Casu Marzu - Käsegenuss für Abgebrühte

Casu Marzu ist ein cremiger Käse mit unbeschreiblichem Aroma! Hört sich gut an, finden Sie? Naja...


Stellen Sie sich vor, Sie treffen jemanden, der noch nie in seinem Leben Käse gegessen oder gesehen hat. Und dann stellen Sie sich vor, sie müssten demjenigen erklären, was Käse ist. Würden Sie nicht auch finden, dass es die Beschreibung “verschimmelte Milch” irgendwie nicht so trifft, obwohl sie rein theoretisch genau den Begriff Käse wiedergibt? Seien Sie froh! Denn, auch wenn Ihr “Außerirdischer” bei dem Gedanken an verschimmelte Milch die Nase rümpfen wird, so ist das noch nichts gegen diese außergewöhnliche Spezialität, über die Sie hier nachlesen können: der Casu Marzu!

Maden im Käse!
Übersetzt heißt Casu Marzu nichts anderes als verdorbener Käse in einem sardischen Dialekt. Wir reden hier also nicht nur von verdorbener Milch und überreifem Käse, sondern gleich von einem dem Wortlaut nach ungenießbaren Milchprodukt. Doppelt schlecht also. Waschechte Sardinier hingegen lieben diese Delikatesse, die schon seit tausend Jahren in ihrem Land genossen wird. Wer jetzt denkt, dass das ja so schlimm nicht sei, Schimmelkäse ist immerhin ja auch irgendwie verdorben, der sollte weiter lesen. Die Made liegt nämlich ganz woanders begraben!

Nichts für Mäkeltanten
Tatsächlich geht es bei diesem Käse um Maden. Wer zart besaitet ist, sollte jetzt vielleicht nicht weiterlesen, denn der Casu Marzu, enthält dadurch sein spezielles Aroma und Reifung, dass sich viele kleine Maden im Käse tummeln. Diese werden beim Verzehr von vielen Genießern mitgegessen. So etwas sollte doch verboten werden, denken Sie sich? Richtig gedacht, denn der Käse ist rein rechtlich gesehen schon seit 2005 verboten, da sich die Fliegen, die den Käse angehen, auch auf Fleisch „fliegen“ – demnach also auch Kadaver von toten Tieren, die Krankheiten gehabt haben können. Trotzdem gibt es aber immernoch Käser im traditionellen Sardinen, die dieses lebendige Milchprodukt herstellen und unter der Hand verkaufen.

Flinke Viecher zum Mitessen
Grund für die Existenz der Maden ist eine spezielle Käsefliege der Art Piophila casei, die vom Geruch des Käses angelockt wird und darauf ihre Eier ablegt. Nach einem Tag schlüpfen die Maden und dringen in den Käse ein. Tunnelförmig fressen Sie sich durch den recht harten Käse, wobei sie ihre Ausscheidungen hinterlassen. Eigentlich der gleiche Käse nur in viel weicherer Art und Weise. Hier entsteht also nicht nur ein strenger Geruch, sondern auch die beliebte, cremige Konsistenz des Käses und sein intensiver Geschmack. Ein netter Nebeneffekt der Maden: Sie sind sehr lebendig und bewegen sich nicht nur kriechend auf dem Käse fort, sondern auch springend. Dieses Verhalten ändert sich auch beim Verzehr nicht.

Viel Alkohol von Nöten
Genossen wird der Casu Marzu am besten gleich aus der Käsehülle mit dem typischen Brot, dem sardischen Pane Cardasau und einem kräftigen Rotwein mit vielen Umdrehungen. Was dem einen eine Lebensmittelvergiftung ist, ist dem anderen somit eine außergewöhnliche Delikatesse. Forscher hingegen versuchen jetzt den Käse wieder zu legalisieren, in dem sie die Fliegen steril züchten und somit sicherstellen, dass sie nicht mit anderen Dingen in Berührung kommen.