Cancrum Oris - Hinweise für Betroffene

Unter der Bezeichnung „Cancrum Oris“ ist eine entstellende Krebsart bekannt geworden, die man auch als Mundhöhlenkrebs, Noma oder gangröse Stomatitis bezeichnet.


Man erkennt Cancrum Oris im unbehandelten Stadium daran, das große Teile des Gesichts – von Mund oder der Nase ausgehend – durch Krebszellen zerfressen werden. Die Karzinome entstehen an der Mundschleimhaut und den kleinen Speicheldrüsen und metastasieren dann in die Hals-Lymphknoten. Der Krankheitsverlauf geht rasant von Statten und wird durch mangelnde Immuntätigkeit begünstigt. Als Auslöser des Mundhöhlenkrebses hat man unter anderem das Fusobacterium Necrophorum und Prevotella Intermedia ausgemacht. Diese wirken im Wechselspiel mit anderen Bakterienarten wie Borrelien, Tannerella forsynthesis, Staphylokokken, Porphyromonas gingivalis oder Treponema denticola. Zusätzlich werden mangelnde Mundhygiene, schlechte Ernährung beziehungsweise Unterernährung, unsauberes Trinkwasser oder schlechte sanitäre Zustände als Ursache angegeben. Daher betrifft Mundhöhlenkrebs vor allem die arme Bevölkerung in Afrika.

Wo kommt Cancrum Oris vor?
Die entstellende Erkrankung wurde in den Konzentrationslagern des Zweitens Weltkrieges beobachtet. Häufig gehen dem Mundhöhlenkrebs schwächende Erkrankungen wie Herpes, Masern, Pocken, Malaria, Leukämie, Tuberkulose oder Lungenentzündung voraus. Während man den Mundhöhlenkrebs in der zivilisierten Welt praktisch ausgerottet hat, ist die Erkrankung in den ärmeren Entwicklungsländern relativ häufig zu finden. Sie kann schon Kinder befallen. Der WHO zu Folge sind von den weltweit bekannten, alljährlich 140.000 Betroffenen 100.000 Kinder im Alter von 1 bis 7 Jahren. Die Zahl der insgesamt Betroffenen ist geschätzt etwa 500.000. Die meisten Noma-Patienten leben in Afrika. Hierzulande kennt man nur bei AIDS-Betroffenen und Menschen mit schweren Immunerkrankungen einige Fälle.

Was kann man therapeutisch gegen Cancrum Oris tun?
Die Erkrankung verläuft schmerzlos, aber mit hoher Sterberate, wenn sie nicht behandelt wird. Man schätzt, dass 80–90 Prozent der Befallenen nicht überleben. Bereits die Ärzte der Antike kannten diese Erkrankung. Die Gabe von Antibiotika im frühesten Stadium des Mundhöhlenkrebses kann Cancrum Oris heilen oder aufhalten. Zugleich müssen Ernährungs- und Hygieneverbesserungen vorgenommen werden. Bereits entstandene Schäden sind irreversibel und verlangen kosmetische Operationen. In Afrika sind einige karitative Organisationen mit der Behandlung und Pflege der Erkrankten befasst. In Nigeria gibt es ein spezialisiertes Krankenhaus für Noma-Patienten. In vielen Fällen muss die Chirurgie eingesetzt werden, damit die Betroffenen wieder essen, atmen oder lächeln können.