Das Dorian Gray Syndrom: Krankhafter Wunsch nach ewiger Jugend

Das Dorian Gray Syndrom - der Wunsch nach ewiger Jugend. Dieser Traum lässt sich leider noch nicht erfüllen, aber zumindest lassen sich die Zeichen der Zeit abmildern.


Die Magazine sind voll von strahlenden, wunderschönen Frauen mit weißen Zähnen, makelloser Haut, cellulitefreien Beinen und faltenfreien Gesichtszügen. Photoshop sei Dank, denn in Wirklichkeit sieht kaum eines der Models so aus wie auf den Hochglanzfotografien. So mancher eifert dem Ideal nach, isst gesund, schläft viel und legt sich gar unters Messer – mit teils erschreckenden Ergebnissen.

Ich sterbe nicht
Wie der Narziss aus der griechischen Mythologie ist man so gefangen von seiner eigenen Schönheit und dem attraktiven Spiegelbild, das dieses eines Tages zum Verhängnis wird. Menschen, denen das eigene Erscheinungsbild nicht mehr gefällt und dagegen ankämpfen, wollen nicht nur den Haaren oder der Haut ihren Willen aufzwingen, sondern auch gegen den Strom der Zeit schwimmen. Die neue Lifestyle-Krankheit nennt sich Dorian Gray Syndrom und charakterisiert die übermäßige Beschäftigung mit der eigenen Vergänglichkeit und dem Aussehen. Äußerlich und innerlich erstarrt – würden sie, ganz wie der Namensgeber, auch ihre Seele verkaufen, um ewig jung bleiben zu können.
Dorian Gray – Hauptfigur in einem Roman von Oscar Wilde – ist der Archetypus eines Betroffenen: aktiv und lebhaft, attraktiv, bis eines verhängnisvollen Tages die Erkenntnis einsetzt, dass dieser Zustand nicht von Dauer sein wird. Im Buch altert nur ein Gemälde Grays, im wahren Leben findet der Zelltod jeden Tag wirklich statt.

Forever young dank der Medizin
In den vergangenen Jahren und Jahrzehnten ist der Wunsch nach ewiger Jugend immer mehr gewachsen. Welchen Preis wäre man bereit zu zahlen, wenn man auch so einen mirakulösen Jungbrunnen wie Isabella Rossellini in „Der Tod steht ihr gut“ hätte? Jeden. Die Medizin ist zwar nicht halb so gut wie ein ewiger Verjüngerer – aber die Zeichen der Zeit lassen sich mit den verschiedensten Methoden kurzzeitig zum Verschwinden bringen. Anti-Aging, Anti-Fett, Anti-Depressiv – neben den Mitteln und Produkten aus der Apotheke, dem Reformhaus und dem Labor, verhilft auch das Skalpell zu einem jüngeren Selbst.
Frauen zwischen 30 und 50 sind gefährdet, das Dorian Gray Syndrom zu entwickeln, Männer können bereits früher erkranken.

Merkmale der Erkrankung
Natürlich ist nicht jeder, der sich für die Schönheit unter das Messer legt, krank. Psychologisch relevant wird so ein Eingriff erst, wenn er nicht zu der erhofften Zufriedenheit führt und bald darauf ein weiterer folgt. Typisch ist auch eine körperdysmorphe Störung, bei der kleine Makel so wahrgenommen werden als wären sie Behinderungen, ästhetische Monstrositäten, die behoben werden müssen. Jedes Mittel ist recht, um den Alterungsprozess aufzuhalten: Haarwuchsmittel, Appettitzügler und Potenzpillen. Glücklicher machen all diese Maßnahmen den Betroffenen aber nicht.

Unzufriedenheit bis in den Tod
Die Zufriedenheit mit dem Aussehen hält nur kurz an, die Betroffenen sind tief unglücklich, werden depressiv, meiden die Öffentlichkeit. Soziale Kontakte werden vernachlässigt, es folgt der Rückzug ins eigene Selbst. Am Ende droht der Selbstmord, wenn keine entsprechenden Therapien begonnen werden.