Das Kind stillen: Vorteile

Wer sein Kind stillen will, tut sich und dem Baby etwas Gutes.


Das Kind Stillen ist viel mehr als nur pure Nahrungsaufnahme. Es ist die erste wichtige Kontaktaufnahme zwischen Mutter und Kind. Durch den intensiven Körperkontakt erlebt das Baby ein Gefühl der Geborgenheit, der Wärme und Zärtlichkeit. Zudem entsteht ein enges Band, das ähnlich der Nabelschnur Sicherheit und Nähe schafft. Die Mutter-Kind-Beziehung, die noch sehr zerbrechlich ist, wird durch das Ritual des Stillens auf eine besonders innige Art und Weise gestärkt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt, Neugeborene sechs Monate voll zu stillen, damit das Baby in den Genuss aller Vorteile kommt. Voll stillen bedeutet in dem Fall, dass außer der Muttermilch nichts anderes gefüttert wird, auch keine zusätzlichen Flüssigkeiten wie etwa Tee oder abgekochtes Wasser.

Vorteile für das Kind
Mit jeder Portion Muttermilch nimmt das Kind eine Vielzahl wertvoller Substanzen auf, die es für seine Entwicklung benötigt. Aber nicht nur das; Stillen schützt vor Allergien und bestimmten Erkrankungen. So ist wissenschaftlich belegt, dass Kinder, die gestillt wurden, später seltener an Durchfällen, Schnupfen sowie Lungen- und Mittelohrentzündungen erkranken. Die Muttermilch enthält ausschließlich arteigenes Eiweiß, sie ist sauber und keimfrei, sodass das Immunsystem des Kindes nicht vor unnötige Belastungen gestellt wird. Der natürliche „Nestschutz“ – dabei handelt es sich um mütterliche Antikörper, die während der Schwangerschaft durch die Plazenta auf das Kind übertragen wurden – hält bei voll gestillten Kindern länger an, da ihnen durch die Muttermilch wichtige Immunstoffe zugeführt werden.
Wenn ein zu früh geborenes Kind gestillt wird, sinkt das Risiko, eine lebensgefährliche NEK (Nekrotisierende Enterokolitis) – das Absterben der Darmwand, zu entwickeln. Auch Kinder, die nach den regulären neun Monaten auf die Welt gekommen sind, profitieren von der Muttermilch, Untersuchungen haben gezeigt, dass diese Kinder weniger oft am Plötzlichen Kindstod versterben als nicht-gestillte Säuglinge. Aber die Muttermilch hat zudem auch positive Auswirkungen auf die geistige Entwicklung des Kindes, so wird die Ausbildung bestimmter Gehirnstrukturen gefördert, dies wirkt sich günstig auf die Intelligenz aus. Auch die Sprachfähigkeit wird unterstützt, da durch den Saugvorgang einerseits das Wachstum des Kiefers vorangetrieben wird und andererseits die Kaumuskulatur trainiert wird.

Vorteile für die Mutter
Aber auch für die Mutter ergeben sich zahlreiche Vorteile, wenn sie stillt. Zum einen verliert sie schneller und leichter an Gewicht, als nicht-stillende Mütter, denn bei jeder Stillmahlzeit werden Fettpolster verbrannt. Diese Energiereserven, die während der Schwangerschaft angelegt wurden, dienen der Bereitstellung der extra Portion Kraft in der Stillzeit. Im Regelfall werden diese Depots während der Stillzeit verbraucht, in manchen Fällen findet der Abbau dieser Fettpolster aber auch erst nach dem Abstillen statt. Neben dem äußerst erfreulichen Gewichtsverlust ist Stillen auch in anderer Hinsicht von Vorteil. So profitiert die stillende Mutter auch gesundheitlich. Sie ist beispielsweise vor bösartigen Tumoren geschützt, besonders die frauentypischen Krebsarten Gebärmutterhals- und Brustkrebs bergen eine geringere Gefahr. Statistiken sagen, dass Mütter, die gestillt haben, seltener an diesen Krebsarten erkranken als andere Frauen. Grundsätzlich lässt sich feststellen, dass die Wahrscheinlichkeit, einen Tumor zu entwickeln, nachweislich mit jeder weiteren Schwangerschaft sinkt (ab dem Alter 40). Das Risiko, an Altersdiabetes zu erkranken, ist ebenfalls gemindert.

Kind stillen gut für beide
Bereits beim Stillen selbst zeigen sich erste positive Auswirkungen; die Gebärmutter bildet sich schneller zurück, da bei dem Vorgang das Hormon Oxytocin ausgeschüttet wird. Dieses sorgt nicht nur für Wohlbehagen, sondern verringert zudem die nachgeburtlichen Blutungen. Als Folge entwickeln stillende Mütter seltener eine Anämie – hierbei werden weniger rote Blutkörperchen gebildet als für die Sauerstoffversorgung des Körpers nötig wären.
Zudem setzt die Fruchtbarkeit erst zu einem späteren Zeitpunkt ein, da beim Stillen das Hormon Prolaktin gebildet wird, dieses unterdrückt das Wiedereinsetzen der Menstruationsblutung. Aus diesem Grund wird das Stillen von vielen Müttern auch als eine natürliche Verhütungsmethode eingesetzt. Diese Methode ist aber alles andere als sicher, denn nur in einem sehr kleinen Zeitfenster ist der Prolaktinspiegel so hoch, dass er den Eisprung unterdrückt.. Bereits vier Stunden nach der letzten Brustmahlzeit ist der Schutz nicht mehr gewährleistet.

Nicht zuletzt ergibt sich auch ein praktischer Vorteil: Stillende Mütter sparen viel Geld, da sie keine Ersatznahrung kaufen müssen. Man hat errechnet, dass die Kostenersparnis in sechs Monaten zwischen 500 und 700 Euro liegt. Auch indirekt lohnt sich die ausschließliche Brusternährung in den ersten sechs Monaten, denn voll gestillte Kinder sind meist gesünder demnach fehlen deren Mütter seltener am Arbeitsplatz.

Vorteile für die Gemeinschaft
Neben den Vorteilen für Mutter und Kind zieht auch die Gemeinschaft einen großen Nutzen aus dem Stillen. Für die Familie, den Arbeitgeber, das Gesundheitswesen, aber auch für die Regierung zahlt sich die natürliche Ernährung des Kindes aus. So werden langfristig enorme Kosten im Gesundheitswesen eingespart, denn nachweislich sind sowohl gestilltes Kind als auch die Mutter weniger anfälliger für bestimmte Erkrankungen. Hinzu kommt, dass auch der Arbeitgeber von stillenden Arbeitnehmerinnen profitiert, denn diese müssen dank gesunder Kinder seltener dem Arbeitsplatz fern bleiben.

Außerdem wird durch die natürliche Bereitstellung der Nahrung die Umwelt geschont. Die für die Gläschen und Ersatznahrungen benötigten Rohstoffe müssen nicht mehr angebaut, geerntet und verarbeitet werden, die Umwelt wird auch weniger belastet, weil keine Verpackungen und Fläschchen mehr weggeworfen werden.

Schließlich wird auch der Partner, der Familien- und Freundeskreis bemerken, wenn eine Mutter ganz im Stillen aufgeht. Stillende Mütter sind in der Regel entspannter und ausgeglichener, auch, weil sie flexibler und mobiler sind als andere Mütter. Es herrscht kein Zeitdruck mit ständig neu zuzubereitenden Fläschchen, kein Einkaufen neuer Ersatzprodukte, kein Um- und Verpacken aller benötigten Utensilien, wenn es auf Reisen geht.