Carolyn Merchant im Portrait

Ein Artikel über die Ökologin, Feministin und bedeutenden Philosophin Carolyn Merchant, die an der berühmten Berkeley Universität in Kalifornien lehrt


Die amerikanische Philosophin Carolyn Merchant kam durch ein schockierendes Erlebnis zu ihrer Profession, welches sie heute gerne als "Feuertaufe" bezeichnet: im Jahr 1959 wurde sie bei einer Verabredung in die Prärie Wisconsins gebracht, um die Grasebene kurz darauf in loderndes Feuer ausbrechen zu sehen. Das besagte Date hatte mit Absicht das Gras und Laub in Brand gesetzt. Warum er das getan hatte, sollte sie im darauffolgenden Frühling sehen: Die zuvor öde Grassteppe übersäten bunt- blühende Wildblumen. Dieses prägnante Erlebnis brachte sie nicht nur darauf ihren Abschluss in Umweltgeschichte zu machen sondern auch die zündelnde Verabredung zu heiraten. Heute lehrt Carolyn Merchant Umweltgeschichte und Umweltethik an der Berkeley Universität und ist Autorin des wegweisenden und einflussreichen Buches "Der Tod der Natur".

Von Haus aus eine „starke Frau“
Carolyn Merchant wird 1936 in Rochester, New York geboren und wächst in einem Haus voller, wie sie es nennt, "starker Frauen" auf nachdem sich ihre Eltern scheiden ließen. Bereits in ihrer Kindheit entdeckt die Feministin und Mutter zweier Kinder ihre Neigung zur Natur und ihrer Erforschung: Insekten, Vogelnester oder Kleintiere aus den Wäldern und Wiesen rund um ihre Heimatstadt werden Teil einer passionierten Sammlung. Ihr Interesse an der Naturwissenschaft entfaltet sich endgültig als ihr ein altes Mikroskop geschenkt wird. Die Bibliothek die Straße runter besucht sie täglich, um in großen Tierlexika und Naturkunde- Bänden zu stöbern. In der zehnten Klasse nimmt sie am Westinghouse Wettbewerb für Naturkunde teil und kommt unter die 10 Besten der Nation. Dieser erste Erfolg soll der Anfang einer Reihe zahlreicher Ehrungen in ihrer Laufbahn als Ökologin sein.

In der Prärie Wisconsins
Nach ihrem Abschluss in Chemie am Vassar College entscheidet sich Carolyn Merchant für das Studium der Wissenschaftsgeschichte, welches ihre beiden Hauptinteressen Naturwissenschaft und Philosophie am besten verbindet. In der Prärie von Wisconsin schließt sie ihr Studium mit einem Doktortitel ab. 1967 zieht sie nach der Scheidung ihrer ersten Ehe an die Westküste und nimmt eine Stelle als Dozentin an der Universität in San Francisco an, wo sie Wissenschafts- und Sozialgeschichte lehrt. Als sie am Strawberry Creek College der Berkeley Universität für kurze Zeit arbeitet, lernt sie ihren heutigen Ehemann Charles Sellers kennen. 1979 bekommt sie eine Anstellung am damals noch jungen Institut für Umweltgeschichte, ein Jahr bevor sie ihr erstes und bekanntestes Buch Der Tod der Natur: Ökologie, Frauen und neuzeitliche Naturwissenschaft veröffentlicht. Die Schrift umfasst mehrere akademische Fachbereiche wie beispielsweise feministische Theorie, Ökologie und Philosophie. Auf einem Symposium im Jahr 1998 wurde Carolyn Merchants Erstlingswerk als eines der einflussreichsten interdisziplinären Bücher bezeichnet.