Das Turiner Grabtuch - umstrittenes Heiligtum

Viele Hinweise sprechen für die Echtheit des Turiner Grabtuchs, doch zuviele Rätsel bleiben ungelöst.


Diese erstaunliche Ikone des Christentums bewahrt auch im 21. Jahrhundert ihr Geheimnis, denn noch konnte nicht zweifellos bewiesen werden, ob es sich beim Turiner Grabtuch um das rund 2.000 Jahre alte Leichentuch des Jesus von Nazareth handelt oder um eine detailgenaue Fälschung. Bereits in mittelalterlichen Schriften wurde das Tuch erwähnt und schon damals stellte sich die Frage nach dessen Herkunft.

Der Mann auf dem Tuch
Bei dem Turiner Grabtuch handelt es sich um ein etwa 436 mal 110 Zentimeter großes Leinengewebe, auf welchem das schattenhafte Abbild eines nackten Mannes mit Bart zu sehen ist. Der Körper weist zahlreiche Verletzungen auf, die auf eine Kreuzigung und verschiedene Foltermethoden hindeuten, wie man sie aus der Leidensdarstellung Jesu im Neuen Testament kennt. Diese Hinweise und das hohe Alter des Tuchs bilden den Nährboden für die Theorie, dass es sich bei dem Relikt um das Tuch handle, in dem Jesus Christus begraben wurde. Das Bild darauf hat die Farbwerte eines Fotonegativs, weist jedoch keine Farbpigmente auf. Wie es auf den Stoff gelangte, ist ungeklärt.

Biblische Verletzungen
Stichwunden auf dem Kopf gleichen jenen einer Dornenhaube und Verletzungen an den Händen deuten darauf hin, dass dem Mann Nägel durch die Handwurzeln geschlagen wurden. Beide dieser Beispiele entsprechen nicht den christlichen Darstellungen aus dem Mittelalter, die Jesus typischerweise mit einem Kranz aus Dornen und festgenagelten Handflächen zeigen. Interessant ist dabei, dass diese Verletzungen und andere Details, die erst durch moderne wissenschaftliche Methoden entdeckt wurden, mit Beschreibungen in der Bibel sowie mit historisch belegten Folterbräuchen des antiken Roms übereinstimmen und einem Fälscher im Mittelalter unbekannt gewesen wären.

Zweifel an der Datierung
Im Jahre 1988 glaubten Forscher, den Beweis für die Fälschungstheorie erbracht zu haben. Mithilfe der Radiokarbonmethode (ein auf Kohlenstoff-Zerfall basierendes Datierungsverfahren zur Altersbestimmung organischer Materialien) wurde die Entstehung des Turiner Grabtuchs zwischen 1260 und 1390 ermittelt. Gegner dieser These behaupten jedoch, dass eine Verunreinigung der untersuchten Gewebeproben nicht ausgeschlossen werden kann. Auch die Echtheit des entnommenen Gewebes wird angezweifelt, da am originalen Grabtuch an manchen Stellen Ausbesserungen vorgenommen wurden – im Mittelalter. Zweifelsfrei widerlegt werden konnte die Fälschungstheorie allerdings noch nicht. So bleibt das Turiner Grabtuch auch weiterhin ein spannendes Stück Geschichte, dessen Mysterium die Grenzen zwischen Glauben und Wissenschaft verschwimmen lässt.