Der Gartenzwerg: Zwischen Verehrung und Hass

Der Gartenzwerg als Symbol für deutsches Spießbürgertum? Oh nein - die Zwerge stehen längst nicht mehr konservativ mit Spaten und Schaufel in deutschen Schrebergärten, sondern finden sich auf Balkonen, Dachterrassen oder Fensterbänken in den lustigsten Ausführungen.


Deutschland ist in anderen Ländern vor allem für seine Lederhosen, sein Sauerkraut und ... richtig, seine Gartenzwerge bekannt. Zu keinem anderen so banal erscheinenden Thema scheiden sich die Geister so sehr, wie zu den gut gelaunten kleinen Männchen. Die einen lieben sie, die anderen hassen sie, etwas dazwischen gibt es nicht. Wer sie in seinem eigenen Garten aufstellt, bezieht Stellung und muss sich auf einiges gefasst machen. Schon so mancher Nachbarschaftsstreit hat sich aufgrund dieser putzigen Gesellen entfacht und jahrelang für Zündstoff gesorgt. Doch genau aus diesem Grund sind sie mittlerweile das deutsche Kultobjekt schlechthin und ein richtiger Exportschlager.

Gartenzwerge für jeden (ausgefallenen) Geschmack
Der Gartenzwerg ist schon lange kein Symbol für deutsches Spießbürgertum mehr. Sie stehen längst nicht mehr konservativ mit Spaten und Schaufel in deutschen Schrebergärten, sondern finden sich auf Balkonen, Dachterrassen oder Fensterbänken in den lustigsten Ausführungen wider. Ob cool mit Sonnenbrille oder sarkastisch für jeden Gartenzwerghasser in erhängter oder erdolchter Variante. Selbst für extrovertiertere Gartenzwergliebhaber ist mittlerweile der Markt gut gedeckt. Schwule Gartenzwerge, die sich liebkosen, in Strapse und Lacklederhose da stehen oder als Domina mit einer Peitsche verkleidet sind. Der Markt boomt, auch wenn es niemand freiwillig zugibt, dass er Gartenzwerge besitzt.

Material und Preisklasse
Heutzutage werden die meisten Gartenzwerge aus Kunststoff vom Fließband gefertigt. Sie sind in allen Größen erhältlich und kosten in der Regel etwa 7 Euro. Traditionelle Gartenzwerge aus Ton, die handbemalt werden, kosten jedoch ein halbes Vermögen, wenn man bedenkt, dass es nur kleine bunte Gartenfiguren sind.

Geschichte
Woher der Gartenzwerg kommt und wer ihn tatsächlich erfunden haben soll, ist bislang noch ungeklärt. Spekulationen zufolge sollen die fröhlichen Gartenhelfer aus Thüringen kommen, wo 1872 Philipp Griebel den ersten ihrer Art aus Ton formte und im eigenen Garten aufstellte. Er erkannte schnell das Potenzial, das in den kleinen Männchen steckte und fertigte in seiner Terrakotta-Manufaktur die erste Massenproduktion einer ganzen Serie, die 1890 erstmalig vom Ofen auf dem Markt kam. Ein Welterfolg begann.
Seine Blütezeit erlebten die kleinen Zwerge in den 50er- und 60er-Jahren der BRD. Wobei sie 1948 bis 1552 in der DDR verboten wurden.
1990 kamen dann die ersten Antigartenzwerge in Gestalt von Politikern oder mit obszönen Gesten auf. Zugleich wurden in Frankreich Befreiungskämpfer aktiv, die Gartenzwerge aus den Vorgärten stahlen und in den Wäldern der Umgebung aussetzten.
Gartenzwergliebhaber reagierten daraufhin: Fritz Friedemann gründete in der Schweiz die „Internationale Vereinigung zum Schutz der Gartenzwerge“.