Autofahren nach Schlaganfall

Das Autofahren nach einem Schlaganfall ist für mindestens drei Monate nicht zu empfehlen. Manche müssen sogar ganz auf das Autofahren verzichten und büßen so ein Stück ihrer Freiheit ein.


Das Auto ist – besonders für ältere Menschen und Kranke – ein Stück Freiheit. Zum Arbeitsplatz fahren, Freunde und Verwandte besuchen, den Wochenendeinkauf tätigen. Kurzum: unabhängig sein. Nach einem Schlaganfall ist alles anders. Lähmungen, Sehstörungen, Schwindelanfälle und Gesichtsfeldausfälle erschweren alltägliche Verrichtungen und schränken den Alltag in erheblichem Maße ein. Zu den körperlichen Folgen kommen oft auch Einbußen der geistigen Leistungsfähigkeit. Vermindertes Konzentrations- und Reaktionsvermögen, Gedächtnisausfälle und Schwierigkeiten mit der Motorik. All diese Veränderungen können zu einer Verkehrsgefährdung führen. Wenn beispielsweise eine Sehstörung plötzlich – mitten auf der Autobahn – auftritt, wird aus der Behinderung eine Gefahr für andere Verkehrsteilnehmer. Der Betroffene kann die Spur nicht mehr halten, gerät in den Gegenverkehr und verursacht unter Umständen einen schweren Unfall.

Autofahren nach einem Schlaganfall
Ein schlechter Allgemeinzustand mit bestimmten Risikofaktoren erhöht die Gefahr für einen erneuten Infarkt, der, wenn er auf der Straße passiert, erhebliche Folgen für alle Beteiligten hat. Der behandelnde Arzt muss den Patienten daher genauestens beobachten, um einzuschätzen, wann dieser wieder für den Straßenverkehr gerüstet ist. Verkehrsmediziner raten, nach einem Hirninfarkt mindestens drei Monate zu warten, bevor man sich erneut hinter das Steuer setzt. Nach Ablauf dieser Schonfrist sollten sich Schlaganfallpatienten zunächst auf dem Verkehrsübungsplatz wieder mit dem Auto vertraut machen und sicherstellen, dass die grundlegenden Fähigkeiten zum Führen eines Kraftfahrzeugs noch beziehungsweise wieder vorhanden sind. Hierzu gehören ein gutes Gedächtnis, Konzentrationsfähigkeit und ein hervorragendes Reaktionsvermögen.

Natürlich muss jeder Schlaganfall-Patient letztlich selbst entscheiden, ob er wieder im gewohnten Maß am Straßenverkehr teilnimmt. Dennoch sollte jeder für sich selbst hart ins Gericht gehen und sich erst wieder hinters Steuer setzen, wenn es der körperliche und geistige Allgemeinzustand es auch zulässt und keine Rückfallgefahr mehr besteht. Denn, wer verkehrsunfähig oder gar fahruntüchtig ist und dennoch am Verkehr teilnimmt, gefährdet nicht nur das Leben der anderen Verkehrsteilnehmer und riskiert seinen Versicherungsschutz, sondern macht sich zudem auch noch strafbar. Im Ernstfall droht sogar eine Gefängnisstrafe, wenn ein fahruntüchtiger Schlaganfallpatient sich dennoch hinters Steuer setzt.

Autofahren nach Schlaganfall - Fahrgutachten ist wichtig
Der Gesetzgeber schreibt vor, dass der Patient „in geeigneter Weise Vorsorge“ trifft. Dazu gehört neben dem Gespräch mit dem behandelnden Arzt auch, sich umfassend zu informieren. Dies ist am besten bei der entsprechenden Führerscheinstelle möglich. Um sich seiner geistigen und körperlichen Fähigkeiten abschließend zu versichern, kann sich jeder ein Fahrgutachten anfertigen lassen. Bei dem TÜV oder der DEKRA wird ein solches angefertigt, das anschließend bei der Führerscheinstelle vorgelegt wird. Im Laufe dieser medizinisch-psychologischen Untersuchung wird der Patient zunächst von einem Facharzt oder den Mitarbeitern der Reha-Klinik untersucht, anschließend erfolgt die Auswertung der geistigen Fähigkeiten. Mittels bestimmter Tests wird unter anderem das Reaktionsvermögen, die Konzentration und die Aufmerksamkeit geprüft. Auch ein psychologisches Gespräch gehört zu der Untersuchung, die herausfinden soll, ob der Patient seinen Schlaganfall psychisch verarbeitet hat. In der Regel gehört auch ein Fahrtest zu der MPU. Dabei handelt es sich aber nicht um eine Fahrprüfung im eigentlichen Sinne, sondern vielmehr um eine Fahrverhaltensprobe, die überprüfen soll, ob der Patient den Anforderungen des Straßenverkehrs wieder gewachsen ist. Wenn eine Beeinträchtigung der Fahrtüchtigkeit vorliegt, beispielsweise eine Behinderung, wird auch ein technisches Gutachten durchgeführt, bei dem überprüft wird, ob am Fahrzeug technische Umbauten vonnöten sind.

Sämtliche Prüfungen werden auf freiwilliger Basis durchgeführt und müssen daher aus eigener Tasche bezahlt werden. Die Kosten für ein solches Gutachten liegen zwischen 300 und 600 Euro.