Bewegungsstörung nach Schlaganfall

Viele Schlaganfallpatienten aufgrund einer Bewegungsstörung mit Beeinträchtigungen der Motorik zu rechnen. Lähmungen und Spastiken gehören zu den häufigsten Folgen.


Eine Bewegungsstörung, also eine Beeinträchtigung der Motorik, sowie Lähmungen gehören zu den am häufigsten nach einem Schlaganfall auftretenden Behinderungen. Etwa 90 Prozent der Patienten sind von diesem Funktionsausfall betroffen. Ursache für diese Unfähigkeit, bestimmte Extremitäten und andere Körperteile zu bewegen, ist eine neurologische Störung, das heißt, Gehirnzellen, die für die Signalgebung an die betroffenen Muskeln und Nervenzellen verantwortlich waren, sind infolge des Schlaganfalls abgestorben oder können ihrer Aufgabe nicht mehr vollständig nachkommen. Sind die verantwortlichen Zellen lediglich in ihrer Funktion beeinträchtigt, sind die Heilungschancen sehr hoch.

Motorische Bewegungsstörung

Die motorischen Störungen oder Lähmungen können auf das Gesicht oder den Arm beschränkt sein, sich aber auch auf den ganzen Körper auswirken. Ein Mensch, dessen rechte Hirnhälfte von dem Infarkt betroffen war, wird die Auswirkungen auf der linken Körperseite zeigen und umgekehrt. Der Mediziner nennt dieses Phänomen herdgekreuzt.

Man unterscheidet, je nach betroffenem Körperteil, verschiedene Lähmungen:

 

  • Monoparese (ein Gliedmaß gelähmt)
  • Diparese (zwei Gliedmaßen sind gelähmt)
  •  Paraparese (Lähmung beider Beine)
  •  Hemiparese (eine komplette Körperseite ist gelähmt)
  •  Paralyse (komplette Lähmung)

 

Ist die Lähmung nur leicht ausgeprägt, spricht der Mediziner von einer Parese, ist die Lähmung hingegen schwererer Natur wird sie als Plegie bezeichnet.

Zur Hemiparese kommt es in etwa 70 Prozent der Fälle. Natürlich ziehen derlei Lähmungen eine Reihe Beeinträchtigungen im Alltag nach sich. Die normalen Verrichtungen werden zum Kraftakt. Mittagessen, sich anziehen oder einen Brief öffnen, unmöglich, wenn ein Arm oder auch „nur“ die Hand gelähmt und bewegungsunfähig ist.

Auch Probleme mit dem Schlucken (Dysphagie) können auftreten.

Spastiken
Zu den häufigsten Problemen nach einem Schlaganfall gehören schmerzhafte Spastiken. Hierbei liegt eine Störung der Muskelspannung und -kontrolle vor. In jeglichen Muskeln des Bewegungsapparats liegt eine gewisse Grundspannung – der sogenannte Tonus – vor. Gerät diese nach einem Schlaganfall durcheinander, kann es zu einer erhöhten Spannung in den Muskeln kommen. Besonders zu Beginn einer schnellen aktiven oder passiven Dehnung tritt ein erhöhter Widerstand in der betroffenen Muskulatur auf. Dieser kann so hoch werden, dass der Muskel schmerzt und steif wird. Spasmen können sich in einem dauerhaft angewinkelten Ellenbogen oder auch einer zusammengeballten Faust äußern. Wenn ein Spasmus nicht behandelt wird, sind Langzeitfolgen möglich: So kann sich der betroffene Muskel verkürzen, was wiederum dauerhafte Fehlhaltungen zur Folge hat.

Spasmen sind mit einem Muskelkrampf beim Sport vergleichbar.

 

Apraxie
Bei der Apraxie handelt es sich um eine Störung der Körperkoordination, das heißt, die Fähigkeit erlernte Bewegungsmuster auszuführen, ist verloren gegangen.

Im Laufe des Lebens erlernen wir, wie bestimmte Handlungsabläufe ausgeübt werden müssen. Diese Bewegungsmuster werden ständig eingeübt und verfestigen sich somit im Gehirn. Zu diesen gehören unter anderem der Gebrauch der Mimik, die Nutzung von Werkzeugen und Objekten und das Imitieren von Gesten.

Wenn die sprachdominante Hirnhälfte infolge des Schlaganfalls geschädigt ist, fehlt den Betroffenen das Vermögen, komplexe Handlungsvorgänge zu verstehen und nachzuvollziehen. Dies äußert sich besonders in Bewegungen, die mehrere Teilschritte erfordern, beispielsweise das Anziehen am Morgen. Betroffene haben Schwierigkeiten, die einzelnen Kleidungsstücke in der richtigen Reihenfolge anzuziehen, so wird beispielsweise das Unterhemd über den Pullover oder die Unterhose über die Hose gezogen.

Dabei ist festzuhalten, dass die Beweglichkeit der einzelnen Körperteile (Muskeln und Nerven) selbst nicht eingeschränkt ist, nur deren Zusammenspiel ist gestört. Auch die Koordination der Gesichtsmuskeln kann beeinträchtigt sein, sodass die Mimik auffällig erscheint.