Bioberufe als Einstiegschance für Naturwissenschaftler

Besonders Biologen sind prädestiniert für den breit gefächerten Markt der Bioberufe.


Bioberufe umfassen das gesamte Spektrum der beruflichen Tätigkeiten, die sich auf die Biowissenschaften oder Life Sciences gründen, diese durch Forschung vorantreiben oder sie in technische Verfahren umsetzen. Neben Arbeitskräften mit einschlägiger Ausbildung wie zum Beispiel Biologisch-Technischen Assistenten oder Biologielaboranten sind vor allem Akademiker gefragt. Gute Chancen haben Absolventen der alten Diplomstudiengänge, aber auch den Abgängern aus den neuen Bachelor- und Masterstudiengänge bieten sich viele Möglichkeiten auf dem Markt der Bioberufe.

Lohnt sich der Doktor?
Nicht selten erwerben Biologen im Anschluss an ihren ersten Abschluss an der Universität einen Doktorgrad. Die Promotion stellt keine grundsätzliche Anforderung der Bioberufe dar, jedoch ist sie für viele Stellen eine Bedingung und eigenständige Forschung ist in der Regel erst nach der Promotion möglich, denn erst dann können Projektanträge für eigene Forschung gestellt werden. Bei einer späteren Tätigkeit für die öffentliche Hand oder in der privaten Wirtschaft entscheidet der akademische Grad über das Gehalt, und der Doktortitel wird für viele höhere Positionen vorausgesetzt.

Drittmittelfinanzierte Forschung - Einstieg oder Endstation?
Im Bereich der Forschung ist es üblich, dass Forscher sogenannte Drittmittel einwerben, dass sind Gelder, die nicht aus dem Etat des Institutes der jeweiligen Hochschule stammen, sondern von Dritten zur Verfügung gestellt werden. Besonders herauszuheben ist die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), außerdem verschiedene staatliche Stellen, Stiftungen und Geldgeber aus der Privatwirtschaft. Für Uni-Absolventen ist die Mitarbeit in einem Forschungsprojekt oft der naheliegende Einstieg in die Arbeitswelt, aber auch promovierte Biologen finden in Forschungsprojekten begehrte Post-Doc-Stellen, die ihnen wissenschaftliches Fortkommen sichern. Doch in diesem Bereich ist es üblich, dass die Mitarbeiter nur für die Dauer eines Projektes angestellt werden. Da viele Projekte verlängert werden, sind Laufzeiten von vier bis sechs Jahren nicht ungewöhnlich. Eine Aussicht auf dauerhafte Übernahme ist damit jedoch meist nicht verbunden. Die durchführenden Institute verfügen oftmals nicht über ausreichende eigene Mittel, um Forscher nach Abschluss eine Projektes weiterzubeschäftigen. Viele Forscher sind deshalb wiederkehrend mit unklaren beruflichen Zukunftsaussichten konfrontiert.

Öffentliche Hand
Die öffentliche Hand hat ebenfalls eine erhebliche Zahl an Bioberufen zu bieten. Nicht nur in Umweltbehörden, sondern auch in Fischerei- und Landwirtschaftsbehörden, Gesundheits, Bau- und Strassenbaubehörden sind Biologen, Biochemiker und weitere Experten aus dem Bereich der Life Sciences gefragt. Oft haben sie die Funktion von Sachverständigen und Gutachtern, die im öffentlichen Auftrag Untersuchungen vornehmen, Analysen und Prognosen erstellen oder der Politik relevante Informationen zur Verfügung stellen. So fußen Entscheidungen und Verordnungen oft auf der Grundlage der Expertise von beispielsweise Meeresbiologen oder Baubiologen.

Private Unternehmen
Private Unternehmen sind sowohl in Produktion und Beratung als auch der Forschung tätig. Durch Fortschritte auf dem Gebiet der Biotechnologie boomt dieser Markt. Die Biotechnologie ist eine interdisziplinäre Wissenschaft mit direktem Praxisbezug. Erkenntnisse aus verschiedenen Bereichen der Life Sciences werden verwendet, vorrangig in der Produktion, technische Verfahren zu entwickeln oder anzuwenden. Doch auch abseits der Biotechnologie sind Biologen in der Lebensmittelerzeugung, ob landwirtschaftlich oder industriell, der privaten Forstwirtschaft, der regenerativen Energieerzeugung, der medizinishcen und pharmazeutischen Industrie oder in Beratungs- und Sachverständigenunternehmen gefragt. Auch hier agieren oder beraten sie in der Praxis. Privatwirtschaftliche Forschung hat hingegen nicht zwangsläufig einen direkten Praxisbezug, sie unterliegt jedoch meist dem Zwang, sich früher oder später zu rechnen, das heißt zu direkt vermarktbaren Ergebnissen zu führen, oder verwertbare Erkenntnisse zu Tage zu fördern. Das kann die Freiheit der Forscher entsprechend einschränken. Wer sich jedoch darauf einlässt, kann mit oft mit wesentlich besseren Gehältern und einer Festanstellung rechnen.