Die Eheschließung - Ein Relikt mit Zukunftsperspektive?

Die traditionelle Notwendigkeit einer Eheschließung zur Familiengründung besteht zwar nicht mehr, dennoch bedeutet die Ehe den Menschen noch immer viel. Der Bund fürs Leben hat für viele eine symbolische Bedeutung und ist eine Versicherung der gegenseitigen Liebe.


Die Ehe ist eine rechtlich verbindliche und anerkannte Lebensgemeinschaft zwischen Mann und Frau. Traditionell war sie die Voraussetzung und Zweck zur Familiengründung, also der Zeugung und dem Großziehen von Kindern. Gesellschaftlich wurde der Eheschließung ein sehr hoher Stellenwert beigemessen. So diente die Ehe beispielsweise der Ordnung und Kontrolle des Verhaltens junger Menschen, vor allem aber der Frauen. Gerade im christlich geprägten Raum, wurde Sexualität nur im Rahmen der Ehe akzeptiert, weshalb zumindest Frauen jungfräulich in die Ehe gehen mussten. Außerehelich geborene Kinder wurden lange Zeit vom Vater rechtlich nicht anerkannt, was sich beispielsweise beim Erbrecht zeigte, und die unverheirateten Mütter mit ihren Kindern gesellschaftlich stigmatisierte.

Eheformen

  • Es gibt viele Formen der Ehe, die sich meist nach den jeweiligen religiösen Vorgaben richtet. So findet man beispielsweise die Mehrehe, also Polygamie. Hier ist hauptsächlich die Form verbreitet, bei der lediglich Männer ein Recht auf mehrere Ehefrauen haben, Polygynie genannt. Dies findet man bis heute im Islam.
  • Die gegensätzliche Form, bei der eine Frau mehrere Männer haben darf, die Polyandrie, ist hingegen kaum verbreitet. Sie wird unter anderem in Sri Lanka und Südindien praktiziert. In den christlich geprägten Ländern, also nahezu allen westlichen Industriestaaten, ist nur die Einehe, die Monogamie, sowohl staatlich als auch religiös anerkannt.

Ein ritualisierter Bund fürs Leben

  • In unserer modernen Gesellschaft erfolgt die Eheschließung vor dem Staat anhand der Unterzeichnung eines rechtlich verbindlichen Vertrages. Bei zusätzlicher kirchlicher Eheschließung wird beispielsweise in der römisch-katholischen und orthodoxen Kirche die Ehe auch als ein heiliges Sakrament und somit als unauflösbar gesehen.
  • Traditionell geht der Eheschließung eine Verlobungszeit voraus, die als geistige Vorbereitungs- und Kennenlernzeit zwischen den Eheleuten gilt. Dazu gehörten einst auch ritualisierte Geschenke wie die Mitgift, die von der Brautfamilie mit in die Ehe gegeben wurde.

Die moderne Ehe

  • Im 20. Jahrhundert hat die Ehe als gesellschaftlich notwendiger Schritt an Bedeutung stark verloren. Da Frauen sich mittlerweile größtenteils selbst versorgen können und beruflich engagiert sind, fällt die Ehe als finanzielle Sicherung und Versorgung durch den Mann meist weg. Daher werden auch die meisten Ehen im Gegensatz zu früheren Zeiten nicht mehr so jung geschlossen und es kommt aufgrund mangelnder Abhängigkeiten eher zu Scheidungen. Vor allem seit beide Ehepartner gleichberechtigt ein Recht auf Scheidung haben.
  • Die Einführung der rechtlich anerkannten Lebenspartnerschaften hat mittlerweile auch gleichgeschlechtlichen Beziehungen eine Möglichkeit auf staatliche Anerkennung der Partnerschaft mit gesetzlichen Rechten und Pflichten gegeben.