Johannes Ittens Arbeit an der Ordnung der Farben und der Farbbeziehungen entstand aus einem Bemühen heraus, eine Richtlinie für die farbliche Gestaltung im Malerhandwerk schaffen und dem kunstpädagogischen Ziel, Kunstmalern eine Übersicht zu den Farbharmonien zu liefern. Daran arbeiteten am Bauhaus eine Reihe Künstler, von denen Itten und seine Arbeit die größte Bekanntheit erlangten. Die Kunstmaler gingen davon aus, dass durch Mischen der drei Grundfarben alle Farbharmonien darstellbar seien. Noch heute wird zumeist dieser Farbkreis im Kunstunterricht an Schulen gelehrt. So wie die Farben in Ittens Farbkreis abgedruckt aussehen, lassen sie sich in der Praxis jedoch nicht nachmischen, da die abgedruckte Farbgebung nicht durch reales Mischen entstanden ist. Bei einem Mischversuch geraten die gemischten Farben trüber und sehr ungenau. Es handelt sich also eher um eine Idealvorstellung.
Das Aussehen des Farbkreises
Der Farbkreis nach Itten wird als ein Ring dargestellt, auf dem die Farben nach Ähnlichkeit aufeinanderfolgen. Dabei kommt im Wechsel immer erst eine Primärfarbe, gefolgt von einer Sekundärfarbe, einer Tertiärfarbe und daraufhin wieder Sekundär- und Primärfarbe. Diese Folge baut sich von Innen des Kreises heraus auf, wo die drei Grund- beziehungsweise Primärfarben Rot, Blau, Gelb, im Dreieck zueinander angeordnet sind. Aus dem Mischen dieser drei reinen Farben erhält man die Farben zweiter Ordnung, also die Sekundärfarben: Orange, Violett und Grün. An diesem Punkt wird oft von einem Fehler Ittens gesprochen, da die Primärfarben Rot und Gelb eigentlich kein Grün ergeben. Mischt man wiederum die Sekundärfarben miteinander, erhält man sechs Farben der dritten Ordnung, also die Tertiärfarben: Gelbgrün, Blaugrün, Blauviolett, Rotviolett, Rotorange und Gelborange.
Es liegen sich schließlich im Farbkreis nach Itten die entgegengesetzen, also Komplementärfarben, immer gegenüber.
Die Kontrastbeziehungen
Itten beschrieb, wie stark die Wahrnehmung der Farben durch andere Farben beeinflusst wird. Dazu entwickelte er die Theorie der sieben Farbkontraste. Der bekannteste ist wohl der Komplementärkontrast, bestehend aus zwei einander im Farbkreis gegenüberliegenden Farben.
Der einfachste Kontrast ist der Farbe-an-sich-Kontrast, bei dem mindestens drei Farben in ihrer stärksten Leuchtkraft und Intensität zusammengebracht werden. Mit dem Hell-Dunkel-Kontrast erreicht man, gerade in farbreduzierten Darstellungen, ein gewisses Maß an Plastizität: Je ausgeprägter der Kontrast, desto plastischer die Wirkung. Hinzu kommt der Warm-Kalt-Kontrast, bei dem durch die Kombination kalter und warmer Farben dem Betrachter bestimmte Stimmungen und Empfindungen impliziert werden können. Weiterhin definiert er den Qualitäts-Kontrast, welcher sich aus der Kombination von Farben unterschiedlicher Qualität ergibt: Trübe, stumpfe Farben werden mit intensiven, gesättigten kombiniert. So kann der Eindruck von Räumlichkeit oder auch Scheinräumlichkeit verstärkt werden, beispielsweise durch einen trüben verschwommenen Hintergrund für den Horizont und intensiv farbigen Häusern im Vordergrund für räumliche Nähe zum Betrachter. Bei dem Quantitätskontrast werden unterschiedlich große Farbflächen einander gegenübergestellt, zum Beispiel bei einem dunkelblauen Nachthimmel mit einzelnen gelben Sternen. Schließlich gibt es noch den Simultankontrast, der sich aus einer optischen Täuschung ergibt. Dabei wird hinsichtlich der wahrgenommenen Farbintensität durch bestimmte Farbkombinationen eine empfundene Kontraststeigerung ausgelöst. Wenn man beispielsweise eine weiße Fläche umgeben von einer grünen sieht, ergänzt das Auge automatisch die Komplementärfarbe zum Grün (Rot) und die weiße Fläche wird nicht mehr rein weiß wahrgenommenen, sondern mit einem leichten Rotstich.