In den 1980er Jahren hielten mit 40 Prozent nicht einmal die Hälfte der befragten Menschen in Deutschland eine Eheschließung für erstrebenswert. Die hohe Scheidungsrate erzeugt eigentlich auch ein bestätigendes Bild. Dennoch wird die Ehe heute als eine feste Form der Partnerschaft gerade wieder von jungen Menschen als sehr wichtig im Leben empfunden. Immerhin sehen etwa 80 Prozent in ihr eine lebenslange Partnerschaft, wobei eine feste Partnerschaft für sie an erster Stelle steht, wenn es darum geht, was sie für ihr Lebensglück in Zukunft erwarten. Gerade aber in Bezug auf eine Familiengründung, ist die traditionelle Ehe noch eine Voraussetzung und ein wichtiger Sicherheitsfaktor.
Schnellerer Entschluss zur Trennung
Neun von zehn Menschen heiraten mindestens einmal im Verlauf ihres Lebens und möchten damit eine stabile lebenslange Partnerschaft eingehen. Gleichzeitig häufen sich Trennungs- und Scheidungsraten. Doch dies ist nicht wirklich erstaunlich, denn es liegt keineswegs an einer Veränderung der Wertvorstellungen, die damit in Verbindung gebracht werden. Bis heute möchten die Menschen im gemeinsamen Leben mit ihrem Ehepartner Treue und Geborgenheit finden. Die Liebe in der Beziehung soll sich vor allem auf Vertrauen, tiefer Freundschaft und Intimität gründen. Der Punkt, an dem die recht hohe Trennungsrate sich bestätigt, ist die geringere Bereitschaft für Verpflichtung und Anpassung. Die Tatsachen, dass Scheidungen wesentlich einfacher durchzuführen sind als noch vor einigen Jahrzehnten und dass gerade Frauen nicht mehr grundsätzlich in einem Abhängigkeitsverhältnis in der Ehe leben, tragen außerdem dazu bei.
Unabhängigkeit und Selbstbestätigung
Heutzutage ist die Unabhängigkeit eines der wichtigsten Werte in unserer Gesellschaft. Das Ziel, sich im Laufe seines Lebens in irgendeiner Form zu verwirklichen, gehört zu den Dingen, die am häufigsten genannt werden, wenn es darum geht, was Glück und Lebensziel ist. Eine feste Partnerschaft und erst recht eine Ehe verlangt aber ein hohes Maß an Kompromissbereitschaft, oder aber eine starke Offenheit der Individualität und Eigenständigkeit des Ehepartners gegenüber. Dies lässt sich für viele auf lange Sicht nicht mit den persönlichen, oft sehr traditionellen Erwartungen an eine Ehe vereinbaren. Es besteht gerade in der Phase des Verliebtseins ein großer Hang zum „Eins-Sein-Wollen“ mit einer starken Fixierung auf den Partner. Wenn der Alltag Einzug gehalten hat, normalisiert sich diese Sicht wieder und Probleme treten auf.