Das Hochstapler-Syndrom: Erfolg nicht verdient?

Sie haben das Gefühl, den beruflichen Erfolg nicht verdient zu haben? Sie haben viele Komplexe? Vielleicht leiden Sie unter dem Hochstapler Syndrom.


Glaubt man den vorhandenen Studien, leidet jeder zweite Erwachsene mal unter dem Hochstapler Syndrom: Das nagende Gefühl, man wäre eine Betrügerin und würde den Chef oder die Kollegen nur blenden, ist also weit verbreitet. Dabei ist Erfolg immer hart erarbeitet: Leistung und Talent sind für die Karriere verantwortlich, nicht das Blendertum.

Problem liegt in der Familie
Oft sind spezielle Familienstrukturen verantwortlich für das gestörte Minderwertigkeitsgefühl.
Empfinden Eltern Ihr Kind als intelligenter, sportlicher, talentierter als alle anderen, kann das für das Kind sehr schwer sein, wenn es dies selbst nicht genauso empfindet. Doch das andere Extrem ist genauso schädlich: Unterschätzen Eltern Ihr Kind, loben aber die Geschwister sehr viel, bekommt der Nachwuchs schnell das Gefühl, nichts so gut zu machen wie die Geschwister. Diese Eindrücke aus der Kindheit prägen das ganze Leben der Betroffenen.

Typisches Frauenproblem?
Oft ist das Hochstapler Syndrom ein Problem von Frauen. Schließlich werden diese häufig dazu erzogen, nicht auf ihre Leistungen stolz zu sein, sondern werden stattdessen demotiviert und gebremst. Wirklich gefördert werden Frauen vor allem dann, wenn sie gesellschaftlich gebraucht werden, wie die Trümmerfrauen nach dem zweiten Weltkrieg oder die vielen weiblichen Ingenieure in der DDR. Ist eine Frau aus der Erziehung heraus jedoch so geprägt, dass sie stets zurückstecken soll, ist sie für das Hochstapler-Syndrom sehr anfällig.

Therapie kann helfen
Der Begriff „Hochstapler Syndrom“ wurde Ende der siebziger Jahre von den US-Psychologinnen Pauline Clance und Suzanne Imes geprägt. Studien zufolge tritt es vor allem in Berufsgruppen auf, in denen ein souveränes, selbstsicheres Auftreten unverzichtbar ist, wie bei Ärzten, Wissenschaftlern oder Managern. Gehäuft sind Frauen betroffen – was nicht überrascht, schließlich gibt es immer noch unterschiedliche Ausgangsbedingungen für Frauen und Männer – Karrieren sind nicht gleich selbstverständlich. Im Top-Management machen Frauen immer noch nur 5,6 Prozent aus, auch in DAX-Unternehmen finden sich quasi keine Frauen im Vorstand. Hat es doch mal eine Frau ganz nach oben geschafft, hört man schnell: „Da hab ich Glück gehabt“. Frauen fällt es schwer zu sagen, dass Sie Ihre Erfolge durch harte Arbeit und kontinuierliche Leistung erzielt haben. Leiden sie unter einem ausgeprägten Hochstapler-Syndrom, hilft nur noch eine Therapie, um die Denk- und Empfindungsmuster aufzuweichen. So können Frauen langsam lernen, gesunden Stolz zu entwickeln, aber auch Kritik und Missgunst auszuhalten.