Chippendale Möbel - echt oder Möchtegern?

Die Stuhlbeine der Chippendale Möbel sind meist von den Hinterläufen verschiedenster Tiere inspiriert.


Thomas Chippendale, ein junger Tischlersohn, der in Mitte des 18. Jahrhunderts in London wirkte und insbesondere die Sitzmöbel revolutionierte, ist gleichzeitig Erfinder und Namensgeber der berühmten Möbel. Er verband den damaligen Rokokostil geschickt mit chinesischen und gotischen Formen. Sein charakteristischer Stil für die Chippendale Möbel fand Verbreitung durch die gezeichneten Entwürfe, die in verschiedenen Büchern gesammelt wurden. In der letzten Ausgabe, um 1762 herum, fließen bereits erste neoklassizistische Elemente ein.

Mahagoni und Durchbrüche
Für seinen neuartigen Stil benutzte Chippendale vorzugsweise Mahagoni, das er mit der Westindischen Kompanie nach Europa schiffen ließ. Das Besondere an Chippendale Möbeln sind die Durchbrucharbeiten, die dem robusten Holz eine optische Öffnung geben. Die charakteristischen Chippendale Stuhllehnen sind kunstvoll gestaltet, vereinen fließende Formen mit fast opulent anmutender Eleganz. Die Sitze bleiben trotzdem breit und gut gepolstert und geben so eine gewisse Bequemlichkeit. Die Beine von Chippendale Möbelstücken nehmen oft die Form eines tierischen Hinterbeines an, sind also leicht geschwungen und oftmals in Muschelform dekoriert. Die Füße enden in Vogelklauen, Tatzen oder Pfoten, die sich auf einem abgeflachten Ball halten. In seine Zeit fallen auch die so genannten Settees, eine Sitzbank für zwei, oftmals sogar mit getrennten Rückenlehnen, die weniger für komfortables Sitzen aber mehr für den optischen Genuss gedacht waren.

Original oder Imitat?
Mitte bis Ende des 19. Jahrhunderts erlebte dieser Möbelstil ein Revival, denn Möbeldesigner griffen Chippendales Zeichnungen auf und bildeten die Grundlage für „Nachbauten“ seiner Entwürfe. Daraus entstanden Richtungen wie Irish und Gothic Chippendale. Mit den Original Chippendale Möbeln habe diese Varianten oftmals sehr wenig zu tun,
Glaubt man im Besitz eines echten Chippendale zu sein, ist es in jedem Falle ratsam, ihn von einem Kunsthistoriker genau begutachten zu lassen, damit Holzart sowie Alter und Stil exakt bestimmt und als Nachahmung oder Original identifiziert werden kann.

Dunkles Mahagoni durch Kontraste ergänzen
Chippendale Möbel passen gut zu verschiedenen Wohnelementen. Durch den eher dunklen Farbton von Mahagoni sind helle Stoffe zu empfehlen, dessen Material jedoch nicht zu leicht sein sollte. Schwere Baumwollstoffe in Pastelltönen, die in mehreren Lagen aufeinander liegen, bilden die ideale Ergänzung zu den Möbeln. Licht, dass durch große Fenster in den Raum strömt, ist essenziell für Chippendale Möbel, denn ein normal großer Raum kann schnell beengend wirken, wenn diese dunklen Möbel darin ihren Platz finden. Ebenfalls geeignet sind große Vasen mit einem bunten Blumenstrauß, durchaus der Saison angepasst, die den Möbeln die Schwere nehmen. Ein besonders schöner Stuhl sollte eventuell einzeln stehen und so zu einem Blickfang werden.