar nur wer tüchtig arbeiten kann, persönliche Belange zurückstellt und sich leidenschaftlich der Arbeit widmet, der kann gesellschaftliche Anerkennung und berufliche Erfolge erreichen. Nicht selten ist eine Flucht vor den eigenen Problemen Auslöser einer Arbeitssucht. Gefühle der inneren Leere werden überspielt, indem sich der Süchtige in seine Arbeit stürzt. Auch vermeiden viele auf diese Weise, sich mit Konflikten innerhalb der Familie oder der Partnerschaft auseinanderzusetzen.