Das Zölibat – was bedeutet es?

In der katholischen Kirche gibt es zahlreiche Regeln und Dogmen, darunter das Zölibat, eine der umstrittensten Regeln in der heutigen Zeit


Unter Zölibat versteht man das Enthaltsamkeitsgelübde eines katholischen Geistlichen, er verpflichtet sich zur Ehelosigkeit und sexuellen Enthaltsamkeit. Dies geht zurück auf die Überlieferung des Evangelisten Matthäus 19,12. Das Zölibat wird in der römisch-katholischen Kirche von denjenigen abgelegt, die sich dafür entscheiden, ihr Leben als Mönch oder Priester zu verbringen. Diesem Gelübde geht jedoch eine lange Zeit der Vorbereitungen und Prüfungen voraus. Wer sich für die Laufbahn eines Geistlichen interessiert, besucht ein theologisches Seminar und beschäftigt sich mehrere Jahre ausführlich mit dem Studium der Theologie. Nachdem man einige Zeit als Diakon Einblicke in das Leben als katholischer Geistlicher erhalten hat, kann die Priesterweihe erfolgen. In diesem Zusammenhang wird auch das Enthaltsamkeitsgelübde abgelegt.

Ein Leben mit dem Zölibat
Das zölibatäre Leben der Priester ist für Außenstehende schwer vorstellbar. Für die meisten Menschen sind Partnerschaft und Sexualität wichtige Aspekte des Lebens und der Verzicht darauf ruft bei vielen Unverständnis hervor. Das Leben mit dem Zölibat bedeutet jedoch nicht ein Leben in Einsamkeit, sondern es wird lediglich anders gestaltet. Auch in der christlichen Kirche sind zwischenmenschliche Beziehungen sehr wichtig und die Geistlichen leben in einer sozialen Gemeinschaft miteinander. Der Schwerpunkt liegt jedoch auf der Spiritualität. Immer wieder gibt es Spekulationen darüber, ob das Leben unter dem Zölibat eine mögliche Ursache dafür sei, dass in den vergangenen Jahrzehnten zahlreiche katholische Geistliche Schutzbefohlenen sexuell missbraucht hätten. Experten geben jedoch zu bedenken, dass das zölibatäre Leben in keinem Zusammenhang mit pädophilen Neigungen steht.

Begründungen des Zölibats
Es herrscht Konsens darüber, dass das Zölibat nicht über den Status eines göttlichen Gebotes verfügt. Trotzdem ist es seit Jahrhunderten ein wichtiger Bestandteil der katholischen klerikalen Struktur. Es wird häufig damit begründet, dass auch Jesus zölibatär lebte, schließlich ist nicht bekannt, dass er verheiratet gewesen sein oder Kinder gehabt hätte. Zwar sind einige Forscher der Meinung, dass er mit Maria Magdalena in einer Beziehung gelebt hätte, dafür gibt es jedoch keine faktischen Beweise. Ein weiterer Grund für das Gebot der Ehelosigkeit und Enthaltsamkeit könnte praktischer Natur sein: Erst im 11. Jahrhundert wurde es verpflichtend eingeführt, vorher war es üblich, wie jedes Amt auch ein geistliches Amt an den Sohn zu vererben. Dies führte zu einer Schwächung der katholischen Kirche und dazu, dass bestimmte Familien sehr einflussreich werden konnten.