Come into my Barbie - World!

Am 9. März 2009 wurde die Barbiepuppe 50 Jahre alt. Herzlichen Glückwunsch! Doch wie hat sie das geschafft, die kleine, blonde Barbie?


Sie ist wunderschön, hat Beine bis zum Himmel, noch nie eine Diät gemacht und wurde bislang von allen großen Designern der Zeit eingekleidet. Sie hat einen liebevollen, aufrichtigen und genauso hübschen Freund, dem nicht mal Brad Pitt das Wasser reichen könnte, und trotz mehrerer Schwangerschaften sieht man ihr den Stress nicht an.
Ihre Hobbys sind Reiten, Cabrio-fahren, am Pool liegen, Schminken, Haare kämmen, Anziehen, Anziehen und -ähm- Anziehen. Und trotz all des Ruhmes, der zu beneidenden Topmodel-Maße und des walle walle Haares, liebt sie jedes Mädchen auf dieser Welt.
Die Rede ist von Barbie. Und die wird am 9. März 2009 stolze 50 Jahre alt! Herzlichen Glückwunsch, rufen wir, und suchen kritisch nach einer Falte in Barbies makellosem Gesicht. Aber, wer den ganzen Tag am Pool liegt, der hats eben nicht so mit der Hautalterung. Und huch, ja, stimmt. Sie ist außerdem aus Plastik.

Fester Bestandteil im Kinderzimmer
Die Barbiepuppe ist aus dieser Welt einfach nicht wegzudenken und Dank des Wirbels, der um die 29 Zentimeter große Spielzeugpuppe zur Feier ihres 50. Geburtstages veranstaltet wird, kann man leicht schonmal vergessen, dass Barbie keine echte Frau aus Fleisch und Blut ist. Trotz allem ist sie aber eine große Persönlichkeit, hinter der viel mehr steckt als ein amerikanisches Massenprodukt, was weltweit in jeder Sekunde drei Mal über den Warentisch rutscht. Denn 1959 von Ruth Handler entwickelt und nach deren Tochter Barbara Joyce benannt, stammt die eigentliche Idee von einer an- und ausziehbaren Modepuppe fürs weibliche Spielzimmer aus Good Old Germany, genauer gesagt aus Hamburg.

Deutsche Wurzeln
Es war im Juni 1952, als der Axel-Springer Verlag eine neue Zeitung plante. Etwas Unkonventionelles und Lautes musste her! Unterhaltsam sollte sie sein und den Leser mit bunten Comicstrips und Geschichtchen locken. Angesetzt auf eben letzteres wurde der Karikaturist Reinhard Beuthin, der prompt nach dem Motto „Sex sells“ ein Comic mit einer koketten Blondine entwarf, die etwas naiv, aber immer mit einem anrüchigen Spruch auf den Lippen, durch die Stadt tuckelte. Lilli, so hieß die freche Blondine mit Pferdeschwanz, kesser Locke in der Stirn und kussechtem Schmollmund. Und so stolzierte Sie auf hohen Stilettos jeden Morgen in der „Bild-Zeitung“ über den bürgerlichen Frühstückstisch.
Das Ganze kam so gut an, dass schon etwas später eine Spielzeug-Lilli großen Anklang fand und von Eltern für ihre Mädchen gekauft wurden. Schon damals gab es für Lilli allerhand Zubehör. Sie war beweglich, wunderschön anzusehen und umzuziehen. Die Abwechslung zur erzieherisch wertvollen Babypuppe fand auch das nahe Ausland spannend und importiere Lilli schlichtweg.
So kam es, dass Ruth Handler in der Schweiz über die Modepuppe stolperte und ihrer Tochter mitbrachte. Der Rest ist Geschichte: Die Idee wurde in die Familienfirma der Handlers, die bis Dato Puppenmöbel produzierte, aufgenommen, eine ähnliche Puppe namens Barbie produziert und 1959 in New York vorgestellt. 1964 wurden dann die Rechte an der deutschen Lilli aufgekauft, wodurch das kesse, deutsche Vorbild von der Bildfläche verschwand und fortan die Barbie-Doll den Weltmarkt überflutete.

Von Karrierefrau bis Mutti
Barbie hat seitdem viel durchgemacht. Ihr erstes Outfit, ein graphisch schwarz-weißer Badeanzug, wurde um 60.000 andere Stücke ergänzt. Barbie ergriff die mannigfaltigsten Berufe von Stewardess bis Ministerpräsidentin, nahm ihre Schwester Shelly bei sich zu Hause auf und trennte sich von ihrem ersten muskulös-seriösen Freund Ken, um mit dem ultra-coolen Surferboy Blaine in ihrem Cabrio herumzufahren. Auch Schönheits-OPs wurden tapfer durchgestanden. 1996 mussten nämlich kleinere Brüste, kräftigere Waden und ein breiteres Becken her, um dem neuen Schönheitsideal zu entsprechen.

Harte Kritik
Aber nicht immer war die blonde Schönheit „Everybodys Darling“, auch Kritik hagelte es, denn Pädagogen unterstellten der Barbiepuppe mit den Modelmaßen das Vorleben unerreichbarer Ziele. Gerade für die jungen Mädchen, hieß es, ebne Barbies Figur den Weg in die Essstörung. Und seit Wissenschaftler herausfanden, dass Barbie,wäre sie echt, niemals laufen könnte und schon gar kein Platz für normale Organe in ihrer Wespentaille hätte, schauen viele Menschen mit geteilter Meinung auf die stilbewusste Ikone.

Aber trotz all der Kritik, Barbie, bist du eine tolle Frau! So wandlungsfähig, mutig und ausdauernd, dass du die scharfe Kritik gar nicht so zu Herzen nehmen brauchst. Und wenn doch, hast du ja immernoch Blaine, dein Traumhaus, dein Traum-wohnmobil, dein Traum-Cabrio, dein Traum-Pool, dein Traum-Pferd, dein....

Herzlichen Glückwunsch, auf 50 weitere Jahre!