Der Tastsinn - Wie wir unsere Umgebung erfühlen

Beim Tastsinn kommt unser größtes Sinnesorgan zum Einsatz, nämlich die Haut. Sie grenzt unseren Körper von der Umwelt ab und dient gleichzeitig dazu, permanent Informationen über die direkte Umgebung zu sammeln.


Der Tastsinn oder die sogenannte haptische Wahrnehmung umfasst alle Reize, die auf unsere Haut treffen. Sie ist bereits in der achten Woche einer Schwangerschaft entwickelt und ist somit unser am frühesten ausgebildeter Sinn. Wir erfühlen mit Hilfe der Hautsinne Berührungen, Druck, Spannungen, Temperaturunterschiede und die Oberfläche und Textur von Objekten, und geben so dem Gehirn die Möglichkeit diese Informationen zu interpretieren. Auch im zwischenmenschlichen Umgang würde uns ohne diesen Sinn eine Menge fehlen. Dadurch, dass die Haut den ständigen Umwelteinflüssen ausgesetzt und für sie so massiv sensibilisiert ist, ist sie auch der Körperbereich, der am stärksten und umfangreichsten von Erkrankungen betroffen ist.

Aufbau der Haut und Sitz der Sinneszellen
Unsere Haut hat als äußersten Schutz gegen die Umwelt eine Hornschicht, die sich ständig erneuert. Sie liegt auf der ersten Hautschicht, nämlich der Oberhaut. Diese ist zwar papierdünn, aber sehr elastisch und widerstandsfähig. Im nächsten Bereich, direkt unter der Keimschicht der Oberhaut, befinden sich die unterschiedlichen Sinneszellen der Lederhaut, die jeweils einen bestimmten Zuständigkeitsbereich haben. Die Tastkörperchen sind für das Registrieren von Berührungen zuständig und sind in besonders großer Anzahl in den Fingerspitzen oder Zungenspitze zu finden. Sogenannte Wärmekörperchen melden dem Gehirn steigende Temperaturen und Kältekörperchen machen Gleiches bei sinkenden Temperaturen. Tiefer in der Lederhaut liegen schließlich die Nerven-Enden, welche als eine Art Alarmvorrichtung des Körpers, Schmerzreize an das Gehirn melden.

Verschiedene Qualitäten der Wahrnehmung
Nicht jeder Reiz wird gleich intensiv registriert und weitergeleitet. Die verschiedenen Arten von Sinneszellen, wie oben beschrieben, arbeiten je nach Bedeutung und Gefahrpotenzial für den Körper, unterschiedlich schnell. Die Rezeptoren, die für die drei Wahrnehmungsqualitäten Vibration, Druck und Berührung zuständig sind, haben eine sehr niedrige Reizschwelle. Sie reagieren also schon bei sehr geringen Reizen. Bei der Reizübertragung teilt sich der Tastsinn schon in zwei Leitsysteme. Nämlich werden die eben genannten drei Reize über den gleichen Nervenstrang auf der einen Körperseite des Rückenmarks an das Gehirn geleitet, wogegen Schmerz- und Temperaturreize auf der gegenüberliegenden Seite übertragen werden, wo sie Reflexe auslösen können. Gerade dies ist ein wichtiger Schutzmechanismus des Körpers und bedarf daher einer eigene Nervenleitung.