Das Medizinstudium - Teil 1

Wer aus rein monetären Gründen eine Medizinstudium für sich wählt, der wird schnell auf dem Boden der Tatsachen ankommen.


Amerikanische Kranken- hausserien wie „Emergency Room“ oder „Hawthorne“ zeigen den actionreichen Alltag in einem Kranken- haus. Dort werden die Engel in weiß zu Helden und holen Schwerverletzte mit einem Defibrillator zurück ins Leben oder greifen beherzt selbst zur Herzdruckmassage. Im wahren Leben besteht der Alltag im Krankenhaus aus weitaus weniger Action, dafür jedoch aus viel mehr Routine. Dennoch ist der Beruf des Arztes für viele Schulabgänger sehr verlockend.

Wer sollte Medizin studieren?
Wer sich aus rein monetären Gründen für ein Medizinstudium entscheidet, der landet spätestens nach dem Abschluss auf dem Boden der Tatsachen. Im Verhältnis zu dem, was ein ausgebildeter Arzt leistet, ist das, was er tatsächlich verdient, sehr gering. Wer jedoch in seinem Leben anderen Menschen helfen möchte, viel Eigeninitiative, Elan und Ausdauer mitbringt und sich darüber hinaus auch mit Patienten und Angehörigen auseinander- setzen kann, für den ist ein Medizinstudium das richtige.

Zulassungsbedingungen
Deutschlandweit kann der Studiengang Humanmedizin an 34 Universitäten belegt werden, von denen allerdings nur neun Hochschulen neue Studenten auch zum Sommersemester zulassen. Medizin gehört zu den zulassungs- beschränkten Studiengängen, bei denen die Platzvergabe über die „Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen“ (kurz: ZVS) reguliert wird. Grundvoraussetzung für ein medizinisches Studium ist Hochschulreife und der Numerus Clausus (kurz: NC) – der Notendurchschnitt, der als Grenze für die Zulassung festgesetzt wurde. In Deutschland liegt der NC für Medizin bei einem Notenschnitt zwischen 1,0 und 1,4. Der Numerus Clausus ändert sich von Semester zu Semester und hängt unmittelbar mit der Bewerberdichte für das Studienfach zusammen. Die Plätze für das Studium werden zu 20 Prozent von der ZVS an die Notenbesten vergeben, weitere 20 Prozent werden nach der Dauer der Wartezeit ausgewählt. Über die fehlenden 60 Prozent kann jede Hochschule selbst in einem jeweiligen Auswahlverfahren entscheiden. Einige Hochschulen machen die Vergabe der Plätze von den Noten in den naturwissenschaftlichen Schulfächern abhängig, für andere zählen die Ergebnisse in einem Zulassungstest.

Vorklinische Phase
Zu Beginn des Studiums tritt bei vielen „Erstis“ zunächst einmal Ernüchterung ein. Der Studienalltag besteht aus einem vollem Stunden- plan, bei dem eine 30-Stunden-Woche keine Seltenheit ist. Auf dem Lehrplan stehen lernintensive Fächer wie Chemie, Biologie, Physiologie, Psychologie, Biochemie und Anatomie. Dazu kommen die obligatorischen Pflichtpraktika. Anders als in vielen anderen Fächern ist der Lehrplan im Medizinstudium streng vorgegeben. Bis zum Physikum müssen außerdem ein 90-tägiges Pflegepraktikum und eine Ausbildung in der Ersten Hilfe nachgewiesen werden. Das Physikum oder erstes Staatsexamen bezeichnet die Prüfungen nach der vorklinischen Phase, in der die Grundlagen des Studiums aus den oben erwähnten Fächern geprüft werden. Die Prüfung setzt sich aus einer schriftlichen und einer mündlichen Prüfung zusammen. Der schriftliche Teil der Prüfung umfasst 320 Multiple-Choice-Fragen zu dem bisher Erlernten. Im mündlichen Teil werden Studieninhalte aus den Bereichen Anatomie, Biochemie und Physiologie abgefragt. Die Studien- dauer bis zum Physikum liegt im Idealfall bei vier Semestern. Nach bestandenen Physikum verlagert sich das Studium meist aus der Universität in die Universitätsklinik, in der das Studium fortgesetzt wird.