Freier Wille oder Fremdbestimmung – Determinismus: Ein immer währender Konflikt, mal philosophisch und mal theologisch betrachtet.
Das Zusammenspiel von Intellekt und freiem Wille stellt für die Philosophie des Geistes seit jeher ein grundlegendes Problem dar, mit dem sich schon viele Philosophen auseinandersetzen. Aus diesem Konflikt entstanden schon in früheren Zeiten wichtige philosophische Strömungen: Intellektualisten, wie Thomas von Aquin und Aristoteles, vertraten die Ansicht, der menschliche Wille sein dem Intellekt untergeordnet, während Voluntaristen glaubten, dass einzig durch den Willen ein autonomes Handeln möglich sei. Dem entgegen setzen Anhänger des Determinismus die Verleugnung der Willensfreiheit, da diese, ihrer Überzeugung nach, fremd- beziehungsweise vorbestimmt sei.
Die Fähigkeit des Menschen, sich frei zu entscheiden
- Der Begriff Determinismus stammt aus dem Lateinischen 'determinare' und bedeutet bestimmen. Vertreter des Determinismus behaupteten, dass, unmittelbar vor der Entschließung zum Handeln, im Gehirn stattfindende bioelektrische Vorgänge ein bestimmtes Verhalten vorankündigen. Das heißt, noch bevor wir uns unserer Entscheidung bewusst werden, hat unser Gehirn sie bereits getroffen.
- Von dieser Betrachtungsweise ausgehend, kann man also nicht mehr von selbstbestimmtem Handeln oder freier Entscheidung sprechen. Buridanus glaubte auch nicht an die Unsterblichkeit der Seele und der Vernunft, im Gegensatz zu Cholastikern wie Platon, die den Intellekt als göttlichen Bestandteil der Seele definierten.
Verschiedene Ansätze des Determinismus
- In der Philosophie der Physik wird selbst Realität als nicht hundertprozentig bestimmbar beschrieben. Klassische Physiker dagegen glauben, dass bestimmte Systemzustände jederzeit, das heißt auch in der Zukunft, genau berechenbar sind, wenn man über die dazu nötigen Kenntnisse verfügt. Die Naturphilosophie setzt den Determinismus in engem Zusammenhang mit natürlichen Vorgängen. Strikte Naturgesetze bestimmen sämtliche in der Welt ablaufende Prozesse. Demzufolge würden geistige Zustände dann aber auch zu natürlichen Prozessen werden, was die reelle Existenz des freien Willens wiederum in Frage stellt.
- Unter dem theologischen Aspekt betrachtet wird diese Problematik eher größer. Die meisten Religionen glauben zwar an den freien Willen des Menschen, gleichzeitig aber auch an einen allmächtigen und allwissenden Gott. Die Existenz einer göttlichen Übermacht, die überall und zur selben Zeit ist und agiert, würde bedeuten, dass auch die in der Welt ablaufenden Prozesse alle gleichzeitig stattfinden. Eine Tatsache, die das Existieren eines solchen Gottes absurd erscheinen lässt und, wie Anthony Kenny meint, die Abschaffung des Gottesbegriffs zur Folge haben muss.