Basistherapeutika (Langwirksame Antirheumatika)

Der Hauptbestandteil einer jeden Rheumatherapie bilden die Basistherapeutika, die in der Lage sind, Entzündungen in den Gelenken zu reduzieren.


Im Unterschied zu den bisher genannten Medikamentengruppen sind lediglich die langwirksamen Antirheumatika in der Lage die Verletzungen der chronischen Entzündungen, beispielsweise an Knochen oder Gelenkknorpel, aufzuhalten oder wenigstens zu verringern. Man kann demnach zu Recht behaupten, dass die Basistherapeutika eine chronisch-entzündliche rheumatische Erkrankung positiv beeinflussen. Im günstigsten Falle sind sogar Rückbildungen von bereits entstandenen Schädigungen möglich, sodass man in diesem Kontext noch am ehesten von einer „Heilung“ sprechen kann.

Meist Kombipräparate
Eine sichere Diagnose ist Voraussetzung für eine Behandlung mit Basistherapeutika. Sobald diese gestellt ist, können Arzneimittel, die den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen, zum Einsatz kommen. Dadurch kann in den meisten Fällen einer Gelenk- und Knochenzerstörung oder den negativen krankheitsbedingten Organveränderungen vorgebeugt werden. Je nach individuellem Krankheitsbild und -verlauf, das heißt in Abhängigkeit vom Krankheitsstadium, in dem sich der Patient befindet, richtet sich die Auswahl der verschiedenen langwirksamen Antirheumatika. Meist braucht es Wochen oder gar Monate, um beurteilen zu können, wie wirksam das zur Anwendung gekommene Medikament hinsichtlich der vorliegenden Erkrankung tatsächlich ist. In der Regel haben sich Kombipräparate bewährt. Im Gegensatz zu den sogenannten Monopräparaten, bei denen nur ein Wirkstoff zur Anwendung kommt, sind in den Kombipräparaten mindestens zwei verschiedene Wirkstoffe enthalten. Gegenwärtig vielversprechend sind vor allem Kombinationen mit Methotrexat. Was den biochemischen Aufbau der Medikamente angeht, so handelt es sich bei den langwirksamen Antirheumatika zum Teil um völlig verschiedene Stoffgruppen. Genaugenommen lassen sich die Basistherapeutika in drei Untergruppen einteilen. Rechnen wir die modernen neueren Biologika dazu, so lassen sich die Basistherapeutika sogar in vier Untergruppen einteilen.

Die klassischen Basistherapeutika
Goldverbindungen wie Auranofin ("Goldtabletten") sind die ältesten Basistherapeutika. Zu nennen sind außerdem: Hydroxychloroquin, Sulfasalazin, das Anti-Malaria-Mittel Chloroquin und D-Penicillamin.
Goldsalz zählt zu den wenigen Medikamenten, das in der Lage ist, gegen das schnelle Fortschreiten der Gelenkzerstörung vorzugehen. Es wird direkt in den Muskel gespritzt.

Immunsuppressiva / Zytostatika
Immunsuppressiva sind in der Lage das erkrankte gestörte Immunsystem in seinen krankheitsfördernden Aktivitäten zu dämpfen und dadurch eine antirheumatische Wirkung zu erzielen.
Mehrere Arten von Stoffgruppen sind in diesen Medikamenten enthalten.
Zum einen sind das Stoffe, die aus der Transplantationsmedizin stammen (beispielsweise Ciclosporin oder Azathioprin). Dort werden sie eingesetzt, um das Abstoßen neuer Organe zu verhindern.
Zum anderen handelt es sich um Mittel (beispielsweise Methotrexat und Cyclophosphamid), die bei der Therapierung bösartiger Tumore verwendet werden. Ein weiteres erwähnenswertes Medikament ist das sogenannte Leflunomid, welches speziell für die Basistherapie rheumatischer Erkrankungen entwickelt worden ist. Mittels Leflunomid ist es möglich ein Enzym zu hemmen, das eine wichtige Rolle innerhalb des Immunsystems spielt. Nicht zuletzt dadurch kommt es zu einem heilsamen Einfluss auf das Rheuma. Neben diesem positiven Wirkungsmechanismus hat Leflunomid in Hinsicht auf das vorherrschende Rheuma auch noch einen anderen, der Krankheit entgegenwirkenden Einfluss. Die Hemmung der Leukozytenmigration (Bewegungen der weißen Blutkörperchen) durch den extrazellulären Raum im Gewebe schafft es, Entzündungsreaktionen in einem entscheidenden Maße zu vermindern.

Krankheitskontrollierende Medikamente
Arzneimittel, die in der Lage sind, den Verlauf der Krankheit vollständig zu kontrollieren sowie das Fortschreiten der Erkrankung zu hemmen, werden als krankheitskontrollierende Medikamente bezeichnet.
In Studien ist demonstriert worden, dass es unter der Einnahme des Medikaments Etanercept zu einem völligen Stillstand der Erkrankung kommen kann.

Nebenwirkungen der Basistherapeutika
Das größte Problem, mit dem Betroffene während einer Therapie mit Basistherapeutika konfrontiert werden, sind die zum Teil schweren Nebenwirkungen. Daher muss die Medikamenteneinnahme häufig und andauernd durch den Arzt überwacht werden, sodass auftretende Nebenwirkungen frühzeitig erkannt und behandelt werden können. Sehr oft brechen Patienten die Behandlung aufgrund der schweren Begleiterscheinungen ab. Langwirksame Antirheumatika wie beispielsweise Methotrexat haben unter anderem Nebenwirkungen wie Übelkeit, Appetitlosigkeit und Magenschmerzen, Wundheilungsstörungen, Lungenbeschwerden, Müdigkeit oder Benommenheit. Übelkeit, Müdigkeit und Benommenheit können auch Nebenwirkungen der sogenannten krankheitskontrollierenden Medikamente wie etwa Etanercept sein. Andere unerwünschte Wirkungen sind beispielsweise Depressionen, Infektionen der oberen Atemwege, Kopfschmerzen, Halsschmerzen, Fieber oder eine erhöhte Blutungsneigung.
Während einer Therapie mit Basistherapeutika muss auf eine konsequente Schwangerschaftsverhütung geachtet werden, denn die eingesetzten Zellgifte könnten unter Umständen das Neugeborene schwer schädigen.