Borderline-Persönlichkeitsstörung: Diagnose und Behandlung

Erkennungsmerkmale und Therapiemöglichkeiten im Verlauf der Borderline-Persönlichkeitsstörung.


Die Borderline-Persönlichkeitsstörung ist eine psychische Erkrankung. Gekennzeichnet durch eine starke Impulsivität und Instabilität in zwischenmenschlichen Beziehungen, der Stimmung sowie dem persönlichen Selbstbild, leiden 2 Prozent (circa 1,6 Millionen) der Menschen in Deutschland an dieser Erkrankung. Auch die Zahlen der erkrankten Jugendlichen steigen.

Erkennung und Diagnose
Bei der Borderline-Persönlichkeitsstörung kommt es zu einem Zusammenspiel vieler Symptome. Nach dem DSV-IV ( Diagnosic and Statistical Manual of Mental Disorders), dem amerikanischen Klassifikationssystem für psychische Störungen, müssen mindestens fünf der folgenden Symptome zutreffend auf den Patienten sein, um die Diagnose Borderline-Persönlichkeitsstörung zu stellen. Die Betroffenen leiden unter einer großen Angst verlassen zu werden und tun alles um das Eintreten zu vermeiden. Außerdem haben sie meist eine sehr instabile zwischenmenschliche Beziehung und schwanken ständig zwischen Extremen. Identitätsstörungen sind ebenfalls nicht selten. Betroffene haben eine falsche Selbstwahrnehmung und dadurch auch ein unzutreffendes Selbstbild. Sie sind von einer starken Impulsivität geprägt und handeln mindestens in zwei Bereichen potenziell selbstschädigend. So ist es auch nicht selten, dass Menschen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung zu Substanzmissbrauch oder auch zu hohen Geldausgaben neigen. Wiederholte Suizidale Handlungen, die sich in Form von Androhungen oder tatsächlichen Versuchen äußern können sind ebenfalls kennzeichnend für die Borderline Erkrankung. In den meisten Fällen leiden die Patienten auch unter einer affektiven Instabilität. Es kommt demzufolge zu Stimmungsschwankungen, Freudlosigkeit, Angst oder auch Reizbarkeit, deren Ursache unbekannt ist. Viele Patienten berichten auch von einem chronischen Gefühl der Leere und Wut in unangemessenen Situationen, die kaum zu kontrollieren ist. In schweren Fällen kann es auch zu körperlichen Auseinandersetzungen kommen. Paranoide Vorstellungen, dissoziative Symptome und depressive Verstimmungen gehören ebenfalls zu den Anzeichen der Borderline-Persönlichkeitsstörung.

Therapien zur besseren Bewältigung von Alltagssituationen
Therapien, die wegen eines psychischen Leidens durchgeführt werden, setzen immer Geduld und Ausdauer voraus. So auch die Therapien, die im Zuge einer Borderline-Persönlichkeitsstörung Anwendung finden. Erst nach einer genauen Untersuchung, meist ein ausführliches Gespräch, kann man sagen, welche der angewandten Therapieformen für den Patienten am effektivsten ist. An dieser Stelle ist nochmals zu betonen, dass es noch keinen direkten Heilungsweg für die Erkrankung gibt, lediglich kann man den Leidenden helfen mit bestimmten Situationen besser umzugehen. Zu den gängigsten Methoden zählen die Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT), die vor allem für chronisch suizidale Patienten ein gutes Konzept liefert. Es werden feste Ziele und Strategien verfolgt, die trotzdem so flexibel bleiben, dass die sie sich an die immer wechselnden Alltagsituationen gut anpassen lassen. Gearbeitet wird an der Achtsamkeit, Stresstoleranz, mit seinen Gefühlen bewusster umzugehen, sein Selbstwertgefühl zu verbessern und die zwischenmenschlichen Fähigkeiten zu schulen. Die klassische Psychoanalyse zählt ebenfalls zu den angewandten Therapien, die aber selten Anwendung findet. Nach Siegmund Freund handeln Menschen nach einem bestimmen veranlagtem Grundmuster, das sie immer wieder anwenden. In einer Vielzahl von Gesprächen, in denen der Patient frei Assoziieren soll, spricht er über das, was er denkt und fühlt. Es ist es an dem Therapeuten, diese Handlungsmuster zu erkennen und im gegebenen Fall zusammen mit dem Betroffenen an ihnen zu arbeiten oder sie zu verändern. Die analytische Psychotherapie hingegen geht davon aus, dass es in der Kindheit nicht verarbeitete Erlebnisse gibt, die aufgearbeitet werden müssen, um eine Lösung für das Problem zu finden. Die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie beschäftigt sich hauptsächlich mit gerade bestehenden Problemen und will somit auf ungelöste Konflikte in der Kindheit schließen. Mit dem Erleben des Alltages und der Umwelt beschäftigt sich die dynamische Psychotherapie. Durch einschneidende Erlebnisse kann es zu Fehlentwicklungen kommen, infolgedessen sich negative Entscheidungen auf das alltägliche Handeln auswirken. Ziel ist es, dass sich der Patient mit seiner Beziehung zur Umwelt auseinandersetzt. Grundvoraussetzung bei der Gesprächspsychotherapie ist, dass eine gewisse Übereinstimmung, Akzeptanz und Empathie zwischen Patient und Therapeut herrscht. Ziel ist es, Wiedersprüche des Selbstkonzepts der Person herauszuarbeiten und zu verändern, um innere Konflikte zu vermeiden. Basierend auf einer Reiz-Reaktion-Verknüpfung, durch die sich das menschliche Handeln auswirkt, soll die handlungsorientierte Verhaltenstherapie versuchen, aktuelle Ereignisse durchzuspielen und die Reaktion zu üben. Den Patienten soll dadurch das angemessene Verhalten in einer realen Situation leichter fallen. Als letztes gibt es noch die Verhaltenstherapie, dessen Ziel darin besteht die Ursachen für die Probleme im eigenen Handeln und Verhalten zu finden. Die Grundursache des Konflikts steht hier im Vordergrund um die Ursache für die Borderline-Persönlichkeitsstörung zu finden.

Fazit
Anhand der steigenden Zahlen von erkrankten Jugendlichen ist davon auszugehen, dass unsere Gesellschaft einen guten Nährboden für die Boderline-Persönlichkeitsstörung bietet. Immer mehr Familien können ihren Kindern durch frühe Trennungen keinen gefestigten Grundstein geben. Die allgemeine Unsicherheit, mit der Kinder dann konfrontiert werden, könnte schon früh dazu führen, dass die Kinder einem erhöhtem Risiko ausgesetzt sind an einer Borderline-Persönlichkeitsstörung zu erkranken.