Berte Bratt und andere: Annik Saxegaard im Portrait

Annik Saxegard schrieb unter den Pseudonymen Berte Bratt, Nina Nord und Ulla Scherendorf an die achtzig Bücher.


Es können auch neunzig gewesen sein, davon entweder vierzig oder fünfzig auf Deutsch – darüber herrscht in den wenigen Quellen, die etwas über Annik Saxegaard oder Berte Bratt verzeichnen – keine Einigkeit. Aber ob zehn mehr oder weniger, anzunehmen ist, dass Annik Saxegaard, geboren 1905 in Stavanger, Norwegen, „literarischen Lohnarbeiter“ war, wie sie sich selbst nannte. Unter welchem Namen sie diese Äußerung getan hat, ist ebenfalls nicht überliefert. Dass sich die Norwegerin ausgerechnet für deutsche Pseudonyme entschied (Scherenhof ist die Übersetzung für Saxegaard), hat wohl mit ihrer Familiengeschichte zu tun. Deutsche gab es nämlich in der Verwandtschaft der Mutter, die auch in Deutschland ihre Musikausbildung absolvierte.

Die literarische Karriere von Berte Bratt
Annik Saxegaard verdiente schon früh ihr Geld mit Schreiben. Bereits nach dem Abitur, 1925 in Oslo, arbeite sie beim Rundfunk und bediente Zeitungen und Wochenblätter mit Novellen, Artikeln und Werbetexten. Trotzdem versuchte sie es erst einmal mit der Schauspielerei und bekam sogar eine kleine Stummfilmrolle. Aber sie sah schnell ein, dass sie mehr Talent zum Schreiben hatte. Als sich die Eltern scheiden ließen, zog Annik mit ihrer Mutter nach Bergen, wo sie beim Hörfunk die Märchen- und Unterhaltungsprogramm leitete. Nebenbei schrieb sie – mit großem Erfolg – Tiergeschichten für Kleinkinder. Der deutsche Franz Schneider Verlag veröffentlichte bereits 1937 das erste Buch aus der Reihe. Anschließend versuchte es Annik mit einem Roman, bis sie sich ganz den Schmerzen und Sehnsüchten junger Mädchen widmete.

Mädchenbücher von Berte Bratt, Ulla Scherendorf und Nina Nord
Annik Saxegaard wurde vor allem in Deutschland populär, wo der Franz Schneider Verlag ab 1950 ihre Mädchenbücher mittlerweile regelmäßig auflegte. Nachdem Anfang der 50er Jahre ihre Mutter und später auch ihr Mann – Annik hatte keine Kinder – gestorben waren, entschied sie sich 1958 endgültig, nach Kiel zu ziehen. Sie zog mit ihrer engsten Freundin zusammen, einer deutschen Ärztin, die sich während des Krieges um die Behandlung norwegischer Kriegsgefangener verdient gemacht hatte. Seitdem schrieb Annik Bücher ausschließlich in deutscher Sprache. 1990 starb sie in ihrem „Haus am Flüsschen“ im Alter von 85 Jahren, als eine der meist gelesenen Mädchenbuch-Autorinnen Deutschlands. Allein „Berte Bratt“ brachte es zu einer Gesamtauflage von fünf Millionen, aber auch die Bücher von Ulla Scherendorf aus der „Gina“-Reihe oder die „Lore“-Romane von Nina Nord erfreuten sich großer Beliebtheit.