Die auch als Somnambulismus oder Noktambulismus bezeichnete Schlafstörung ist gar nicht so häufig, wie allgemein gern angenommen wird. Lediglich 15 bis 17 Prozent der fünf bis 12jährigen berichten, bereits mindestens einmal unter einer derartigen Episode gelitten zu haben. Und so sind es vor allem Kinder und Jugendliche, die von den merkwürdigen Ereignissen in der Nacht, auch Parasomnie genannt, betroffen sind. Aber auch Erwachsene leiden mitunter an den verstörenden Episoden. Gründe sind vor allem psychischer Natur, Stress, Schlafmangel und unregelmäßige Schlafrhythmen stören wichtige Prozesse im Körper.
Schlafwandlerische Sicherheit
Anders als die bekannte Weisheit feststellt, sind Schlafwandler alles andere als sicher. Sie stolpern und stürzen, und können sich ernsthafte Verletzungen zufügen und dass obwohl ihre Augen weit geöffnet sind. Auch die Absturzgefahr, etwa von Dachsimsen oder Balkonen ist enorm hoch, da Schlafwandler immer den direkten Weg wählen. Ihre Bewegungen sind immer zielgerichtet- auf die stärkste Lichtquelle zu. In früheren Zeiten war es der Mond, heute sind es zumeist Lichtquellen oder Straßenlampen, die die unbewusste Aufmerksamkeit der Mondsüchtigen auf sich ziehen.
Wenn der Schlafwandel gefährlich wird
Die Betroffenen sind in der Lage, auch sehr komplexe Abläufe störungsfrei zu bewältigen. So sind Fälle bekannt, in denen Menschen Auto gefahren oder komplette Mahlzeiten zubereitet haben. Dennoch, weil sich die Menschen ihrer Handlungen nicht bewusst sind, stellen sie eine Gefährdung sowohl für sich selbst als auch für andere da. So sind zahlreiche Fälle bekannt, in den Schlafwandler Morde begangen oder Vergewaltigungen verübt haben. Natürlich sind solche Handlungen seltene Ausnahmen, doch müssen Betroffene zur Sicherheit anderer, aber auch vor sich selbst geschützt werden.
Willenloser Körper
Die Grundlage des Mythos bildet eine alte Legende: damals glaubte man, dass die Seele während des Schlafens den Körper verlässt. Wenn man also einen schlafwandelnden Menschen aufweckte, bliebe eine seelenlose Hülle zurück. Heute weiß man, dass es sich beim Schlafwandeln um eine Aufwachstörung handelt. Betroffene sind im Prozess des Aufwachens stecken geblieben, das Gehirn schläft noch, lediglich die Muskulatur ist rege. Während der Körper alle Vitalfunktionen heruntergefahren hat, bleibt lediglich die Fähigkeit Bewegungen auszuführen vollständig erhalten. Allerdings hat der Schlafwandler keinerlei Kontrolle über seine Aktivitäten.
Was kann man tun?
Schlafwandler lassen sich äußerst schwer wecken. Ist der Betroffene allerdings in Gefahr oder zeigt er aggressives Verhalten, so sollte man ihn aufwecken. Wenn man Menschen in den Wachzustand zurückholen möchte, sollte man bedacht und behutsam vorgehen. Denn, obwohl Schlafwandler selten aggressiv werden, reagieren sie sehr ängstlich, manchmal auch panisch. Oft sind sie peinlich berührt oder zeigen sich überrascht, wenn sie in einer fremden Umgebung aufwachen. Angst vor der Reaktion des Betroffenen braucht indes niemand zu haben: Verletzendes Verhalten zeigt sich lediglich in Ausnahmefällen, denn manche Schlafwandler verarbeiten die neue Situation langsam und sind gereizt, auch bei Berührungen neigen manche Menschen zu emotionalen Ausfällen. An einem Schock, oder auch Herzstillstand ist aber noch kein Schlafwandler gestorben, nachdem man ihn aufgeweckt hat. Psychiater empfehlen, den Betroffenen sanft am Arm zu fassen und in zurück ins Bett zu geleiten.