Burundanga: Hoax oder Wirklichkeit?

Manche Gerüchte halten sich hartnäckig und so kursiert auch die seltsame Nachricht von Burundanga nach wie vor stetig durch das Netz.


Der Nachricht zufolge wird einer Frau von einem angeblichen Handwerker, der seine Dienste anpreisen möchte, eine Visitenkarte in die Hand gedrückt. Die Frau nimmt sie an sich und fährt mit ihrem Wagen weg. Nach einer Weile wird ihr schwindelig und sie fühlt sich schlecht und fährt einen Parkplatz an. Zwei Männer hatten sie verfolgt und nur weil sie wild hupt und schreit, flüchten diese schließlich. Die Visitenkarte war angeblich mit der Droge Burundanga durchtränkt, einem Mittel, das seine Opfer außer Gefecht setzt und willenlos macht. Diese Nachricht wurde über das Internet verbreitet mit der Bitte, sie an möglichst viele Empfänger weiterzuleiten. Damit erfüllen die Burundanga Mail alle klassischen Kriterien eines Hoax. Was ist also dran an den mysteriösen Visitenkarten, die Menschen betäuben können?

Welcher Stoff steckt dahinter?
Hinter der lateinamerikanischen Bezeichnung Burundanga steckt der chemische Wirkstoff Scopolamin, das in Nachtschattengewächsen vorkommt. In hohen Dosen ab etwa 100 Milligramm wirkt Scopolamin tödlich, darunter wirkt es in ganz niedrigen Dosen beruhigend und in höherer Dosierung kann es denjenigen, der es zu sich nimmt, in einen stark apathischen Zustand versetzen. In kontrolliert niedrigen Dosen wird es von Ärzten und Pharmazeutikern auch als Therapeutikum gegen Reiseübelkeit verabreicht, da Scopolamin den Brechreiz unterdrücken kann.

Burundanga auf Visitenkarten als K.O.-Instrument?
Tatsächlich wird Scopolamin über die Haut als Pflaster oder in Tropfenform über die Blutgefäße in den Augen aufgenommen. Zumindest ließe dies die Möglichkeit offen, dass der Wirkstoff auch über die Haut der Handflächen und Finger beim Anfassen der Visitenkarten aufgenommen werden könnte. Doch reicht das bereits aus, dass man mit einer präparierten Visitenkarte tatsächlich einen Menschen außer Gefecht setzen könnte? Tatsächlich hat die amerikanische Polizei alle Gerüchte dementiert, der Urheber einer gleichlautenden Nachricht gewesen zu sein. Vielmehr seien sogar amerikanische Polizeibeamte selbst auf diese Falschmeldung hereingefallen. Für die Echtheit dieser hartnäckigen Nachricht gibt es jedenfalls keinen einzigen Anhaltspunkt. Daher sollten Burundanga Mails als das eingestuft werden, was sie zu sein scheinen: Waschechte Hoaxes. Eine Halbwahrheit wird mit plausibel erscheinenden Möglichkeiten vermischt, in eine spannende Story eingebettet und als unglaubliche Nachricht an einen kleinen Kreis Personen versandt mit der Bitte, die Nachricht zum Schutze anderer an möglichst viele Empfänger weiterzuleiten. Da die Wahrscheinlichkeit zumindest nicht von Anfang an vollkommen ausgeschlossen scheint, fallen die meisten Menschen darauf herein. So haben Hoaxes die Chance um die ganze Welt zu reisen und sich als Wahrheit in vielen Köpfen zu verankern, bis jemand die Allgemeinheit darüber aufklärt, dass die Story von in Burundanga getränkten Visitenkarten Nonsens ist.