Der Alterungsprozess beginnt spätestens mit 30

Der Alterungsprozess des Menschen beginnt spätestens ab dem 30. Lebensjahr. Bei manchen Menschen setzt dieser Prozess allerdings erst ab 40 Jahre ein.


Der morgendliche Blick in den Spiegel verrät das, was wir bereits lange befürchtet hatten: wir werden alt. Die Haare werden dünner, fallen aus oder werden grau, die ersten zarten Falten haben sich in unser Gesicht gegraben, unsere Haut ist trocken und kleiner sind wir irgendwie auch geworden. Außerdem sind wir neuerdings nicht mehr so fit und leistungsfähig wie früher, es ist unverkennbar, auch für andere – das Alter hat uns fest im Griff.

Der Alterungsprozess
Das Leben besteht aus drei Phasen: der Entwicklung, der Fortpflanzung und dem Alter. Wenn der Mensch langsam in die Jahre kommt, unterläuft er vielfältigen Veränderungen. Auf der Haut, dem größten Organ, sind die Erscheinungen des Alters am besten ablesbar. Aber auch andere Symptome verdeutlichen, dass unser Leben nicht unendlich ist. All diese Anzeichen sind nur äußere Signale eines Prozesses, der sich schon lange im Inneren unseres Körpers abspielt. Schon mit der Geburt sind wir dem Tod geweiht. Mit jedem weiteren Tag verändert sich der Organismus, unterläuft Wandlungen, die unumkehrbar sind. Infolge der alterungsbedingten Veränderungen kann sich der Körper nicht mehr so gut an äußere Gegebenheiten anpassen wie in jungen Jahren. Aufgrund der Abläufe, die sich in den einzelnen Zellen abspielen, verändern sich nach und nach die Eigenschaften, Funktionen und die Fähigkeit der einzelnen Gewebe, der Organe und der Organsysteme. Dieser Prozess hat Auswirkungen auf den ganzen Menschen. Die Sinnesorgane arbeiten nicht mehr auf höchstem Niveau, die Elastizität des Bindegewebes lässt nach, der Hormonhaushalt gerät außer Balance, das Nervensystem ist zunehmend störanfällig, die Gedächtnisleistung nimmt ab und das Immunsystem verliert die Fähigkeit schädliche Erreger abzuwehren. Bereits mit 15 Jahren lässt die Sehkraft des Auges nach, auch die Funktionen der Niere und Leber ist nicht mehr so groß wie zum Zeitpunkt der Geburt. Die sexuelle Leistungsfähigkeit des Mannes ist zwischen 18 und 20 am höchsten. Mit 30 schließlich sind wir auf dem Höhepunkt unserer körperlichen Leistungsfähigkeit. Danach beginnt der unweigerliche Abfall. Ein weiteres Indiz für den schleichenden Alterungsprozess: Mit 40 nimmt die Produktion der Sexualhormone ab. All diese Anzeichen sind sehr individuell. Sie sind zum Einen durch die genetische Veranlagung, zum anderen durch äußere Umstände, etwa die Ernährung, den Fitnesslevel, die Gesundheitsvorsorge und das Training des Gehirns bestimmt.

Programm- und Fehlertheorie
Altersforscher (Gerontologen) vertreten zwei große Ansichten des Alterns. Die Pessimisten unter ihnen verfolgen die sogenannte Fehlertheorie. Diese besagt, dass der Prozess des Älterwerdens das unvermeidliche Ergebnis des Verschleißes von Zellen und deren Erbgut aufgrund äußerer Einflüsse ist. Ähnlich des zweiten Gesetzes der Thermodynamik würden ähnlich wie bei einer Maschine zunächst die einzelnen Teile ihre Funktionalität einbüßen, schließlich kommt der ganze Organismus selbst zum Erliegen. Der Gerontologe spricht von Seneszenz, wenn er vom biologisch festgelegten Zelltod spricht. Zwar hätte die Natur Reparaturmechanismen entwickelt, die die Zellen wieder instand setzt, doch dieses komplexe System funktioniert nur solange, bis das Überleben der Spezies sichergestellt ist. Das andere Lager erklärt den Alterungsprozess mithilfe der Programmtheorie (wear-tear-Theorie), nach der ein genetisch festgelegter Masterplan alle wichtigen Prozesse steuert. Bestimmte Gene (Gerontogene) legen die individuelle Lebenserwartung bereits bei der Geburt fest. Diese Form des Alterns wäre demnach nicht beeinflussbar, da sie im Erbgut bereits fest verankert ist.

