Auslaufmodelle: Diplom, Magister, Staatsexamen

Die alten Studiengänge Diplom, Magister und Staatsexamen werden vom Bachelor und Master abgelöst. Welche Veränderungen bringt das mit sich?


Im Zuge der Bologna-Reform, um eine Vereinheitlichung der europäischen Hochschul- landschaft zu schaffen, sind vor allem die Abschlüsse ins Visier der Änderungen gekommen. Die altbekannten Abschlüsse Diplom, Magister und Staatsexamen gehören bald der Vergangenheit an, sie sind zu Auslauf- modellen geworden. An ihre Stelle sind Bachelor- und Masterstudiengänge getreten.

Die Qual der Wahl
Zu Beginn der Umstrukturierungen konnten die Studierenden noch entscheiden, ob sie die letzten Diplom- oder Magisterstudierenden sein oder ob sie die neuen Studiengänge beginnen wollten. Aufgrund der stärkeren Verschulung lehnten viele die neuen Studiengänge ab. Denn nach zwölf oder 13 Jahren in einer Bildungsstätte, die den Schülern alles vorgibt, ist der Wunsch nach Selbstbestimmung und eigener Schwerpunktsetzung während des Studiums bei vielen Studenten vorrangig. Nun gibt es jedoch meist keine Wahl mehr, die Bachelor- und Masterstudiengänge sind an den Fachhochschulen und Universitäten angekommen und haben Diplom, Magister und Co. weitestgehend verdrängt.

Bewegung auf dem Arbeitsmarkt
Der Arbeitsmarkt reagierte zu Beginn eher verhalten auf die Aussicht viel jüngerer und unerfahrener Absolventen. Da waren Diplom- und Magister- abschlüsse bekannte und bewährte Abschlüsse, die gern gesehen waren. Mittlerweile haben sich die Unternehmen aber darauf eingestellt und begrüßen junge Akademiker, die sie noch vor der Familiengründung schulen können. Für leitende Positionen werden aber immer noch Absolventen mit Master- oder Diplomabschlüssen sowie Promovierte bevorzugt. Bachelor- studenten haben nach so kurzer Studienzeit meist zu wenig theoretisches Wissen ansammeln können. Praktisch ist da die Möglichkeit nach einigen Jahren Berufserfahrung ein Masterstudium anzuschließen. Wenn man einen der alten Abschlüsse gemacht hat, besteht aber ebenso die Möglichkeit beispielsweise einen Master als weiterbildenden Abschluss obendrauf zu setzen.

Für das Staatsexamen bis zum Master studieren
Das Staatsexamen, welches für die Lehramtsstudenten sowie Juristen und Mediziner relevant ist, liegt dem Reformprozess etwas schwerer im Magen. Je nach Bundesland sind hier die Umstrukturierungen verschieden. Um einen berufsqualifizierenden Abschluss zu haben, muss man das erste sowie das zweite Staatsexamen bestehen. Dem Abschluss inbegriffen ist eine Praxiszeit, die beispielsweise beim Lehramtsstudium das Referendariat bezeichnet. Mit der Umstellung auf Bachelor und Master müssen Lehrämter den Masterabschluss machen, um unterrichten zu können. Der Bachelor ist zwar ein berufsqualifizierender Abschluss, befähigt Lehramts-, Medizin- oder Jurastudierende aber nicht wie der Master alle beruflichen Wege einschlagen zu können. So muss, wer sozusagen das alte Staatsexamen machen will, es bis zum Master schaffen. Freiräume im Studium Die Wahl der Fächerkombinationen wie es beim Magisterstudium der Fall war, gibt es bei den Bachelor- Masterstudiengängen weiterhin. Die großen Freiräume, die ein Magisterstudium den Studierenden auch gegenüber Diplom- studiengängen geboten hat, sind allerdings weitgehend eingegrenzt. Die neuen Studiengänge weisen weniger Wahlmöglichkeiten auf und zwingen Studenten oft Seminare aus bestimmten Gebieten zu bestimmten Zeitpunkten zu belegen. Die allgemein größere Anzahl an Prüfungen innerhalb des Studiums sorgt zusätzlich für ein stärkeres Gefühl wieder in Schulzeiten angelangt zu sein. Die Selbstorganisation und eigenständige Schwerpunktsetzung der Studenten wird damit nicht unterstützt. Positiv an diesem ständigen Leistungsabruf ist natürlich, dass die Studienendleistung nicht nur durch eine einzelne Prüfung bewertet wird.