Der Geruchssinn - unser komplexester chemischer Sinn

Nicht nur bewusst, auch unbewusst, ist unser Geruchssinn ständig im Einsatz.


Der “Olfaktorische Sinn” zählt zusammen mit dem Geschmackssinn, zu den ältesten Sinnen, die wir haben. Für Tiere ist er überlebenswichtig, zum Beispiel löst der Geruch eines Feindes Fluchtverhalten aus, der Geruch von Nahrung wirkt anziehend. Für uns spielt er in dieser Hinsicht eine unbedeutende Rolle. Feinde haben wir nicht, und unsere Nahrung müssen wir meistens nicht mehr anhand des Geruches als genießbar identifizieren. In Bezug auf soziale Interaktionen, wie die Partnerwahl beispielsweise, ist der Einfluss aber noch immer ungebrochen. EIn Verlust des Geruchssinns wäre deshalb immer noch ein großer Einschnitt unserer Lebensqualität.

Eingeschränkt bewusste Wahrnehmung
Schon bei der Geburt ist unser Geruchssinn voll ausgebildet. Wir können prinzipiell etwa 10.000 verschiedene Gerüche wahrnehmen und auseinanderhalten, nutzen aber oft nur 50 Prozent unseres Potenzials. Durch Training lässt sich die Wahrnehmung auf bis zu 98 Prozent steigern.
Ausschlaggebend für die Verarbeitung und Erkennung von Gerüchen sind zwei zusammenwirkende Verarbeitungssysteme im Gehirn. Mit dem verbalen System benennen wir diesen Geruch, ordnen ihm einen Begriff zu. Zusätzlich arbeitet das visuelle System, indem es einen spontanen Bezug zwischen Geruch und einem Ort, einer Situation, einem Gegenstand herstellt. Wir haben also ein individuelles Bild im Kopf. Riechen wir beispielsweise Vanille, stößt unser verbales System auf den Begriff „Vanille“. Gleichzeitig haben wir ein Bild von einem Vanille-Eis, oder einer Vanille-Schote im Kopf, letzteres ist bei jedem unterschiedlich. Kennen wir weder den Begriff, noch irgendeinen visuellen Bezug dazu, können wir den Geruch nicht identifizieren.

Emotionen, Lernverhalten und Konditionierung
Unsere Reaktionen auf Gerüche sind größtenteils ein Ergebnis unserer Erfahrung. Sie stellen eine Konditionierung dar, die auch bei jahrelangem Abstand zwischen dem Erlebnis und der Reaktion dazu, wirksam ist und und bestimmte Emotionen dazu auslöst. Angst und Ekel sind wahrscheinlich die am stärksten konditionierten Gefühle. Wer einmal verdorbenen Fisch gegessen hat und erbrechen musste, bei demjenigen kann der Geruch von Fisch noch Jahre später Übelkeit auslösen. Auch unser Lernvermögen wird in Verbindung mit Geruch gesteigert. Informationen, die in Verbindung mit einem Geruch abgespeichert sind, können schneller wieder aktiviert werden. Für das Sozial- und Sexualkontakte spielen Pheromone eine wichtige Rolle. Diese Duftstoffe liegen unterhalb unserer Wahrnehmungsgrenze. Wir sind uns dessen also nicht bewusst, obwohl der Geruchssinn sie registriert, und wir darauf beispielsweise mit Symphatie und Antipathie reagieren.

Wie funktioniert die Geruchswahrnehmung?
Unser Riechorgan, die Nase, besitzt eine Riechschleimhaut, die aus Basal- und Stützzellen besteht. Aus dieser ragen etwa zehn Millionen Riechzellen hervor, die alle in einen Riechknopf münden. Darauf befinden sich jeweils fünf Riechhärchen, welche die Duftmoleküle auffangen und so die Sinneszellen dazu bringen einen elektrischen Impuls über den Riechkolben an unterschiedliche Bereiche des Gehirns zu senden.