Die weltweiten Ölvorkommen gehen langsam aber sicher zur Neige. Die Umwelt soll geschont und der viel diskutierte Klimawandel eingedämmt werden. Dies sind die treibenden Kräfte, endlich verstärkt alternative Kraftstoffe für die Industrie und den privaten Autofahrer nutzbar und zugänglich zu machen. Gerade die Bio-Kraftstoffe aus pflanzlichen Agrarprodukten Raps, Mais und Reis sollen eine preiswerte und klimaschonende Alternative zum normalen Kraftstoff auf Erdöl-Basis werden. In Europa setzen sich die Vereinigten Nationen (UN) für eine Verbreitung der alternativen Treibstoffe ein und subventionieren diese, beispielsweise durch den Erlass der Mineralölsteuer auf diese Kraftstoffe. Als besorgniserregend weisen sich jedoch im verstärkten Maße die steigende Nahrungsmittelknappheit und die explodierenden Nahrungsmittelpreise aus, die hauptsächlich die armen Länder trifft, die den Großteil der Rohstoffe produzieren, die für die alternativen Kraftstoffe in den Industrieländern genutzt werden.
Ursachen der steigenden Nahrungsmittelpreise
Zu den Faktoren, die eine Explosion der Nahrungsmittelpreise verursachen, zählt ohne Zweifel auch die Verbreitung und Förderung der Bio-Kraftstoffe. Jedoch ist es falsch anzunehmen, dass darin die Ursache zu suchen ist. Bekannt, dass schon seit den letzten acht Jahren eine „Nahrungsmittelkrise“ ein bekanntes Problem ist. Die langfristige Ursache für erhöhte Preise für Agrarprodukte, ist einerseits in der steigenden Bevölkerungszahl derjenigen Länder zu sehen, die in den letzten Jahren ein hohes wirtschaftliches Wachstum aufwiesen. Dazu gehören beispielsweise China und Indien. In diesen Ländern erhöht sich vor allen Dingen, gleichzeitig mit steigendem Einkommen, der Bedarf an „westlichen“ Lebensmittel, wie Fleisch- und Milchprodukten. Darin liegt auch gleichzeitig der zweite Grund für grundsätzlich hohe Preis für Nahrungsmittel, wie Reis, Soja und Getreide. Nämlich verschlingt jährlich die Fleisch- und Milchproduktion für die Industriestaaten Unmengen an Futtermittel aus eben diesen Rohstoffen. Die Produktion eines Kilogramms Hühnerfleisch verlangt beispielsweise die siebenfache Menge an Getreide. Diese Tierfuttermittel werden dabei zum größten Teil in eben diesen Ländern produziert, deren Bevölkerung sich schließlich aufgrund der hohen Lebensmittelpreise kaum selbst ernähren kann.
Rolle der Bio-Kraftstoff-Produktion
Die Menge der Agrarproduktion für Bio-Kraftstoffe ist im Moment noch sehr gering, doch wird sie sich voraussichtlich in den nächsten Jahren mindestens verdreifachen. Noch ist der Anteil aber zu gering, um diesen Faktor zur Ursache für die Lebensmittelkrise zu erklären. In Zukunft ist jedoch ein Umstand unumgänglich. Die Lebensmittelpreise werden nämlich weiterhin verstärkt an die Energiepreise gekoppelt sein, da sich mit einer Zunahme der Energiekosten parallel auch die Produktions- und Transportkosten erhöhen werden. Agrarprodukte sollten deswegen jedoch nicht als Energielieferanten verworfen werden. Es ist aber unbedingt nötig, dass man effizientere Möglichkeiten in diesem Bereich sucht, um beispielsweise die Energie der Pflanzen besser zu nutzen, oder solche Pflanzen zu verwenden die auch auf wenig fruchtbaren Böden gedeihen. Eine andere Möglichkeit ist, Produktionsreste aus der Nahrungsmittelindustrie zur Treibmittelherstellung zu verwenden.