Der Hörsinn - eine oft unterschätzte Sinneswahrnehmung

Es wird den wenigsten Menschen bewusst sein, aber unser wichtigstes Kommunikationsmittel mit der Außenwelt ist der Hörsinn.


Wenn Sie wählen müssten, wären Sie dann lieber blind oder gehörlos? Man möchte natürlich möglichst keines davon sein. Die meisten würden vielleicht eher dazu tendieren das Sehen vorzuziehen. Daher ist es umso interessanter ein kleines Experiment zu wagen, um sich selbst die elementare Bedeutung des Hörens als Kontaktmittel zur Außenwelt deutlich zu machen. Dazu muss man lediglich den Fernseher einschalten und eine Sendung schauen. Schalten Sie den Ton aus und versuchen Sie so der Handlung einige Minuten zu folgen. Anschließend machen Sie es umgekehrt. Drehen Sie den Ton wieder auf und wenden Sie sich vom Apparat weg, um der Handlung allein über das Hören zu folgen. Was stellen Sie fest? Letzteres ist wesentlich einfacher.

Wozu der auditive Sinn alles gut ist
Hören bedeutet nicht einfach nur Geräusche wahrnehmen. Von diesem Sinn hängt viel Lebensqualität ab. Wie brauchen es zum Beispiel um Sprechen zu lernen, uns dadurch mitteilen zu können und unsere Mitmenschen zu verstehen. Es hilft uns Gefahren zu erkennen, und ermöglicht uns durch das Richtungshören die Orientierung. Dazu brauchen wir beide Ohren, da Richtungshören über eine Auswertung der Laufzeit- und Pegelunterschiede zwischen beiden Ohren funktioniert. Der Hörsinn ist sogar zuverlässiger als der Sehsinn. Er kann zum Beispiel, im Gegensatz zu den Augen, kurz aufeinander folgende akustische Signale relativ deutlich unterscheiden.

Unser Hörvermögen und die Hörfläche
Das menschliche Hörvermögen ist von Geburt an voll ausgebildet und funktioniert nur innerhalb einer bestimmten Hörfläche. Diese umfasst einen bestimmten Frequenz- und Schalldruckbereich. Im Alter von 2 bis 5 Jahren besitzt unser Hörvermögen den größten Frequenzbereich, der von 16 bis 20.000 Hertz reicht. Unser Lärm- und Lautstärkeempfinden ist zwar individuell, dennoch kann man sagen, dass die Schalldruck-Schmerzgrenze bei etwa 130-140 Dezibel liegt, was etwa einem Gewehrschuss am Ohr entspricht. Hier können schon bei kurzzeitiger Einwirkung Schäden entstehen. Langfristig schädigt aber schon der Geräuschpegel einer Diskothek mit 85 Dezibel. Mit dem Alter verkleinert sich die Hörfläche gewöhnlich, vor allem die hohen Frequenzbereiche und leise Töne sind schwieriger wahrnehmbar.

Der Vorgang des Hörens
Wenn wir etwas hören, dann heißt das, dass wir Schallwellen aus der Umwelt auf- und wahrnehmen. Überträger dieser Schallwellen sind beispielsweise Luft oder Wasser. Diese Wellen werden von der Ohrmuschel aufgefangen und im Außenohr, durch das Vibrieren des Trommelfells auf gleicher Frequenz, weitergeleitet. Im Mittelohr verstärken die Gehörknöchelchen Steigbügel, Hammer und Amboss, diese Schallwellen, woraufhin das Innenohr sie in elektrische Impulse umgewandelt zum Gehirn weiterleitet, wo diese verarbeitet werden. Doch Hörsinn ist nicht allein an das Organ Ohr gebunden. „Hören“ können wir auch Vibrationen, und das geschieht mit allen Körperteilen, die mit der Trägersubstanz in Berührung kommen.