Cagiva Elefant im Test

Mitte der Achtziger bis Ende der Neunziger Jahre war die eigenwillige Cagiva Elefant aus Italien erfolgreich – zu Recht?!


Mitte der 1980er Jahre entstand sie aus der Kooperation der vorher unabhängigen italienischen Motorrad- hersteller Cagiva und Ducati. Letzteres Unternehmen stieß als Motorenhersteller zu Cagiva und bescherte der Cagiva Elefant zunächst einen V-Motor mit zwei Zylindern und 650 Kubikzentimetern Hubraum. Später wurde dieser Motor auf 750 und letztlich auf 900 Kubikzentimeter "aufgebohrt". In der Ausbaustufe mit einem dreiviertel Liter Hubraum gewann die Cagiva Elefant die Rallye Paris Dakar, was den Höhepunkt ihrer Popularität darstellte.

Sitzposition und Motor
Schon auf den ersten Blick wird es deutlich: Die Cagiva Elefant ist eine langbeinige aber eigenwillige Schönheit und der Fahrer oder die Fahrerin sollte ausreichend Beinfreiheit mitbringen, um sie beherrschen zu können. Dies fällt allerdings in der aufrechten – für Großenduros typischen – Sitzhaltung alles andere als schwer. Kaum wird der Motor mit dem Starterknopf zum Leben erweckt, bereitet der V2 einen Riesen-Spaß. Der Ducati-Twin bollert und der Sound täuscht einem vor, auf einer Monster zu sitzen. Von unten geht es rau aus dem Drehzahlkeller, aber Ducati-Motoren waren und sind ja selten etwas für sensible Feingeister. Ab dem mittleren Drehzahlbereich bietet der Motor eine Menge Fahrspaß und unbändigen Vortrieb. Insbesondere die ab 1990 gebaute Elefant mit 900 Kubik sorgt für mächtig Beschleunigung und Durchzug.

Fahrwerk
Wie von einer Paris-Dakar-Gewinnerin nicht anders zu erwarten, überzeugt das Fahrwerk der Elefant. Der stabile Rahmen und die Upside-Down-Gabel machen die Fuhre jederzeit gut beherrschbar, sie vermittelt in allen Fahrsituationen ein ausgewogenes und sicheres Gefühl. Dies rührt nicht zuletzt von hochwertigen Einzelkomponenten her, wie etwa einem Öhlins-Federbein oder einer Gabel der itaienischen Komponentenschmiede Marzocchi.

Fazit
Neben den beschriebenen Vorzügen verhinderten einige Schwächen einen größeren Markterfolg der Groß-Enduro. Dies war zum einen der hohe Preis von damals etwa 18.500 DM. Zum Vergleich: eine Honda Africa Twin schlug damals mit gerade einmal 10.500 DM zu Buche. Daneben sorgte die schwache Lichtmaschine durch ihre mangelhafte Leistungsbereitschaft oft für leere Batterien. Eine anfällige Kupplung und zu hohem Verschleiß neigende Ventilführungen trugen zu einem wenig ehrbaren Ruf bei. Heutzutage werden die noch verbliebenen Exemplare zumeist von eingeschworenen Liebhabern gehegt und gepflegt. Nur selten wechselt eine gut erhaltene Cagiva Elefant den Eigentümer und wenn doch, dann für einen Preis zwischen 2.000 und 4.000 Euro.