Die biologische Todesuhr – Programmtheorie
Das Wachstum, die Entwicklung und die Fortpflanzung des Menschen wird durch die Zellteilung ermöglicht. Aus einer alten Zelle entstehen durch Teilung zwei neue. Aber das Potenzial zur Teilung ist nicht unbegrenzt vorhanden. Nach einer bestimmten Anzahl Teilungen sind die Zellen erschöpft. Diese Anzahl ist vermutlich in eben diesen Gerontogenen festgelegt. Eine biologische Uhr soll den Zellen signalisieren, wann deren Zeit gekommen ist. Wissenschaftler vermuten, dass die Telomere – die Endabschnitte eines jeden Chromosoms – als eine Art Zündschnur des Alterns fungieren. Nach der Geburt verkürzen sich diese Telomere parallel zum Lebensverlauf. Desto größer die Anzahl der bereits durchgeführten Teilungen ist, desto kürzer sind diese Chromosomenabschnitte. Je kürzer also das Telomer, desto älter ist die Zelle. In den letzten Tagen der Schrumpfung verändern die Zellen jedoch ihr Aktivitätsmuster. Die Teilungsrate verlangsamt sich, bis sie ganz zum Erliegen kommt. Schließlich hört die Teilung ganz auf, die Zelle stirbt. Wann der Zelltod eintritt, ist von Zelle zu Zelle unterschiedlich. Das ist auch der Grund, warum wir langsam altern. Laut der Telomer Hypothese sind wir also nicht so alt wie unser Geburtstag es uns sagt, sondern so alt wie unsere Telomere lang sind. Es besteht also eine Unterschied zwischen dem biografischen und dem biologischen Alter.

Alterungsprozess als natürliche Krebsprävention
Die kontinuierliche Verkürzung der Telomere könnte auch als eine Art Notbremse fungieren. Da sich die Zelle im Laufe ihres Lebens dermaßen oft teilt, ist sie anfällig für Veränderungen (Mutationen) und Beschädigungen. Die Wahrscheinlichkeit einer bösartigen Entartung, wie sie im Fall einer Krebserkrankung gegeben ist, wird immer höher. Wenn die Zellen aber irgendwann selbstständig absterben, ist die Gefahr eines Zelldefekts geringer.

Zellschädigung durch Freie Radikale – Fehlertheorie
Eine nicht unwichtige Rolle spielt die Zellschädigung durch die freien Radikale – aggressive
Formen des Sauerstoffs. Diese können zwar durch bestimmte Stoffe, unter anderem körpereigene Enzyme wie Superoxid-Dismutase, Glutathion-Peroxidase und Katalase unschädlich gemacht werden, aber diese Stoffe sind nicht unbegrenzt vorhanden, der Alterungsprozess ist also nicht unausweichlich. So können nicht alle schädlichen Substanzen vernichtet werden. Hinzu kommt, dass durch äußere Faktoren, etwa Nikotingenuss und UV-Strahlung weitere freie Radikale entstehen. Die Zellschäden werden vor allem im Zellkern, hier, wo sich die Erbinformation befindet, verursacht. Wenn eine Zelle nun schädlichen Substanzen ausgesetzt ist, mutieren die in ihr enthaltenen Gene. Diese zufälligen Veränderungen nehmen mit der Zeit zu, Alter und Krankheit sind die Folgen. Die Zellen haben zwar die Möglichkeit, solche Zellschäden zu reparieren. Aber diese natürlichen Mechanismen versagen im Laufe des Lebens immer öfter.

Unsterblichkeitsforschung an Krebszellen
Manche Menschen entwickeln ganz besondere Zellen. Diese sind genetisch nicht auf Tod programmiert, sie teilen sich unbegrenzt und sind damit unsterblich. Die Rede ist von Krebszellen. Dank des Enzyms Telomerase sind sie in der Lage, sich beliebig oft zu teilen. Hier sehen Forscher die Möglichkeit, die begrenzte Lebensspanne des Menschen um ein Vielfaches zu erhöhen. Indem man dieses Enzym in einen festgelegten Bereich des Zellkerns packt, kann die Zellteilung kontrolliert ablaufen. Dies ist bei Krebszellen nicht der Fall, diese vermehren sich unkontrolliert bis sie soviel gesundes Gewebe verdrängt haben, dass der Mensch stirbt.