Der Geschenkdienst - Devisenquelle der DDR

GENEX, die Geschenkdienst und Kleinexport GmbH war der Devisenbringer der Parteiführung der ehemaligen DDR. Lesen Sie hier, auf welche geschickte Art und Weise die damalige Ostregierung an ausländische Währungen kommen wollte.


Not macht erfinderisch und da die damalige DDR, besser gesagt ihre der Realität weitgehend entrückte Parteiführung, permanent unter chronischem Devisenmangel litt, wurde schon Ende 1956 die sehr kreative Idee eines Versandhandels für begehrte Westprodukte und schwer erhältliche Ostprodukte umgesetzt. Das alles unter direkter Führung des Ministeriums für Außenhandel der DDR in Berlin unter Regie von Alexander Schalck-Golodkowski – immerhin bis 1992, als die endgültige Abwicklung aus der Treuhandanstalt heraus erfolgte.

Vertriebskonzept der GENEX Geschenkdienst
In erster Linie suchte der Geschenkdienst seine Kunden unter den Bürgern der Bundesrepublik, die Verwandte in Ostdeutschland hatten und diese mit sogenannten Westwaren oder in der DDR schwererhältlichen Ostprodukten beschenken wollten. Die Bezahlung sollte selbstverständlich in Westmark und zu einem – mitunter sehr fiktiven – Umrechnungssatz erfolgen. Später privilegierte man Werktätige aus der DDR, die zum Beispiel an strategisch wichtigen Baustellen, wie etwa der Erdgastrasse in der damaligen Sowjetunion, tätig waren. Sie konnten für bestimmte Teile ihres Lohns aus dem Angebot des Geschenkdienstes Waren erwerben. Dieser Zustand führte bei der Bevölkerung in der damaligen DDR zu großem Unmut und trug wesentlich zur Schaffung einer Zweiklassengesellschaft bei.

Waren aus dem Sortiment vom GENEX Geschenkdienst
Um die 90 Prozent war der Anteil der Waren, die der Geschenkdienst aus Erzeugnissen der DDR Produktion in seinem Angebot hatte. Es handelte sich hierbei um sogenannte „Bückware“, die es regulär in den Geschäften nicht zu kaufen gab. Dazu zählten Bohrmaschinen, Waschautomaten, Fahrzeugreifen, Farbfernseher, Tiefkühltruhen aber auch Autos und vieles mehr. Die restlichen zehn Prozent waren Westprodukte aller Art bis hin zu VW-Transporter und Fertigteilhäusern. Alles direkt geliefert und vor allem ohne nennenswerte Wartezeiten.

Geschenkdienst GENEX – die Bilanz nach 36 Jahren Firmengeschichte
Von 1967 bis 1989 sind dem Dienst laut Statistik der Bundesbank 3,3 Milliarden DM zugeflossen, in jedem Fall auf Kosten der DDR-Bürger. Wo die Gewinne aus diesem sehr lebhaften Handel geblieben sind, das ist auch heute noch weitgehend ungeklärt.