Viele Geschenke gibt es zur Geburt! Strampler, Schlafsäcke in verschiedenen Grössen, Schmusetiere, Babybadewanne, Hochstuhl, Duplo, sogar schon ein Rutscheauto, Kinderwagen, Stillkissen, die erste kleine Jeans und vieles mehr.
Aber ein Babytragetuch bekommt man selten geschenkt!
Warum ein Babytragetuch?
Dabei ist eine Tragehilfe wirklich praktisch, wenn man selbst ziemlich gestresst ist, weil man das Baby herumtragen muss, wenn es zum Beispiel weint während man den Haushalt erledigen möchte oder mal schnell aus dem Haus muss. In solchen Situationen trägt man das Baby so lang mit sich rum, bis der Rücken schmerzt.
Wie günstig ist es dann, das Kind in eine Tragehilfe zu setzen und es mitzunehmen und dabei zu haben. Dabei ist es nur natürlich, dass wir die Babies und Kinder tragen und zwar auf unterschiedliche Weisen. Natürlich kann man das Baby auch in den Kinderwagen legen und mitnehmen oder neben sich stehen haben. Kinderwagen gibt es ja auch schon ewig! Oder? Irrtum, erst seit gut 100 Jahren gibt es den Kinderwagen. Der anfangs ein richtiges Statussymbol war. Die gutbetuchten Eltern und deren Kindermädchen konnten damit so richtig promenieren. Wie schnell sich solch eine Erfindung in unseren Köpfen festsetzt und so, als sei sie schon immer da gewesen.
Positive Effekte
Was spricht aber für das Tragen des Babys? Im Mutterleib wird das Baby für ca. 40 Wochen auch getragen und fühlt die ständige Nähe der Mutter. Nach der Geburt muss das Baby mit vielen neuen Gegebenheiten und auch mit der Entfernung zur Mutter fertig werden.
Ganz intuitiv nimmt man sein Baby hoch und auf den Arm, wenn es weint und wiegt es auch hin und her, wie im Mutterleib. Oft beruhigt es sich dann auch wieder. Diese Möglichkeit des Beruhigen und des Naheseins hat man auch mit einer Tragehilfe und das gilt selbstverständlich auch für den Vater.
Verbindung zwischen Mutter und Kind
In anderen Ländern und Kulturbereichen sind Mütter wegen ihrer Lebensbedingungen und den damit verbundenen Arbeitsbedingungen darauf angewiesen, ihre Babies und Kinder zu tragen. Von dem Tag der Geburt an, tragen sie ihr Kind bei sich. Das Kind wächst weiter auf ihrem Körper heran, es schläft dort, erlebt schöne, aber auch aufregende Sachen "hautnah" mit. Es kommuniziert, meistens auf dem Rücken gebunden, mit der Mutter. Eine wirklich tragende Verbindung zwischen Mutter und Kind!
Weltweite Tradition
Wenn die Welt zu anstrengend wird, dann schläft es in der vertrauten Nähe und Wärme der Mutter ein.
Zwischen Mutter und Kind entsteht ein "Wir"-Gefühl, aber trotzdem nabelt das heranwachsende Kind sich zur gegebenen Zeit ab, mit genügendem Selbstvertrauen. Zu den "Tragetuch-Müttern" gehören unter anderem Frauen in Afrika, in Indien, in Asien, in Tibet und vor allem in den sogenannten "Dritte-Welt”-Ländern. Die dortigen Kinder werden von ihren Müttern getragen, genau wie diese bereits selbst auf dem Weg ins Leben von ihren Müttern getragen wurden. Als Neugeborene und Säuglinge werden sie vor dem Bauch der Mutter getragen, denn so können sie jederzeit gestillt werden. Wenn sie etwas älter geworden sind, verlagert sich ihr Platz auf den Rücken oder ein größeres Geschwisterkind trägt es auf der eigenen Hüfte, wenn ein weiteres Baby den Platz bei der Mutter beansprucht.
Gesunde Haltung
Diese getragenen Kinder haben eine auffallend gesunde und starke Wirbelsäule, da sie in der "Beuge-Spreitz-Haltung" wie ein kleines Klammeräffchen auf der Hüfte oder auf dem Rücken sind. Diese anatomisch richtige Haltung fördert die Entwicklung einer gesunden Hüft- und Beckenmuskulatur. In meiner Verwandtschaft mussten zwei kleine Mädchen für eine lange Zeit "Spreizhöschen" tragen, da ihre Hüftgelenke entweder zu schwach oder fehlentwickelt waren. Das jeweilige "Spreizhöschen" half diese Fehlentwicklung frühzeitig zu korrigieren. Man sollte vorzeitig mit seinem Arzt besprechen, ob eine solche Behandlung bei einem Baby nötig ist oder ob das Tragen im Tuch oder in einem Tragesack nicht ebenfalls die Korrektur übernehmen kann.
Der richtige Gebrauch
Das sind bestimmt auch alles wichtige Gründe sich für das Tragen des Babies zu entscheiden. Aber es ist auch wichtig, die richtige Tragehilfe zu benutzen. Wenn man das Tragetuch zum ersten Mal in der Hand hält, ist man ohne Anleitung oder Unterstützung möglicherweise hilflos. So ging es mir. Aber dank einer anderen erfahrenen “tragenden” Mutter und meinem eigenen Geschick klappte der Gebrauch und ads Binden des Tuches mit einiger Übung und Training sehr gut.
Zum Beispiel wird in Stillgruppen auch immer wieder das Anlegen des Tragetuches durch eine erfahrene Mutter vorgeführt oder ein Video ausgeliehen, das die verschiedenen Techniken sehr gut erklärt, aber auch hilfreiche Bücher zu diesem Thema stehen zur Verfügung.
Babytragetuch binden
Ein Tragetuch in Originallänge ist dann aber auch schon ein wenig hinderlich, weil es in der Tasche Platz wegnimmt, wenn man kleinere Einkäufe oder Spaziergänge macht und das Kind selbst laufen kann, aber müde wird und "Mama - Arm" wünscht. Dann ist ein schmaleres, fest gewebtes Tuch genau richtig. Man setzt das Kind auf die Hüfte und knotet zuvor das Tuch an den Enden auf die richtige Länge fest und legt dann das Tuch wie gewohnt um. Das andere geschlossene Ende legt man um den Po und Rücken des Kindes und zieht es an der entsprechenden Schulter breit auseinander, damit sich das Gewicht verteilt.
Auf diese Art und Weise habe ich meine Tochter immer wieder bei Ermüdung tragen können, ohne meinen Rücken zu belasten. Bis sie etwa 2 1/2 Jahren alt war, war es möglich, sie so ab und zu zu tragen. Wir hatten "unser" Tuch immer dabei. Inzwischen habe ich schon selbst zu Geburten ein Tragetuch verschenkt oder wir haben uns mit mehreren Freunden zusammen getan und es geschenkt. Es müssen nicht immer nur Strampler, Schlafsäcke, Schmusetiere, Babybadewanne, Hochstuhl, Duplo, ein Rutscheauto, Kinderwagen, Stillkissen, die ersten kleinen Jeans und vieles mehr, sein.