Die natürliche Reaktion auf Juckreiz ist das Kratzen – und meistens sorgt es tatsächlich für eine erste Linderung. Ein simpler Schnakenstich heilt auch bei mehrfachem Kratzen nach wenigen Tagen ab; der Juckreiz verschwindet. Krankhafter, chronischer Juckreiz jedoch kann einen quälenden Teufelskreis nach sich ziehen. Das Jucken wird von den Betroffenen als unerträglich empfunden, sodass sie das ständige Kratzen nicht unterdrücken können.
Durch das Kratzen bilden sich Knötchen, Schorf und nässende Stellen, die spätestens bei beginnender Heilung erneut zu jucken beginnen. Über Wochen, Monate und Jahre andauernder Juckreiz zieht meistens eine nicht minder langwierige Behandlung nach sich – und häufig tappen die Mediziner bei der Suche nach der idealen Therapie zunächst im Dunklen.
Behandlung oft langwierig
Obwohl das Bild der Neurodermitis, einer der häufigsten Ursachen für chronischen Juckreiz, bekannt ist, reagiert jeder Mensch anders auf die unterschiedlichen Therapiemethoden und für eine zufriedenstellende Behandlung vergehen oft Jahre des Austestens und Versuchens. Chronischer Juckreiz kann aber auch auf Allergien, Unverträglichkeiten sowie auf organische Krankheiten zurückgeführt werden. Allein ihre Erkennung und Behandlung beendet den Juckreiz aber nicht automatisch. Der Patient steckt oft bereits im Teufelskreis des Juckreizes fest und braucht Geduld, um aus ihm ausbrechen zu können. Dabei spielt die Psyche eine wichtige Rolle: Stress und Ärger übertragen sich auch auf die Haut und sorgen für einen verstärkten Juckreiz.
Betroffene meiden Gesellschaft und ziehen sich zurück
Der Zwang des Kratzens und der gleichzeitige Wunsch, diesen Reflex zu unterdrücken, verursachen den Juckreizpatienten zusätzlichen Stress. Auch meiden sie zunehmend die Gesellschaft von anderen Menschen, weil sie sich für ihren Kratzzwang schämen und fürchten, durch die offenen, schuppigen Hautbereiche und Flechten entstellt zu sein. Die Abkapselung von den schönen Dingen des Lebens, das Gefühl von Hoffnungslosigkeit und der Rückzug aus intimen Beziehungen können in ernst zu nehmenden Depressionen enden. Jetzt ist ein Ineinandergreifen von einer Psychotherapie und der Behandlung mit Juckreiz lindernden Salben gefragt.
Entspannungstechnik und kühlende Salben helfen
Viele Patienten empfinden das „Umleiten“ des Kratzreflexes als sinnvoll. Sobald sie vom Juckreiz heimgesucht werden, greifen sie zu einem kleinen Kratzkissen, um dort den Reflex ausleben zu können. Anderen hilft es, die juckenden Hautstellen zu kühlen, denn Wärme verstärkt den Juckreiz. Besonders wohltuend wird von den Betroffenen das Schwimmen in kaltem, ungechlorten Wasser empfunden. Autogenes Training, Meditation und Akupunktur können eine Juckreizbehandlung sinnvoll ergänzen. Gerade das Training der Tiefenentspannung trägt mitunter dazu bei, bei Stress bewusst aus dem Kratz-Teufelskreis aussteigen zu können.