Der Zucker- ungesund aber so lecker!

Dass zu viel Zucker ugesund ist, überascht wohl kaum jemanden. Doch kann Zucker Bluthochdruck verursachen und Diabetes auslösen?


Zucker, so begehrt er auch ist, zählt zu den umstrittensten Stoffen in der Ernährung. Dass zu große Mengen Zucker für verschiedene Krankheiten verantwortlich sind, darüber ist man sich sowohl in Expertenkreisen, als auch in der Bevölkerung einig. Verschiedene weit verbreitete Krankheiten gehen auf eine fehlerhafte Zuckerernährung zurück, darunter Karies, Fettleibigkeit und natürlich auch die Zuckersucht als solche.

Ist Zucker ungesund?
Dass eine Ernährung mit zu hohem Zuckeranteil Karies verursacht, ist inzwischen ein wissenschaftlicher Fakt: Die im Zahnbelag enthaltenen Bakterien wandeln den Zucker in der Nahrung in Säure um, die den Zahnschmelz durchbohrt und so ein Loch entstehen lässt. Auch der Zusammenhang zwischen einem hohen Zuckerkonsum und Übergewicht ist hinreichend bewiesen: Kohlenhydrate, sprich Zucker, die vom Körper nicht in Energie umgewandelt und damit verbraucht werden, werden vom Körper als Energiereserven in Fett gespeichert, auf die er in harten Zeiten zurückgreifen könnte. Bei der allgemeinen Bewegungsarmut der meisten Menschen tritt ein solcher Zustand des Rückgriffes auf die Reserven aber nicht ein und das Fett bleibt.

Zucker ein „Vitaminräuber“?
Des Weiteren steht Zucker in dem Ruf, ein Vitaminräuber zu sein. Dieser Glaube resultierte daraus, dass zur Umsetzung von Zucker in Energie das Vitamin B1 (Thiamin), das in Obst und Gemüse enthalten ist, benötigt wird. Man ging also davon aus, dass bei steigendem Zuckerkonsum auch höhere Mengen von Thiamin zugeführt werden müssten, um einen Vitamin B1-Mangel zu vermeiden. Diese These ist allerdings inzwischen wissenschaftlich weitgehend widerlegt: Bei einer ausgewogenen Ernährung nehmen wir täglich etwa zwei Milligramm Thiamin zu uns, was für die Umsetzung von etwa 1,5 Kilogramm Zucker reichen würde, sodass die Mengen an "geraubten" Vitaminen ohne weiteres kompensiert werden können.

Verursacht Zucker Krankheiten?
Aber auch andere Zivilisationskrankheiten gehen auf fehlerhafte Ernährung mit zu viel Zucker zurück. Diabetes, auch die Zuckerkrankheit genannt, wird zum Beispiel unter anderem durch zu hohen Zuckergehalt der Nahrung hervorgerufen. Durch Industriezucker wird zu viel Zucker in zu konzentrierter Form mit einem Mal verabreicht, sodass die Bauchspeicheldrüse immer wieder in sehr kurzer Zeit sehr hohe Leistungen vollbringen muss, um den Blutzuckerspiegel wieder zu senken. Durch diese Höchstleistungen wird die Bauchspeicheldrüse geschwächt und ist irgendwann nicht mehr in der Lage, die richtigen Mengen Insulin auszuschütten und den Blutzuckerspiegel konstant zu halten.

Verursacht Zucker Depressionen?
Amerikanische Forscher vermuten auch einen Zusammenhang zwischen dem erhöhten Konsum von Industriezucker und Depressionen. Zwar wird dem Zucker im Allgemeinen eine antidepressive Wirkung nachgesagt, die durch die Ausschüttung von Serotonin entsteht, gleichzeitig aber sollen sie eine herabsetzende Wirkung auf die Endorphine haben. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass ein Mangel an Endorphinen zu Depressionen führt. Des Weiteren spekulieren die Wissenschaftler, dass der süße Geschmack Hirnzentren aktiviert, die bei Depressionen eine Rolle spielen.

Bluthochdruck durch zu viel Zucker?
Auch Bluthochdruck wird auf einen zu hohen Zuckerverbrauch zurückgeführt. So soll ein erhöhter Insulingehalt des Blutes nach dem konzentrierten Zuckerkonsum die Gefäßinnenwände angreifen und damit die Gefahr einer Arterienverkalkung erhöhen. Dadurch kommt es zu Bluthochdruck und einer erhöhten Schlaganfallgefahr.
Im Gegensatz zu der weitverbreiteten Meinung, es gebe einen Zusammenhang zwischen der Entstehung des Aufmerksamkeitsdefizit-Syndroms ADHS, ist inzwischen wissenschaftlich bewiesen, dass Zucker und andere Nahrungsbestandteile, wie Phosphate und Nahrungsergänzungsmittel, keinen Einfluss auf die Störung haben.

Wie viel Zucker braucht der Körper?
Viele Krankheiten entstehen vor allem dann, wenn zu viel Zucker in der Ernährung enthalten ist. Der durchschnittliche Zuckerverbrauch liegt bei 100 bis 150 Gramm pro Kopf und Tag und ist damit eindeutig zu hoch. Wo das gesunde Maß liegt, hängt sehr stark von den individuellen Lebensumständen ab. Die Weltgesundheitsbehörde und die Deutsche Gesellschaft für Ernährung gehen von einem täglichen Bedarf von etwa 50 bis 60 Gramm Zucker am Tag aus.

Welche Funktionen hat der Zucker im Körper?
Auch wenn Zucker ungesund ist, ist der Körper auch auf eine gewisse Zuckerzufuhr angewiesen, denn der Zucker erfüllt im Körper bestimmte Funktionen. Zum einen ist Zucker der wichtigste Energielieferant: Etwa 55 Prozent der gesamten Energiezufuhr sollten über Kohlenhydrate, also Zucker gedeckt werden. Zum Anderen benötigt auch unser Gehirn ständig Zucker, denn die Nervenzellen beziehen ihre Energie ausschließlich aus Glukose und greifen, im Gegensatz zu den meisten anderen Körperzellen, nicht noch auf andere Energielieferanten zurück. Bei Zuckermangel sind Sehstörungen, Kopfschmerzen und Schwindelanfälle die Folge. Es ist allerdings, bei einer gesunden, natürlichen Ernährungsweise, für beide Funktionen nicht erforderlich, den in Obst, Gemüse und Getreide steckenden Zuckergehalt künstlich aufzustocken.