„Sanitäter“ ist weder ein Ausbildungsberuf noch gibt es dafür ein staatlich anerkanntes Berufsbild. Auch ist diese Bezeichnung nicht geschützt, was im Zusammenhang mit Drückerwerbung für Verbände gelegentlich übel missbraucht wird.
Bislang gab es in Deutschland für die Ausbildung als Sanitäter /Rettungsassistenten – wie das Gesetz jene Mitarbeiter von Hilfsorganisationen, die die Ambulanzfahrzeuge bemannen, nennt – keine einheitlichen Richtlinien. Lediglich die Berufsfeuerwehren in den Großstädten, denen der örtliche Rettungsdienst übertragen worden ist, haben ihre Mitarbeiter nicht nur feuerwehrtechnisch geschult, sondern auch so, dass sie jederzeit in den Fahrzeugen des Rettungsdienstes eingesetzt werden können und alles über den Umgang mit Verletzten und Kranken beherrschen. Das geht weit über Kenntnisse in Erster Hilfe hinaus und umfasst auch Kenntnisse im Umgang mit den in den Rettungsfahrzeugen vorhandenen Geräten und Rettungsmitteln.
Zivildienstleistenden in der Ausbildung als Sanitäter
In Deutschland gibt es eine überbordende Fülle von Hilfsorganisationen, die vom Rettungsdienst offenbar gut leben. Die Landkreise haben denen diesen übertragen, Finanziert werden sie von den Krankenkassen über Tarife, die von den Kreisen aufgestellt worden sind.
Die Rettungsorganisationen schaffen auch die Fahrzeuge an – bis auf jene, die im Rahmen des zivilen Bevölkerungsschutzes vom Bund gekauft und auf die Kreise verteilt werden. Das Ganze ist offenbar ein Riesengeschäft, in dem die Hilfsorganisationen erbitterte Konkurrenten sind. Die Rettungswachen werden von den Kreisen unterhalten, wobei es unter dem Zwang zu sparen auch zu Problemen kommen kann. Eine Rettungswache ist eben mehr als eine Garage für einen Krankentransportwagen
Ausbildung als Sanitäter – Berufsbezeichnung mit wechselnden Inhalten
Weil der Rettungsdienst Geld bringen und möglichst nichts kosten soll, haben sich in der Vergangenheit die Hilfsorganisationen in großem Umfange für den Einsatz auf den Rettungsfahrzeugen Zivildienstleistender bedient. Denen sind in Schnellkursen eine Ausbildung als Sanitäter mit den erforderlichen Kenntnissen beigebracht worden. Vollwertige Rettungsassistenten waren sie nie. Daneben haben diese Hilfsorganisationen nach höchst unterschiedlichen Richtlinien und mit mehr sehr voneinander abweichenden Dienstbezeichnungen angestellte Mitarbeiter so geschult, dass sie als Rettungsassistenten eingesetzt werden können. Für diese Schulungen als Ausbildung als Sanitäter gibt es nur in wenigen Bundesländern Vorschriften und Bezeichnungen. Dabei werden diese Sanitärer dann vom Gesundheitsamt geprüft und erhalten eine Urkunde. Keine Sanitäter in diesem Sinne sind jene Mitarbeiter von Sportvereinen und anderen Organisationen, die in Erster Hilfe ausgebildet sind und bei Veranstaltungen aller Art eingesetzt werden. Auch das Rote Kreuz hat solche Angehörigen.
Wegfall des Zivildienstes schafft große Probleme
Der überstürzte Wegfall des Zivildienstes wird auch im Rettungswesen große Probleme schaffen, die offenbar noch niemand überblickt. Der von der Bundesregierung angefachte Freiwilligendienst wird zum einen nicht genug Mitarbeiter finden, zum anderen hat sich offenbar noch niemand Gedanken darüber gemacht, wie man solche Freiwillige professionell eine Ausbildung als Sanitäter vermittelt.. Das Ganze erinnert fatal an den fast fünfzig Jahre zurückliegenden Versuch des nordrhein-westfälischen Kultusministers Mikat, in Schnellkursen Hausfrauen zu Lehrerinnen zu machen. Die wurden dann als „Mikätzchen“ verspottet. Nur dass auf dem Rettungswagen umher Umständen um Lesben und Tod geht. Aber vielleicht fällt den Verantwortlichen für die Ausbildung als Sanitäter dieser Freiwilligen bis zur Jahresmitte noch etwas ein.