Computerspielsucht bei Kindern - Gefahr im Kinderzimmer

Kinder und die Probleme innerhalb der Familie, wie z.B. die Computerspielsucht. Oftmals handeln die Familien leider erst viel zu spät. Hier lesen sie, worauf es ankommt.


Wenn das Wort „Spielsucht“ fällt, denken die meisten wohl zuerst an verrauchte Spielhallen und bunt - flirrende Automaten, Schulden, sozialen Abstieg und Verlust aller zwischenmenschlichen Beziehungen. Doch die Glücksspielsucht hat einen Gefährten bekommen, der sich in den Kinderzimmern versteckt.

  • Die Computerspielsucht, die immer häufiger Kinder und Jugendliche befällt, wird oft erst spät bemerkt. Eltern erkennen die Gefahr oftmals nicht, da sie exzessive Computernutzung mit gesteigertem Interesse an Medien verwechseln. Viel zu häufig sind Mütter und Väter eher fasziniert davon, wie leicht es dem Spross fällt, mit digitalen Medien umzugehen. Medienkompetenz wird überall angepriesen. Wer sie nicht besitzt, kann heute in der Schule und später im Berufsleben nicht mithalten. Doch wo hört Spielfreude auf und wo beginnt die Sucht?

 

Computerspielsucht erkennen

  • Eltern, die den Verdacht haben, ihr Kind könnte betroffen sein, sollten zunächst genau beobachten, wie viel Zeit ihr Nachwuchs täglich für das Spielen am Computer oder der Konsole aufwendet. Ein neu erworbenes Spiel, darauf legen es die Hersteller bei der Konstruktion der virtuellen Welten geradezu an, kann über einige Monate hinweg faszinieren. 

 

  • Der gesteigerte Zeitaufwand für die Beschäftigung damit darf allerdings nicht dauerhaft sein. Wenn die Faszination derart groß ist, dass andere Freizeitbeschäftigungen auch nach einiger Zeit des Spielens keinen Reiz mehr ausüben, sollten Eltern alarmiert sein. Auch wenn das Kind Freunde und sogar die Schule vernachlässigt, müssen die Erziehungsberechtigten handeln.

 

  • Zeigt das Kind typische Entzugssymptome und kann es trotz körperlicher Beeinträchtigungen wie Konzentrationsschwächen, Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Gewichtsproblemen (sowohl Über- als auch Untergewicht, weil die Nahrungsaufnahme unbewusst gesteigert oder vergessen wird) und emotionalem Kontrollverlust nicht auf das Spielen verzichten, liegt ein intensives Suchtverhalten vor. Ist das bei Ihrem Kind der Fall, sollten Sie sich professionelle Hilfe suchen.

Ursachenforschung

  • Oft sind es die Erwachsenen, die ihrerseits stundenlang vor dem PC sitzen und so ein schlechtes Vorbild für ihren Nachwuchs sind. Kinder schauen sich dieses Verhalten extrem schnell ab. Des weiteren müssen die Ursachen der Sucht erforscht werden. Die Gründe dafür liegen immer in der näheren Umgebung der Kinder oder Jugendlichen.

 

  • Denn wenn Ärger mit Freunden, Hänseleien, ein kaltes familiäres Umfeld, fehlendes Selbstvertrauen oder Langeweile Faktoren sind, die den Alltag bestimmen, kommt der Rückzug vor den Bildschirm einer Flucht in die virtuelle Welt gleich.

Aktives Gegensteuern

  • Um Kinder wieder für die Realität zu begeistern, sollten Eltern sich fragen, welche Gefühle das Kind hat, wenn es spielt und wie diese Gefühle auch mit anderen Aktivitäten erreicht werden können. Das Spielen eines Computerspiels bewirkt, genau wie die Einnahme von Drogen, eine Ausschüttung des Botenstoffes Dopamin. Es folgt eine Euphorie, die süchtig macht und, im Vergleich zu realen Glücksgefühlen, schnell und einfach zu erreichen ist. 

 

  • Eine Möglichkeit, diese gesuchten Erfolgserlebnisse auch wieder in den realen Alltag des Kindes zu integrieren, ist das Loben, z.B. für gute Noten in der Schule. Von vielen Eltern wird dieses einfache Mittel der Stärkung des Kindes unterschätzt oder schlichtweg vergessen. Regelmäßige, feste Computerzeiten sollten gemeinsam diskutiert und dosiert werden. Computerfreie Zeiten sollten den Hauptteil des Tages bestimmen und durch sinnvolle und bestenfalls gemeinsame Aktivitäten gefüllt werden.

 

  • Auch die Beschäftigung mit den Inhalten der Spiele hilft ratlosen Eltern. Wenn Sie wissen, womit sich Ihr Kind beschäftigt und was es an den bunten Welten reizt, können Gespräche viel eher auf einem gemeinsamen Nenner stattfinden und zu einem Konsens führen.

Was vermieden werden sollte

  • Die Sabotage des Computers oder das gänzliche Verbot sollten dagegen unbedingt vermieden werden. Das Ziel ist nicht die Abstinenz des heute so wichtigen Mediums. Helfen Sie Ihrem Kind dabei, ein gesundes Maß der Computernutzung zu finden. Wenn nötig, auch mit professioneller Betreuung. Unabdingbar sind bei diesem Prozess aber vor allem Verständnis und die Bereitschaft der ganzen Familie, eingefahrene Verhaltensmuster zu verändern.