„Der arme Poet“, „Der Kakteenfreund“, „Der Bücherwurm“, „Der Sterndeuter“ oder der „Mann mit roter Nase“ – wer kennt sie nicht, Spitzwegs biedere Bürger des 19. Jahrhunderts? Oder seine Idyllen wie das „Picknick“ und „Das Ständchen im Mondschein“. Oder die heiter-ironischen „Türken im Kaffeehaus“? Obwohl er nie eine Kunstakademie besucht hatte, wurde er zu einem der bedeutendsten deutschen Maler der Romantik (auch als Biedermeier geläufig). Carl Spitzweg wuchs in einer reichen Kaufmannsfamilie auf. Er studierte von 1830 bis 1832 Pharmazie, Botanik und Chemie an der Münchner Universität. Das Studium schloss er mit Auszeichnung ab und erhielt die Zulassung als praktischer Apotheker. Aber schon ein Jahr später beschloss er, sich ganz der Malerei zu widmen.
Satirische Zeichnungen für die „Fliegenden Blätter“
Anfangs kopierte Carl Spitzweg, der schon seit seiner Kindheit zeichnete, die alten Meister, vorzugsweise die flämischen, aber er entwickelte bald einen eigenen Stil. Viele Jahre zeichnete er für die „Fliegenden Blätter“, eine humoristisch-satirische Zeitschrift, die 1844 in München gegründet wurde. Bereits 1839 entstand „Der arme Poet“, sein wohl bekanntestes und beliebtestes Bild. Alle seine Bilder, die auf den ersten Blick – charakteristisch für die Epoche der Romantik – scheinbar die bürgerliche Idylle idealisieren, lassen einen feinen, hintergründigen Humor erkennen. Aber auch die Liebe zum Detail und zur Botanik, wie seine zahlreichen Bilder mit Pflanzen- und Gartenmotiven erkennen lassen. Spitzweg schrieb ebenso leidenschaftlich gern Gedichte, aber als Maler war er wesentlich besser.
Carl Spitzweg war keinesfalls ein „Biedermeier“
Der Maler hatte seinen Lebensmittelpunkt in München, neben seiner Malerei sammelte er Arzneipflanzen und tat viel für seine Gesundheit. Aber außer zu Kuren und Heilanwendungen reiste Carl Spitzweg viel in der Welt herum, in die Zentren der Kunst nach Prag, London, Paris und Venedig, 1867 zeigte er seine Bilder sogar auf der Pariser Weltausstellung. Gern war er zu Fuß unterwegs, durch Italien oder Belgien. Spitzweg sprach mehrere Sprachen und war ein eingefleischter Junggeselle, wie seine Zeitgenossen Schopenhauer und Busch. Mit dem Maler Moritz von Schwind verband ihn bis zu seinem Tode eine enge Freundschaft. Am 23. September 1885 starb der Maler in seiner Münchner Wohnung. Er hinterließ der Nachwelt 1.500 Bilder und Zeichnungen, die seit ihrem Entstehen massenhaft kopiert und nachgedruckt, auf Porzellan nachgebildet und auf Sofakissen gestickt wurden. Außerdem tragen zahlreiche Apotheken seinen Namen!