Der Internet-Friedhof: Virtuell Abschied nehmen

Das moderne Informationszeitalter macht es möglich: Tote können jetzt auch virtuell auf einem Internet-Friedhof begraben werden.


Von einem geliebten Menschen Abschied zu nehmen, ist nicht nur die letzte Gelegenheit, ihm nah zu sein, sondern auch Teil einer Trauer- und Erinnerungskultur, dessen Bedeutung nicht unterschätzt werden darf. Die Grabrede, der Austausch von Kondolenzbekundungen und der Kontakt zu anderen Menschen, die dem Verstorbenen nahe gestanden haben, ist ein wichtiger Schritt, um den persönlichen Schmerz zu verarbeiten.

Amerikanisches Vorbild

  • Wie so oft, stammt der Grundgedanke des virtuellen Friedhofs aus den USA. Hier, wo auch der Siegeszug des World Wide Webs seinen Anfang nahm, wurde die Idee des virtuellen Gedenkens geboren. Internetfriedhöfe verkörpern wie kaum ein anderes Format den Gedanken des Web 2.0. Nutzer gestalten ihr Netz selbst und können so ihr Leben auch in die große weite Welt hinaustragen. Die ersten deutschen Netzfriedhöfe gab es bereits zu Beginn der Neunziger, heute scheint die Anzahl der der wirklich existierenden sehr nah zu kommen. 
  • Leider sind die deutschen Seiten wenig spektakulär und bieten nur einen geringen Service an. Die Amerikaner machen es da deutlich besser, wie etwa der Ableger des Sozialen Netzwerks „Myspace.com“ „Mydeathspace.com“ zeigt. Auf einer Karte der USA kann man sich beispielsweise alle Verstorben ansehen, um mit einem Klick auf deren Myspace-Profilseite zu gelangen. Makaber: Die Einträge sind nach der Art des Ablebens sortiert, besonders oft dabei: Selbstmord oder Tod nach Drogenmissbrauch. 

Den Toten gedenken

  • Der Internetfriedhof soll die Erinnerung an den Verstorbenen zum einen bewahren und sein Leben in einem angemessenen Rahmen würdigen. Es hat eine therapeutische Wirkung, noch einmal Fotos herauszusuchen und hochzuladen, den geliebten Menschen erneut in poetischen Worten zu beschreiben und zu ehren. 
  • Die Möglichkeiten, ein virtuelles Memorial zu erstellen, sind dabei von Seite zu Seite verschieden umfangreich. Meist kann eine kurze Todesanzeige veröffentlicht werden. Dazu kommen der Eintrag persönlicher Worte, digitale Blumengebinde und Grabschmuck. Auch Videos können hochgeladen werden. Auf Wunsch kann die Memorial-Seite nur für bestimmte Personen zugänglich gemacht werden, andererseits sind aber auch Einträge in ein Totenbuch möglich.

Internetfriedhof: Kosten für ein virtuelles Grab

  • Viele deutsche Portale sind kostenfrei, haben dafür aber auch nur ein begrenztes Angebot. Oft können Premium-Angebote erstanden werden, die den Service erweitern. Bei Deutschlands derzeit größtem E-Friedhof werden einmalig rund 20 Euro fällig. Auf der anderen Seite gibt es aber auch Seiten, die sich geringen Service teuer bezahlen lassen. Von solchen Angeboten sollten Sie die Finger lassen.

Tierfriedhof

  • Wenn ein Haustier stirbt, ist das für die Familie oft so, als wäre ein enger Freund oder gar ein geschätztes Familienmitglied gestorben. Obwohl es schon Tierfriedhöfe gibt, wächst auch im Internet die Anzahl der Anzeigen und Bilder verstorbener Tiere stetig an. Die Kosten für ein Grab sind – im Vergleich zum echten Exemplar – recht günstig. Für ein Jahr fallen so im Schnitt 65 Euro an, Grabschmuck und Bepflanzung kosten nochmal 500 Euro extra. 
  • Etwas skurril erscheint da in diesem Zusammenhang die Seite „pet cemetary“, eine Initiative von Noah, Menschen für Tiere e.V. Hier können Interessierte den Opfern der Pelzindustrie gedenken. Mit dem kostenlosen Erwerb einer Patenschaft für Chinchillas, Kaninchen und Co. setzt man ein virtuelles Denkmal, das zugleich aufrütteln soll.